möchte ich-" "So lebt wohl, Herr Pfarrer," sagte Johannes, "muss pressieren, wir haben eine grosse Verwandtschaft; nur bis allen Bescheid gemacht ist und niemand vergessen, gibt es zu tun und zu denken. Lebet wohl!", und wie ein Berg wälzte es sich ihm von der Brust, als er vom Pfarrhause wegging, und immer leichter und wohliger ward es ihm ums Herz, je näher er dem Wirtshaus kam, und als er endlich wieder drinnen sass, da ward es ihm akkurat, als sei er zu haus. Der Pfaff hätte ihm noch eine Predigt halten wollen, sagte er zur Wirtin, aber dem habe er es schön gemacht, die tür in die Hand genommen und sei gegangen. Gewiss stehe er noch mitten in der stube und glotze die tür an wie eine Kuh das neue Tennstor. So sollte man es allen denen – pfaffen machen. Wenn alle es so machen würden, das Predigen und Leuteplagen verginge ihnen, denen –. Dazu stiess Johannes die Augen aus dem Kopf, dass sie anzusehen waren wie zwei Mailänderäpfel, riss das Maul auf, dass man es füglich für das berühmte Urnerloch hätte ansehen können; aus dem einfach geöffneten Tor flogen abwechselnd ganze Wolken Rauch und ganze Wolken Flüche, und mit den breiten Fäusten schlug er den Takt dazu. Kurz er gebärdete sich ganz als ein Mann, dem ein Berg sich von dem Herzen gewälzt hat oder der einer grossen Gefahr entronnen ist und es sich nun behaglich macht. Jetzt hatte er nichts mehr zu pressieren, liess es sich so wohl sein, dass er geholt werden musste, um Nötiges zu beschicken.
Vreneli verlebte die nächsten Tage voll Zorn und Wehmut, es gedachte der Worte der Seligen über ihre Kinder und begriff sie. Es betete zu Gott, dass was bei Menschen unmöglich sei, Gott möglich machen möge, der Seligen die Last von der Seele nehmen und sie nicht entgelten lassen möchte, was sie in Unwissenheit und aus gutem, wenn auch schwachem Herzen getan. Am bösten war es über die zwei Weiber. Es war ihm unmöglich, ihnen ein gutes Wort zu geben; dass so gemein, herzlos, blechern ums Herz zwei Menschen sein könnten, das hatte es sich nicht vorgestellt. Fressen und Zanken war ihr Tagewerk. Am besten kam es mit Johannes aus. Der hatte doch noch ein Herz von Fleisch und Blut, und manchmal war es sogar, als fahre wie ein Blitz ein höheres Gefühl durch dasselbe, aber wenn man es fassen wollte, siehe so war es schon nicht mehr da. Indessen begehrte er doch bestmöglichst den Anstand und das Übliche zu berücksichtigen, hörte Vreneli an, wenn es etwas anbrachte, gab ihm zumeist recht und half zuweilen selbst etwas anordnen aus eigenem Antriebe.
Johannes hatte eine von den brüllhaften Naturen, welche die ganze Welt voll himmeldonnern, dass man glauben sollte, in ihnen sei die Macht aller wahren und falschen Gotteiten, von Saturn bis auf Hegel, welche bekanntlich darin grosse Ähnlichkeit haben, dass sie ihre eigenen Kinder fressen, konzentriert. Betrachtet man diese Naturen in der Nähe, so sind sie zumeist ohne alle innere Kraft und Macht, ihr ganzes Vermögen geht eben in ihrer Brüllhaftigkeit auf. Man sieht zuweilen Menschen in Kaffeehäusern, bei Spiel und Champagner die bedeutendsten Rollen spielen, dass man meinen sollte, sie wohnten in Palästen, schliefen auf Schwanenfedern unter seidenen Decken, und es sind die ärmsten Schlucker von der Welt, wohnen zur Miete oder wohnen auch gar nicht, und wenn sie Kinder haben, so haben diese oft gar nichts, um die Nase zu wischen, als was sie auf die Welt gebracht. Hört man sie, so glaubt man, Gott habe einmal statt Frösche, wie er zuweilen tut, Helden regnen lassen hageldick, die halbe Welt voll; prüft man sie, so sind es lauter Windbüchsen, bläst man nichts hinten rein, kommt nichts vornen raus, sind ohnmächtige Wesen, untertan jeglichem Winde, der über sie hinfährt, haben aber grosse Fähigkeit, den Wind zu fassen, grosse Fähigkeit, ihn verflucht ring wieder von sich zu geben; wäre aber kein Wind, so wären sie auch nichts. Es sind moderne Naturen, oder, etwas vulgär gesagt, die Schweinsblasen des Zeitgeistes oder jedes andern Geistes, der sein Maul an ihr Röhrchen wagt. Derlei Naturen stolpern zu Tausenden in der Welt herum, vom Himmel geregnete Frösche, brüllen die Welt voll, dass man in Versuchung gerät, sich zu ducken, als wäre eine Herde von zehntausend Büffeln im Anzug. Wer aber Courage hat, standhält, merkt gleich, dass es eben nur Frösche sind, und wer Geduld hat und warten mag bis übermorgen, merkt Keinen mehr von ihnen; unerwartet sind sie gekommen, unerwartet verschwinden sie, woher, wohin weiss man nicht, aber wahrscheinlich, ihrer natur nach, aus dem Schlamm und in den Schlamm. So war auch der Johannes ein Koloss an Gestalt und Gebrüll, und ein klein Kind konnte seine Grundsätze lenken, seine Redensarten bestimmen, konnte alles mit ihm machen, Speise und Trank vorbehalten, denn in dieser Beziehung alleine besass er grosse Selbständigkeit.
Zu allem Peinlichen kam noch der ausgebrochene Kinderkrieg, welcher, man möchte fast sagen, Tag und Nacht kein Ende nahm. Elisis Kinder waren da, Trinettes ebenfalls, die letzteren grösser, die ersteren kleiner, mischten sich unter einander und mit Vrenelis Kindern, und so unartig, zanksüchtig, meisterlos als