zwei Zentnern. "Es dünkt mich, es sei noch nie so gegangen mit Betteln," sagte der dicke Engel, "es ward mir himmelangst für dich; die Leute haben doch je länger je weniger Verstand, und wenn es nicht die Halben versprengt vom Küchlifressen, so meinen sie, es sei ihnen übel gegangen. Da habe ich dir eine kleine Steuer, denn Viele werden meinen, wir seien noch auf dem hof, und kommen unsertwegen, und vielleicht kann ich dir sonst noch helfen." Sie stellte einen bedeutenden Butterkübel, den sie hinter Joggelis Rükken aus ihrem Keller stibitzt hatte, dem besten Schmuggler zum Trotz, auf den Küchentisch.
"Aber Base, Base, nein, das hat doch wirklich keine Art, jetzt noch so viel Butter! Ihr seid doch gewiss die beste Base unter der Sonne! Was kann ich Euch dagegen tun, Vergelts Euch Gott zu hunderttausend Malen!" "Tue nicht so nötlich," sagte die Base, "und sag, wo ich dir helfen soll. Es wäre ja unsere Pflicht, auszurichten, was üblich und bräuchlich ist, und dass ihr schon zum erstenmal aufgefressen werdet wie das Kraut von den Heuschrecken, selb meinte sicher selbst Joggeli nicht. Bloss dass ihr scharf gebürstet werdet, das wohl, das möchte er euch gönnen." "Base, glaubt nur, geben tue ich gar gerne; ich fühle es recht, dass geben seliger ist als Nehmen. Es kommt mir dabei immer vor, als sei ich Gottes selbsteigne Hand, welche er öffnet zur Stunde, damit sich sättigt, was da lebt. Aber wenn es dahergeflogen kommt wie Krähen im Winter über einen spät gesäeten Acker, dann wird es einem doch angst ums Herz, man kommt in Versuchung und versündigt sich fast, wird ungeduldig, wenn die Zeit verrinnt, der Abend kommt und unsre Leute hungrig kommen und nichts finden." "Allweg," sagte die Base, "aber wart, ich will dir helfen."
Nun half die Base, sie machte die Schaffnerin und Spenderin nun wirklich so, dass Vreneli Zeit und Stoff für seine Leute die Fülle blieb. Ging jemand unzufrieden weg, so fiel der Groll auf die Bäuerin, deren bekannte Gestalt unter die Tür stunde und ihn abgefertigt hatte.
Wie Vreneli in der Küche, schwitzte Uli auf dem feld. Es war ein Tag, in welchen sich fast mehr Arbeit drängte, als hinein mochte. Zweitausend Garben sollten eingeführt werden. Mit zwei Stieren führte er den Wagen auf dem Acker, war er geladen, so fuhren vier Pferde denselben heim. Eine Partie lud zu haus die Garben ab, eine andere band Garben, die dritte lud sie. Zu dieser gehörte Uli, er gab alle Garben selbst auf den Wagen, alles griff in einander, ward in halbem Lauf getan, Uli hatte keinen Augenblick zum Verschnaufen. Aber Uli hatte zwei Augen und die sahen einen bedeutenden teil der Bettler, welche bei dem haus ab- und zugingen.
Anfangs achtete er sich nicht so viel derselben. Erst als einer sagte: "Es geht heute aber stark, so wie noch nie," ward er aufmerksam, wollte sie zählen; aber zugleich sollte er die Garben zählen, welche er auf den Wagen gab, und Bettler und Garben kamen ihm untereinander, dass er nicht mehr wusste, woran er war. Dies machte ihn noch giftiger, auslassen durfte er seinen Grimm nicht, höchstens den Stieren konnte er rauhere Worte geben als sonst und unsanfter sie zerren an ihren Hörnern. Aber sie nahmen keine Notiz davon und frassen gemütlich das vorgelegte Gras und liessen sich behaglich durch einen Knaben Fliegen und Bremsen wehren. "Wart nur bis ich heimkomme," dachte Uli, "dann will ich sehen, was übrig geblieben. Hoffentlich gibt es gelegenheit, die Narrheit ein für alle Male abzustellen."
Indessen bis er mit dem letzten Wagen heim konnte, stunde er eine Hitze und Ungeduld aus, dass er von nun an vollkommen wusste, wie es den Menschen im Fegfeuer zumute sein muss. Auf dem Wege begegnete ihm Joggeli. "Führe nur brav ein," sagte ihm dieser, "hast es nötig, Bettler und Mäuse bedürfen viel und das Jahr ist lang." Uli antwortete nicht, aber wer sich auf das Knallen einer Peitsche versteht, konnte an demselben dessen Gedanken abnehmen. Es war viel, dass er den Wagen nicht umwarf oder keinen Abweisstein umfuhr, aber Gewohnheit macht viel. Aber sobald die Pferde stillestunden, übergab er das Abspannen dienstbaren Geistern und ging der Küche zu. Gewaltig nahm er sich zusammen, um nicht mit der tür ins Haus zu fallen, sondern gemässigt aufzutreten mit dem Anstand, welcher dem Meister ziemt. Gepolter und Aufbegehren an diesem Tage würde sein Ansehen bedenklich geschädigt haben. Das bedachte Uli. Als er unter der Küchentüre erschien, stiess er auf die Base, vor welcher er auch Respekt hatte, so dass er fast kleinlaut fragte: "Wie stehts? In einer halben oder ganzen Stunde höchstens sind wir fertig!"
Freundlich kam Vreneli aus Rauch und Qualm ihm entgegengesprungen, glühend von Schweiss und Arbeit. "Gut." sagte es, "kommt wann ihr wollt, es ist alles zweg, und lieb ist es mir gar sehr, wenn es mit der Arbeit nicht geht bis tief in die Nacht hinein; habe es an diesem Tage sehr ungern, denn gewöhnlich geschieht noch was Ungeschicktes. Aber zu tun