Und wenn du den Prozess auch verloren hast," sagte Vreneli, "so macht das wieder nichts, es geht nicht um Frankreich, es ist ein Lehrgeld für ein andermal." "Ja, wenn ich ihn verloren hätte, da wäre es wohl gut, ich wäre dessen noch froh, dann hätten wir das Hagelwetter nicht und ich nichts auf dem Gewissen, welches mir niemand mehr von demselben nimmt."
Nun erzählte er Vreneli, wie er den Prozess gewonnen; nach dem gesetz habe er recht gehabt, so hätten es die Richter gesagt. Angelogen habe er das Mannli, das sei wahr, aber das sei nicht gegen das Gesetz gewesen, und über den Gewinn sei er ganz froh gewesen, bis das Mannli von Weib und Kindern gesprochen und ihm angewünscht, dass Gottes Hand ihn entweder beizeiten treffen oder er am Galgen sterbenmöchte. Die Worte hätten ihm schwer gemacht und nicht aus dem Sinne wollen, es sei ihm immer gewesen, wäre er nur daheim; aber an ein Hagelwetter habe er nicht gedacht, da es ja hier nicht hagle, höchstens alle hundert Jahre einmal. Er habe wohl gesehen, dass es hagle gegen das Oberland, er habe den Zusammenstoss der Wetter gesehen und wie sie einander heraufgetrieben gerade gegen ihn zu; es sei ihm kalt geworden ums Herz, er habe denken müssen: kommt ein Blitz und trifft er dich? Als der Hagel losgebrochen, als er wie ein armer Sünder am Halseisen unter dem Baume gestanden, da habe er den Blitz erwartet und nichts denken können als: Gott sei meiner armen Seele gnädig! Mit dem Leben sei er davongekommen, aber was jetzt? Ein armer Tropf, solange er lebe, dass ärmer keiner auf der Welt sei. Er sei nun um seine Sache, sei um ein gutes Gewissen, müsse sein Lebelang denken, er habe sich und noch einen unglücklich gemacht, und wenn er schon gut machen wollte, so seien ihm die hände gebunden, da er selbst nichts habe. Als der Alte vorhin gesagt, es nehme ihn wunder, warum es gerade jetzt hageln müsse, da hätte er es ihm sagen können, aber nichts als wünschen, wenn er doch nur zehntausend Klafter tief unter dem Boden wäre.
Vreneli hatte mit Beben Ulis beichte gehört. Es war weit entfernt, die Sache leicht zu nehmen und Uli die Art, wie er das Gewitter auffasste, auszureden. Es hatte einen innigen Glauben an den Zusammenhang der göttlichen Fügungen mit den menschlichen Handlungen, glaubte an eine Vorsehung, welche die Haare auf dem haupt kennt und die Sperlinge auf dem dach behütet, es glaubte an die zeitlichen Strafen, aber als eine Zucht, welche wirken soll bei denen, welche Gott lieben, eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit. Als es stumm dagesessen und lange um das rechte Wort gerungen und es nicht gefunden – klagen, Vorwürfe machen wollte es nicht, und wie trösten? –, da stunde es plötzlich auf, holte das heilige Buch, suchte, fand und las: "Betrachtet doch den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich erduldet hat, auf dass ihr nicht matt werdet, den Mut fallen lasset! Ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden über dem Kämpfen wider die Sünde. Und, Lieber, habt ihr schon allbereits vergessen die Vermahnung, die mit euch als mit Söhnen redet? Mein Sohn, spricht sie, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst, denn welchen der Herr lieb hat, den züchtigt er; er geisselt aber einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt. So ihr die Züchtigung erduldet, so erbeut sich Gott gegen euch als gegen Söhne; denn welcher Sohn ist, den der Vater nicht züchtigt? Seid ihr aber ohne Züchtigung, deren sie alle sind teilhaftig worden, so seid ihr Bastarde und nicht Söhne. Darnach so haben wir die Väter unseres Fleisches zu Züchtigeren gehabt und sie gescheuet; sollten wir dann nicht viel mehr untertan sein dem Vater der Geister, dass wir leben? Denn jene haben uns gezüchtigt wenig Tage nach ihrem Gutdünken; dieser aber züchtigt uns zunutze, auf dass wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Eine jede Züchtigung aber, wenn sie gegenwärtig ist, dünket sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; aber darnach gibt sie denen, die durch sie geübet sind, eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit. Darum richtet wieder auf die sinkenden hände und die müden Knie und machet richtige Wegleisen euren Füssen, auf dass nicht, was lahm ist, abgestossen werde, sondern vielmehr gesund werde! Jaget dem Frieden nach gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche niemand den Herrn sehen wird! Und sehet darauf, dass nicht jemand Gottes Gnade versäumet, dass nicht etwa eine Wurzel der Bitterkeit auf, wachse und Unruhe anrichte und Viel durch dieselbige befleckt werden!"
"Das wäre schön," sagte Uli, als Vreneli zu lesen aufhörte und ihn ansah, "wer es fassen könnte." Da wurde er abgerufen, die Knechte fühlten einmal, dass sie den Meister bedurften. Die Ställe waren voll Vieh, und keine Hand voll Gras wäre in diesem Augenblick auf dem ganzen Gute zu haben gewesen; die Trümmer waren mit Hagel bedeckt, das neue Heu noch in Gärung. Da kam es Uli wohl, dass er dafür sorgte, so viel als möglich durch den grössten teil des Sommers altes Heu zu haben; dies kommt in gar vielen Fällen äusserst