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woran man wäre; was helfen Erdäpfel?" Dem Mutlosen gilt alles nichts, dem Mutigen wenig viel.

Am folgenden Tag fuhr ein Wägelchen an; Vreneli stiess einen Schrei der Freude aus, Uli hob kaum den Kopf, denn ihm war noch schlimmer als am vorigen Tag. Auf dem Wägelchen sassen der Bodenbauer und seine Frau. Sie waren lange nicht dagewesen, hatten das Unglück vernommen, kamen nun selbst, zu sehen, wie es stehe und welche hülfe die beste sei; es waren wahre Freunde in der Not. Sie sahen mit innigem Mitleid die Verwüstung, wie ihnen seit langem keine vorgekommen, besonders erbarmten sie die armen Bäume, welche jahrelang siechen und fruchtlos bleiben mussten. Auf Vrenelis Antrieb gingen sie allentalben herum, und Vetter Johannes musste raten und sagen, was man vorzukehren hätte, um noch so viel möglich Nutzen zu ziehen aus diesem und jenem, was umzufahren sei, was man stehen lassen, was ab, mähen solle usw. Uli war wohl auch dabei, aber es war fast, als ob er keine Ohren hätte, die Sache ihn nichts anginge. Joggeli trappete auch nach, gab hier und dort verblümte Stiche, die niemanden trafen als Vreneli, welches seine Redeweise am besten kannte. Es lud ihn ein, mit ihnen zu essen, er gab jedoch zur Antwort, sie hätten ihre Sache selbst zu brauchen und niemanden nötig, ihnen dabei zu helfen.

Dem Bauer und der Bäuerin war Ulis Niedergeschlagenheit aufgefallen, nach der Weise bedächtiger Leute hatten sie aber nichts davon gesagt. Nach dem Essen stellte Vreneli nach Landessitte, wo der Wein erst nach dem Essen erscheint, wenn nämlich welcher erscheint, eine Mass auf den Tisch und schenkte ein. "Warum hast doch Kosten," sagte die Bodenbäurin, "wir haben es nicht nötig und ihr das Geld sonst zu brauchen; daneben wenn ihr was nötig habt, so sprechet zu, wenn wir es haben, so soll es nie Nein heissen. Gerade in solchen zeiten hat man einander nötig, gehts gut, so kann man es alleine machen." "So ist es," sagte der Bodenbauer, "und was meine Frau sagt, ist nicht bloss geredet, sondern ist Ernst. Aber sag mir, Uli, was ist mit dir? Dich kenne ich gar nicht wieder, warst sonst doch nicht so verdrückt und ohne Mut; warst wohl manchmal obenaus und liessest wieder die Flügel sinken vor der Zeit, aber wenn du sahest, dass man dir zu helfen begehre, und man dir das Kinn in die Höhe drückte, so warst wieder ein Mann. Aber heute will gar nichts anschlagen bei dir, essen und trinken tust du nichts, reden nichts, und seit einer Weile ist es, als hörtest du nichts! Rede, was ist es?" "Ich bin nicht zweg," sagte Uli matt, "es ist mir in allen Gliedern, es ist mir, als wäre ich unter der Erde. Es wäre gut, ich wäre es schon, denn an allem bin ich schuld." Vreneli wollte unterbrechen, der Bodenbauer fragte, Uli sagte zu Vreneli: "Rede selbst und sag, wie die Sache sich verhält es tut mir der Kopf so weh! Sage nur alles, es ist am besten, sie wissen, wie es ist."

Vrenelis Verstand sah alsbald, dass Offenheit hier am platz sei. Johannes war Bürge, und wenn jemand mit Rat und Tat beistehen konnte, so war er es. Wenn man Beistand will, muss man offen sein; nichts schreckt hülfsbereite Menschen mehr ab, als wenn sie merken, dass man ihnen viel oder die Hauptsache verheimlicht, wodurch jede hülfe nichts ist als in einen Abgrund geworfene Schätze. Vreneli erzählte klar, aber so schonend als möglich. Als es ihre Finanzzustände auseinandersetzte, berührte es begreiflich auch das Verhältnis mit Wirt und Müller, aber nur leise, so dass, wer nicht die ländlichen Verhältnisse ganz genau kannte, nichts Besonderes bemerkte. Ebenso machte es es mit dem Prozess, als es aber zu dessen Ende kam und dessen Zusammenhang mit dem Hagelwetter erzählte und wie Uli dies jetzt so schwer nehme, da sagte die Bodenbäurin ein über das andere Mal: "Mein Gott, mein Gott, ist das möglich!", und der Bodenbauer meinte, so was sei doch wirklich seit langem nicht er, lebt worden. Aber wenn es so sei, so solle Uli sich eben trösten, denn es sei ein Zeichen, dass Gott es gut mit ihm meine. Eine Züchtigung, und sei es auch ein solch Hagelwetter, sei doch immer besser, als am Galgen zu sterben. Auch vergass Vreneli nicht zu erwähnen, wie Joggeli keinen Verstand habe, was sie auch an ihm täten. Doch hätte dieses so viel nicht zu bedeuten, denn Ernst würde er von sich aus nicht machen; aber Sohn und Tochtermann seien immer geldbedürftig, liessen sich vielleicht seine Anforderungen abtreten oder beschummelten ihn auf andere Weise, dass sie zwischen Tür und Angel kämen. Es sei Keinem zu trauen, namentlich der Tochtermann sei des Ärgsten fähig, und Joggeli, obgleich beständig aufbegehrend, sei so leicht einzuschüchtern wie ein Huhn, und obgleich alle Menschen tadelnd, in vielen Dingen einfältiger als die dümmste Frau. So sei er nicht immer gewesen, aber das Alter sei da und die Frau fehle ihm.

Johannes ging hinüber zu Joggeli und hatte eine lange Konferenz mit ihm. Diese Konferenz war keine Intervention