um dich ausgestanden, das glaubst du nicht. Mein Gott, wo warst in diesem Wetter! Gewiss im Freien, und kamst lebendig davon!" Die freundliche Teilnahme weckte Uli aus der stumpfen Betäubung, doch bloss bis zu den Worten: "Es wäre vielleicht besser anders, mir wäre es wohl gegangen und niemand übel." "Nit, nit" sagte Vreneli, "versündige dich nicht. Es ist übel gegangen, viel zu übel; als es am stärksten machte, wollte es mir fast das Herz abdrücken, es war mir, als sollte ich dem lieben Gott zuschreien, was er doch denke. Da fiel mir ein, du könntest im Wetter sein, vom Blitze getroffen werden oder sonst übel zugerichtet. Da war es mir weder um Korn noch Gras noch Bäume mehr; es kommt ein ander Jahr, und da wachsen wieder andere Sachen, aber wenn es nur Uli nichts tut, dieser recht nach haus kommt, so macht alles andere nichts, ward mir. Da fasste ich mich, und sobald man vor das Dach durfte, sah ich nach dem wasser, und siehe, da kömmst du daher, und jetzt ist alles gut. Jetzt komm heim, du hast es nötig." "Siehst?" sagte beim Gehen Uli, "kein Halm steht mehr, kein Blatt ist an den Bäumen, alles am Boden, alles weiss wie mitten im Winter. Was jetzt," Er stunde still und zeigte Vreneli hin über das Gut.
Es bot wirklich einen herzzerreissenden Anblick, sah schaurig aus, ein Schlachtfeld Gottes, wo seine Hand über den Saaten der Menschen gewaltet. Unwillkürlich tränten Vrenelis Augen und seine hände falteten sich, aber es suchte sich stark zu machen, es sagte: "In Gottes Namen, es sieht schrecklich aus, aber denke, Gott hat es getan, wer weiss warum! Wir müssen es nehmen, wie er es gibt; er, der uns geschlagen hat, kann uns auch helfen, mit Kummern und Klagen richten wir nichts aus. denke, wie es heisst: Sorget nicht für den morgenden Tag, es ist gut, dass jeder Tag seine eigene Plage habe." "Das steht schön geschrieben, aber wer kann es so nehmen," sagte Uli, "bsunders –" Doch Vreneli fiel ihm ins Wort und sagte: "Nit, nit, Uli! Immer denken muss man so, dann kommt es einem auch so ins Herz und man weiss nichts mehr anders. Aber sieh, was ist das? Du mein Gott!" Es war eine Brut junger Wachteln; wahrscheinlich hatte die Mutter mit ihren Kleinen ins nahe Gebüsch fliehen wollen, und als sie merkte, dass es nicht ging, die Jungen, welche ihr gefolgt, noch einmal unter ihre schirmenden Flügel gesammelt und so mit ihnen den Tod gefunden. Sie lag mit ausgebreiteten Flügeln tot, unter denselben und um sie her ihre Jungen alle, sie war den Tod der Treue gestorben. "So wäre es einem am wöhlsten," sagte Uli. Vreneli antwortete nicht darauf, sondern sammelte die armen Tierchen in seine Schürze und sagte: Die müsse ihm keine Katze fressen oder ein ander wüst Tier. Die Alte mit ihren Kindern verdiene begraben zu werden wie ein Mensch, denn braver als mancher Mensch hätte sie gehandelt.
Unter dem dach seines Stöckleins steckelte Joggeli im Hagel, der dort hoch aufgetürmt lag, und sagte: "Gross wie Baumnüsse sind sie, so grosse Steine sah ich nie. Es war ein schrecklich Wetter, es weiss kein Mensch, wie übel es gegangen, gleich vor der Ernte, das wird manch Lehnmannli schütteln und erlesen. Aber sie sind selbst schuld, warum tun sie nicht in die Assekuranz; gerade für solche Leute, die ein Hagelwetter nicht ertragen mögen, wäre sie. Aber wunder nimmt es mich, warum es gerade in diesem Jahre nach siebenzig Jahren zum erstenmal wieder gehagelt hat und so grob; da muss was Apartes dahinter sein, ich wüsste sonst nicht, warum Gott es gerade jetzt wieder hätte hageln lassen. Wenn es nur so wegen dem allgemeinen Gebrauch wäre, so wäre es schon lange wieder geschehen, aber warum gerade jetzt wieder? Das dünkt mich kurios." Er erhielt keine Antwort. Als sie ins Haus waren, sagte Joggeli: "Jetzt ist dem das Reden doch einmal auch vergangen, es dünkt mich nicht anders. Ich will nicht sagen, dass ich es ihm gönnen mag, aber recht ist, dass dem auch mal was auf die Nase kommt. Wenn ich nur schon meinen Zins hätte, da lässt sich zur rechten Zeit zusehen, dass ich zu meiner Sache komme."
Vreneli unterdrückte mit aller Macht Klagen und Kummer, war mit aller Teilnahme um Uli besorgt, legte trockne Kleider zurecht, bereitete einen guten Kaffee, der Weiber Tröster in allen Nöten. Aber duster blieb Uli, sprach nicht, legte statt zu essen und zu trinken den Kopf in die arme auf den Tisch und seufzte tief Vreneli sprach zu, guten Muts zu sein, das sei die Hauptsache. Noch hätten sie auch noch etwas, hätten gute Leute, und an dem, was Gott tue, sei doch noch selten jemand zugrunde gegangen, wenn er standhaft geblieben und Herz und Kopf am rechten Flecke behalten; wer zugrunde gehe, sei gewöhnlich selbst daran schuld. "Eben das ist es," sagte Uli, "du weisst darum nicht alles." "