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dachte Uli, und so war es auch.

Als sie nach kurzer Beratung des Gerichtes wieder hinein, gerufen wurden, war sein Gegner mit seiner Klage abgewiesen und in die Kosten verurteilt. Das Mannli ward blass, sein langer Stab tanzte auf dem Boden, und weit, weit streckte er seine Faust vor, und es war, als wolle er sich ducken zum Sprunge auf die Richter; dumpfe Laute quollen über seine Lippen, wahrscheinlich drückten sie nicht den grössten Respekt aus, denn sein Agent, welcher ihm am nächsten stunde, fand sich veranlasst, ihn mit möglichster Schnelligkeit vor sich her aus dem Gerichtssaale zu schieben.

Uli war es wie einem, der, in eine Dornenhecke gefallen, gefürchtet hatte, er komme nur zerfetzt und wie ein gerupftes Schaf mit Hinterlassung aller Wolle daraus, plötzlich auf freien Fussen steht mit heiler Haut, oder wie dem Daniel, als er ungefressen aus der Löwengrube kam, die Bestien ihn nicht angetastet, und waren doch im Gerichtshofe acht Anwalte, sechs Agenten und Geschäftsmänner in ungezählter Menge und alle trotz asiatischen und afrikanischen Bestien (amerikanische sollen weniger wild und grausam sein) mit Hunger und Durst behaftet. Also gewonnen, gewonnen! Was wird die Frau sagen? Es ist doch gut, dass man andern Leuten auch glaubt als nur den Weibern, aber so leichtlich bringt mich nicht mehr jeder zu einem Prozess. Es ist allweg eine verteufelte Plag, man wäre leichter eine kleine Weile gichtisch oder sonst krank, so dachte Uli.

So war er, ohne dass er es merkte, hinter das Mannli und seinen Agenten gekommen und hörte, wie der Erstere zum Letzteren sagte: "Machet, was Ihr wollt, aber einen solchen Handel zu verspielen, muss man ein Esel oder Schelm sein. Ich habe recht vor Gott und Menschen in aller Ewigkeit, die Ochsen da oben mögen erkennen, was sie wollen. Macht jetzt was Ihr wollt, ich habe kein Geld, habe nichts als ein mager Höflein, Kinder und Schulden, und wenn Ihr die wollt, könnt Ihr sie haben, welche Stunde Ihr wollt, ich will sie Euch noch vors Haus bringen unentgeltlich. Vor und nach kann ich vielleicht was zahlen, aber überstürzt Ihr mich, werfe ich den Schlegel, rufe den Konkurs an. Die Kinder können betteln gehen und ich will stehlen, bis ich an obrigkeitliche Kost komme."

Da sagte Ulis Agent: "Mit Reden zahlt man niemand, das wäre bequem, ich habe auch noch eine Rechnung, und die wird müssen bezahlt sein; es hat schon Mancher, der nichts haben wollte, gezahlt, wenn man ihn recht angefasst hat." Da drehte sich das Bäuerlein um, sah Uli, stunde still und sagte: "So, du bist auch da! Hast mich betrogen und jetzt noch den Handel gewonnen, und ich werde mit Weib und Kind dem heiligen Almosen nach müssen! Mein Lebtag hat mich doch kein Mensch so verführt! Meinte, du seiest ein ehrlicher Mann, den Halunken sah ich dir nicht an! Aber ist ein gerechter Gott im Himmel, so treibt er dir dein Schelmenstück zehnfach ein und bald oder Lässt es dich bis zum Galgen bringen und jagt dich dann dem Teufel zu, besser verdienst du es nicht!" Als er das gesagt hatte, drehte er sich um, ging rasch seines Weges. Es war Uli, als sehe er ihn mit dem Ärmel über die Augen fahren.

Die Agenten lachten sehr über den Zorn des Bäuerleins und lebten noch manchen Tag wohl daran, ungefähr wie Buben, welche sich am Zappeln von Maikäfern ergötzen, die sie an Faden gebunden haben und denen sie allgemach Flügel und Beine ausreissen. Auf Uli dagegen machte die Rede Eindruck; es lag ein Fluch darin, und solche Worte hielt er nicht für gleichgültig, besonders da sich in seinem Herzen etwas rührte, welches sich mit dem Troste, dass, hätte er nicht recht gehabt, die Richter ihm nicht recht gegeben, durchaus nicht beschwichtigen lassen wollte. Anlügen ist anlügen, ein Gericht mag sagen, was es will.

Es ist eine wunderbare Sache um die Macht des Wortes, nicht umsonst hat so mancher Aberglaube sich damit vermischt; dass zum Beispiel das Wort des Menschen Macht habe über Gott, so dass er müsse töten oder wettern, je nachdem, das Wort die Macht habe, aus den Gräbern die Toten zu rufen und zu öffnen die Schatzkammern der Erde. Aber ein fromm vertrauensvolles Wort zum Vater im Himmel, eine Bitte aus innigem Herzen, was hat sie nicht vermacht und wie oft hat nicht ein Wort geschlagen in das Herz des Sünders wie der Blitzstrahl aus einer Donnerwolke! Wie oft nicht ein Wort das Andenken grosser Verstorbenen herbei, gerufen, neues Leben geweckt in den Herzen der Enkel! Wie oft ist nicht das Wort in Herzen gedrungen, hat Steine von den Gräbern gesprengt, unter welchen die edelsten Kräfte begraben lagen, und ein junger, schöner Frühling erblühte, wo früher Öde war und totes Gestein! Wie oft ward das Wort nicht zur feurigen Röte, welche den Bösewicht unstät jagte über die Erde! Das Wort ist unendlich mächtiger als das Schwert, und wer es zu führen weiss in starker, weiser Hand, ist viel mächtiger als der mächtigste der Könige. Wenn die Hand erstirbt, welche das Schwert geführt, wird das Schwert mit der Hand begraben, und wie die Hand in Staub zerfällt, so wird vom Rost das Schwert verzehrt. Aber wenn im