Eine oder der Andere flucht in einer Ecke, wenn er seinen Advokaten mit dem des Gegners vertraut unter einem Fenster reden sieht, denn er hatte geglaubt, sie Beide sollten sich mit dem gleichen Hasse hassen, mit welchem er und sein Gegner einander hassen. "Da werden sie mit einander abreden, wer gewinnen und wer verlieren soll, wie die Schwinger am Ostermontage in Bern. Es ist doch von denen Hagle keinem was zu trauen, es ist ein Schelm wie der andere, wenn man es sagen dürfte, und Unterschied ist keiner, weder dass der eine um etwas der Schlimmere und der andere um etwas der Dümmere ist," so wird geurteilt.
Endlich wird das Publikum ungeduldig, Einige steigen voran, Einige schimpfen über das Zögern, sie hätten weit heim und seien nicht zweispännig hergefahren, und es dünke sie, die Herren sollten an Hunger und Durst auch etwas sparen für den Mittag, sonst möchten sie da nichts mehr. Endlich kommt der Gerichtsweibel und sagt den Herren des Tages: Die Richter sässen schon lange und verlangten nach den Herren, wenn man erst mittags anfange, so finde man den Feier, abend nie. Indessen ist der Herr Gerichtsweibel nicht halb so pressiert, dass er nicht mit einem oder zwei Gläsern Wein Bescheid tun kann. Hätten sie drüben schon so lange gewartet, so würden sie noch um einer kleinen Weile willen nicht aus der Haut fahren, kalkuliert er, und gewöhnlich ganz richtig, denn sein Kalkul gründet sich auf Erfahrung. Endlich muss doch aufgebrochen werden, denn unter all den Helden ist denn doch kein Josua, der die Sonne stellen kann, und nach Sonnenuntergang sind Gerichtshandlungen nicht mehr gültig. Vor Gericht beginnt die Schlacht mit Plädieren und Replizieren und endlichem Judizieren. Partei um Partei treten vor und treten ab, und reiche Studien macht, wer die Wirkungen beobachtet, welche Gewinnen und Verlieren auf den Gesichtern hervorbringen, und bemerkt manch Gesicht, dem man es durchaus nicht anzusehen vermag, ob ihn es ein günstig oder ungünstig Urteil getroffen.
Uli war einer der Letzten, welche vorkamen, ihm war ungefähr wie einem, der gehängt werden soll, aber erst noch einige Andere zu seiner Stärkung und Erquickung muss hängen sehen; wer dies erlebt hat, weiss, wie es ihm war. Endlich wurden sie vorkommandiert. Seines Gegners Agent eröffnete das Feuer, und zwar so scharf, dass es Uli fast schwarz ward vor den Augen. Der wusch ihm den Pelz, dass er glaubte, er könne sein Lebtag keinem Menschen mehr ins Gesicht sehen, dass er viel Geld gegeben hätte, nicht bloss, wenn er den Handel nie angefangen, sondern wenn er nur nie hergekommen wäre, denn fortan werde jedes Kind, wo er sich zeige, mit Fingern auf ihn weisen und sagen: "Seht da den Betrüger, den verlogenen Kuhhändler!", und dass was an dem Gerede wäre, das sagte Uli was unter dem Brustlatz. He nun, so ist es, dachte er, gut für einmal! Ich merke jetzt, wie es die Leute meinen; hätte ich der Frau geglaubt, so wäre es mir nicht so gegangen.
Nun trat auch sein Anwalt auf. Wenn der nur schweigen oder die Sache ganz kurz machen würde, dass sie bald vorbei wäre, dachte Uli, aber dem Lumpenhund wolle er es doch einmal sagen, wie er ihn hineingeführt, denn mit Schein laute das Gesetz ganz das Gegenteil, als der Hagel es ihm angegeben. So gehe es, wenn man von der Sache nichts verstehe, sich bloss müsse brichten lassen und noch dazu von solchen Beinschabern. Nun aber kam sein Anwalt nach einigen Präliminarien auch in Fluss der Rede. Potz Himmel, wie tat Uli erst das Maul auf und wie fing es ihm dann zu wohlen an, das Ding kam heraus wie ein umgekehrter Handschuh und Uli musste immer denken: Persche, ja so! Kuh, was ich bin, dass ich das nicht gedacht! Er fing an zu wachsen, mit souveräner Verachtung auf den andern Anwalt und das Lumpenmannli, das heisst seinen Gegner, herabzusehen, der zuweilen das Maul auftat, als ob er reden, eine Bewegung machte, als ob er auf den Redner einspringen wolle und ihn traktieren mit seiner Faust, die er immer geballt hatte und mehr oder weniger vorstreckte, je nach dem Siedpunkte seines Zorns.
Uli kam sich fast vor, als sei er eins von den Gespenstern, von denen man erzählt, dass sie sichtlich wachsen und wachsen, bis ihr Kopf in den Wolken ist, während sie mit den Beinen noch auf Erden stehen. Man hätte glauben sollen, im ganzen Bernbiet sei kein ehrlicherer Mann und noblerer Staatsbürger als Uli. Und wirklich hatte selbst Uli nie daran gedacht, dass er so einer sei, und fürchtete fast, er könne künftig vor lauter Rechtschaffenheit, Tugend, Vaterlandsliebe und entschiedenem Fortschritt sich nicht vor den Leuten sehen lassen, dieweil die Einen aus Neid zerspringen, die Andern aus Begierde, so einen zu sehen, ihn erdrücken könnten; recht hätte er, und ohne Laterne sehe man es, und wenn die Richter nicht Schelme seien, so müsse er gewinnen, und dass sein Agent so reden könne, als wäre er schon im Himmel gewesen, das hätte er ihm sein Lebtag nie angesehen, weder hinten noch vornen, weder im Wirtshaus, wenn er die Andern im Spiel betrog, noch daheim, wenn er die Frau prügelte. Das Gewinnen hätte er bar, so