tod der Mund sich schliesst, aus dem das Wort gegangen, bleibt frei und lebendig das Wort; über dasselbe hat der Tod keine Macht, ins Grab kann es nicht verschlossen werden, und wie man die Knechte Gottes schlagen mag in Banden und Ketten, frei bleibt das Wort Gottes, welches aus ihrem mund gegangen. Aber auch mächtiger als Dolch und Gift ist das böse Wort, das durch die Herzen fährt und in die Seelen schleicht oder schlüpft. Schlangen und Banditen sind greuliche, scheussliche Dinger, aber viel scheusslicher sind glattzüngige Verführer, welche Gift träufeln in arglose Herzen, sind viele Wortführer des Tages, falsche Propheten des Lügengeistes, der im Paradiese sein heillos Amt begann.
Es war lange über Mittag, als sie zum Wirtshaus kamen; heiss war es zum Ersticken, kein Lüftlein regte sich, zum Himmel heraus hingen schwarze Wolken, Trauerfahnen, welche Gottes Hand heraushängt, wenn er seine Gerichte bereitet. Uli begab sich ins grosse Gastzimmer; in die innere stube, wohin die Agenten gingen, wo auch die Richter er, wartet werden, gehören die Laien nicht. Er liess sich etwas zu Mittag geben, er meinte, er sei sehr hungrig, aber der Appetit fehlte ihm, als er begann zu essen. Der Wirt munterte ihn zum Essen auf: "Es ist alles frisch und sauber," sagte er, "und lange her, seit du etwas im Magen gehabt haben wirst." Eben das mache es, sagte Uli, dass er nicht essen möge; wenn es über die gewohnte Zeit gehe, so vergehe der Hunger.
Dem war aber nicht so, das Wort des armen Mannli hatte Uli ins Gemüt geschlagen, gärte dort, verdarb ihm den Appetit. Was er auch anderes denken wollte, es stunde ihm immer vor der Seele, und wie er auch zum Zorn sich stacheln wollte gegen das Lumpenmannli, welches solche Reden führe, die Rede löschte immer den Zorn, und Bangen war da. Bah, sagte er, solchen Worten müsse man sich nicht achten; Recht sei Recht, und wer recht habe, hätten die Richter gesagt, die sollten es wissen! So tröstete sich Uli, und der Trost hielt doch nicht. Solche Worte sollte man verbieten beim Hängen, zu bedeuten hätten sie nichts, das wisse ja jedes Kind, aber man höre sie doch nicht gerne; alles Fluchen sei ja schon von Gott verboten, und wenn er das daheim forttreibe, vielleicht noch mit seinen Kindern, so könnte ihnen allen das an der Seele schaden, und es wäre doch schrecklich, wenn sich die Kinder dessen entgelten müssten. Man sieht, Uli hatte bereits viel von den Agenten gelernt.
Der Wirt fragte: "Du wirst doch gewonnen haben? Was hast für einen Handel gehabt?" Uli erzählte. "Da hast gewinnen müssen," sagte der Wirt, "jedes Kind auf der Gasse kanns ja begreifen; aber ich kenne das Mannli, das ist nicht das richtigste, ein böses Tüfelsmannli ist das, es hat auch den Ruhm dafür. Es ist gut, dass der einmal an den Rechten gekommen ist; gerade recht hast du es ihm gemacht, er besinnt sich dann ein andermal, ob er die Leute plagen soll. Brandschatzen hat er dich wollen, und gerade so sollte es allen gehen." Aber die Worte, welche er ihm hätte drin zugemessen, hätte er doch ungern; er möchte nicht, dass jemand meine, er hätte sie verdient, entgegnete Uli. "Dessen musst du dich gar nichts achten," sagte der Wirt, "solche Worte haben gar nichts zu bedeuten; Worte sind Worte und sonst nichts, um einen guten Schoppen will ich dir abnehmen alles, was dir dein Lebtag angewünscht wird. Was meinst, wie bös wäre ein Wirt daran, wenn solche Worte was zu achten wären? Jedes Hagels Bäuerlein, wenn es meint, ich habe an einem Kalb zu viel Profit gehabt oder an einem Leichenmahl zu viel Wein angerechnet, wo es doch gewiss nicht ist, sagt gleich, der Tüfel solle den Wirt holen, und ich habe ihn noch nie gesehen."
So tröstete der Wirt, und der Trost eines Wirts ist auch gut, warum nicht? Er währt wenigstens so lange als seine Schoppen, und dies ist auch schon was. Durch die ins andere Zimmer einbrechenden Gerichtsmänner wurde der Wirt in seinem Troste unterbrochen, denn wenn Priester und Krieger der Gerechtigkeit einem Wirte zuhanden kommen, gilt so ein Uli nichts mehr, und wenn er Trost noch so nötig hätte. Es war bereits über vier Uhr, als Uli sich auf den Heimweg machte, er förderte rasch seinen Schritt. Der Wein, des Wirts Worte, das Gefühl, gewonnen zu haben, drängten den empfangenen Eindruck in den Hintergrund, machten ihn guten Muts. Es sei schon viel geschwatzt worden in der Welt, dachte er, und habe nicht viel zu bedeuten gehabt.
Schwarz stunde im Westen ein Wetter, aber es bewegte sich nicht; in kurzen Flügen flatterten die Schwalben um Bäume und Häuser, still und matt hingen die Blätter an den Zweigen. In den Wiesen sah man in breiten schwarzen Hüten und hohen Holzschuhen die eingefleischten Wässerbauern stehen und den zu erwartenden Wassern die Wege bereiten, denn das wasser bei Gewitterregen, welches die Strassen fegt und die nicht wohlbewahrten Düngerhaufen umspült, ist für einen rechten Wässerbauer oder vielmehr seine Wiesen das beste Labsal. Wer bei solchen Umständen den Andern am besten