seiner Mutter gefunden, dass Uli längst auf dem Heimweg war, als sie anlangten. Uli hatte Kasten und Kisten ihnen ins Haus gestellt, wo er Platz dazu fand, und dort liess man sie stehen. Die kurze Zeit vor dem Schlafengehen musste Elisi verschwatzen, noch hier und dort Bericht geben, wie es gegangen und was es mitgebracht; das war eine notwendige Erleichterung, ohne welche es nicht hätte schlafen können. Elisi hatte zwei gute Dinge an sich, Appetit und Schlaf, selbst die Freude über sein Heimgebrachtes trieb ihn es nicht aus dem Bette. Längst war acht Uhr vorüber, als es sich schläfrig aus dem Bette wälzte, in den Haaren kratzte und nach dem Kaffee schrie. Als der Kaffee kam, fragte es: "Wo ist er" "Weiss nicht!" sagte die Magd. Als der Kaffee getrunken war, ging Elisi nach seinen Kisten und Kasten, aber wo sie am Abend gestanden, stunden sie nicht mehr, stunden nirgends mehr, wohin es auch sehen mochte. "Tüfel, wo sind sie?" schrie Elisi der Magd zu. "Weiss nicht!" antwortete diese.
Ja, jetzt gabs Lärm! "Wo sind meine Sachen, wo sind meine Sachen!" erscholl es durch Stadt und Land. Unerschütterlich blieb die Magd bei der Antwort: "Weiss nicht!" Die Leute lächelten hinter den Fenstern, verschwanden aber, wenn das Geschrei: "Wo sind meine Sachen, wo sind meine Sachen?" in ihre Nähe kam. Endlich kriegte es eine Frau Nachbarin satt und erschien dem schreienden Elisi unter der tür und sagte: "Schweiget doch und brüllt nicht das Land voll, hilft Euch doch nichts; diesen Morgen in aller Früh ist Euer Mann damit fort, herbeibrüllen werdet Ihr sie nicht mehr, und solltet Ihr brüllen bis zum jüngsten Tag und noch zehnmal so laut." So sprach sie und verschwand. Ja, jetzt war Elisi nicht mehr zu helfen, es wurde wirklich in allem Ernste fast gar ohnmächtig. "O meine Sachen, meine Sachen! O Mutter, o Mutter!" Und: "Der verfluchte Schelm!" Und usw. Ja, das ging schrecklich, ein Schlosshund ist dagegen nur ein Anfänger. Aber es ging, wie die Nachbarin sagte: Elisi brüllte die Sachen nicht herbei, und wenn es gebrüllt hätte wie zehntausend Ochsen. Der liebe Gemahl war allerdings damit fort auf Nimmerwiedersehen, das heisst der Sachen, er selbst wartete noch auf fettere Beute; er war in immerwährender, immer engerer Geldklemme, in welcher er sich jedoch mit grosser Gewandteit zu bewegen wusste, indessen trotz derselben hätten ihn die Gläubiger längst über Bord geworfen, wenn nicht der reiche Schwiegervater im Hintergrunde gewesen wäre. Trieben sie ihn zum Geltstag oder Konkurs, so war zehn gegen eins zu wetten, dass er nichts erbte, sondern das ganze Erbe seinen Kindern zugestellt wurde, was gesetzlich zulässig war, dann hauen die Gläubiger das blinde Nachsehen. Man schenkte ihm also so gleichsam wie die Katze der Maus mit aufgehobener Tatze das Leben, vertraute ihm jedoch so wenig als möglich Neues an. Das brachte den Herrn in grosse Geldnot und setzte ihn fast vor die Geschäfte hinaus. Der Nachlass der Mutter selig war für ihn ein prächtiger Fang, der ihn wieder Hott machte für eine Zeit. Er machte sich keinen Augenblick ein Gewissen daraus, die Hand darüber zu schlagen, ihn zu versilbern, so gut er konnte, so was verstund er und kannte die gelegenheit. Er löste eine beträchtliche Summe, liess Elisi kaltblütig heulen und schreien und fuhr herum wie ein Fischlein, welches vom Trocknen wieder ins wasser gekommen. Elisi hintersinnete sich fast, aber was half ihm das? Es war wirklich in einer sehr traurigen Lage. Vom mann war es verraten und verkauft, auf der ganzen Welt hatte es keinen Menschen, der sich seiner annahm, und wenn der Bruder und seine Frau es vernahmen, wie es ihm ergangen, so lachten sie sich den Buckel voll, das wusste es.
So in der Welt zu stehen, ist wirklich trostlos, und Mancher wurde ein Narr darob. Aber Elisi hatte keine so spröde, sondern eine zähere natur; viel Heulens mochte es ertragen, und wenn es einmal zu einem frischen weissen Brötchen kam, einigen Cotelettes oder einigen Batzen, welche es dem mann stehlen konnte, so fand es darin grossen Trost für manchen Tag.
Achtzehntes Kapitel
Ein Gericht und zwei Sprüche
Unterdessen war Ulis Prozesslein fortgelaufen, hatte sich ausgesponnen auf wunderbare Weise zu einem langen, langen Faden. Wenn er meinte, er packe das Ende, husch, war es ihm entronnen und weit weg wie dem kind das Fischlein, nach welchem es hastig gegriffen. Schon tüchtig war Uli durch seinen Agenten angepumpt worden, als es endlich hiess, an dem und dem Tage werde, wenn nichts dazwischenkomme, abgesprochen, Uli müsse dabei sein, müsse auch einmal wissen, wie dies gehe, und sehen, wie der Gegner ein Gesicht mache, wenn er verspiele, er werde sich verwundern. Es machte indessen Uli doch angst auf diesen Tag, es fiel ihm ein, es wäre noch immer möglich, dass er verliere, dann könnte es ihn ärgern und der Andere zusehen; er habe schon gehört, es gehe bei den Abstimmungen oft verflucht ungerecht zu und der beste Handel könne verloren gehen, denn die meisten Richter verständen nichts vom Recht und die übrigen seien sonst nicht sauber im Nierenstück, dachte