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weit reichen, zudem sieh, die Base hat mir vier Taler gegeben; sie hätte es ungern, hat sie gesagt, wenn die Leute alle umsonst kämen und z'leerem wie, der fort müssten." "Das wäre wohl gut, wenn es mit dem gemacht wäre; aber denke, was wir noch alles kaufen müssen für die eigenen Leute und denen dann auch noch jedem ein Tuch voll heimgeben. Die Weiber der Tagelöhner werden wir noch einladen müssen, und einige davon sind imstande, sie bringen uns noch die Kinder mit. Schlachte ich ein Schaf, so braucht man kein anderes Fleisch, mit dem Weine mache ich es kurz. Wenn ich auf zwei Personen eine Mass rechne, die Mass vier Batzen höchstens, so kostet mich das schon ein Sündengeld." "Das tue nicht," sagte Vreneli, "es wäre unser eigener Schade. Vergiss nie, wie es uns war, als wir noch dienten, was wir gesagt hätten, wenn man uns die Sichelten so spärlich zugemessen hätte. Die Arbeiter haben, solange Joggeli lebt, nie so angestrengt gearbeitet, können nichts dafür, dass wir nur Pächter sind, und eine Mahlzeit ist immer eine Mahlzeit, macht auf Fromme und Nichtfromme, auf Reiche und arme einen seltsamen Eindruck. Der arme, welcher Monate lang weder Fleisch noch Wein sieht, freut sich darauf wie ein Kind auf Weihnacht, und warum sollte er nicht? An einer Mahlzeit will man genug haben, von allem satt werden; was man noch möchte und nicht bekömmt, das kommt viel höher in Anschlag als das, was man erhält. Mahlzeiten sind im Leben, was Sterne am Himmel in mondloser Nacht, und nicht bloss wegen Essen und Trinken. Es tauen auch die Herzen auf, es wird einmal wieder Sonntag darin, es bricht die Liebe einmal wieder hervor; wie aus den Wolken die Sonne und wie aus Holland der Nebel, flieht aus mancher Seele der böse Kummer, das Elend wird vergessen, sie wird einmal wieder froh, fasst frischen Mut und danket einmal wieder Gott von Herzen. Nein, lieber Uli, zu mager mach es nicht, mach es um der Menschen willen nicht! Gott hat uns so grosse Ursache zu Lob und Dank gegeben, gib du jetzt deinen Leuten nicht Ursache zu Groll und Widerwillen, sondern zu Lob und Dank, zu Mut und Freude. Vielfältig bringen wir dieses ein, denn wenn bei allen guter Wille ist, so wird rasch viel wieder eingebracht, während bei bösem Willen unendlich viel zuschanden geht. Das hat Joggeli viele tausend Gulden gekostet, bei ihm habe ich gesehen, wie das gehen kann. Schlechten Wein nimm nicht, er freut niemand, wird getrunken wie wasser und ist also der teuerste. Nimm guten Wein, der er, freut die Herzen, sie rechnen ihn dir hoch an und trinken weniger als vom Wein, der keine Tugend hat, als die Köpfe bös zu machen. Denke doch, es ist mir so gut daran gelegen, dass wir mit Ehren bestehen, als dir; es geht auch mich was an, denn gewöhnlich soll die Frau daran schuld sein, wenn der Mann zugrunde geht, aber Sparen und Sparen sind zwei. An einer Kuh, welche Milch geben soll, das Heu, an einem Pferde, welches springen soll, den Hafer sparen wollen, hat noch niemand grossen Nutzen gebracht, wie man Beispiele von Exempeln an manchem Bauer sehen kann."

Uli begriff Vreneli und hatte sogar Glauben zu ihm, aber gegen Glauben und Verstand stritten Geld und Angst, trieben Uli vielen Schweiss und manches Aber aus. Indessen siegten doch die Erstern, denn Vreneli half ihnen mit all seiner Liebenswürdigkeit. Uli schaffte guten Wein an und so viel dass er nicht bei jeder Flasche, welche er aus dem Fässlein zog. Kummer haben musste, es möchte die letzte sein, und in Versuchung kam, Käsmilch aufzustellen in Ermangelung des Weines, ein bös und dünn Surrogat desselben. Ein Schaf wurde geschlachtet, indessen auch dem Rind- und Schweinefleisch die landesüblichen Stellen angewiesen.

Nun war Vreneli hellauf, es glaubte alles gewonnen, aber die Angst kam ihm wieder und zwar am Tage der Sichelten selbst und nicht von Uli her. Als das Sieden und Braten an, ging, die Feuer prasselten, die Butter brodelte und zischte, die Bettler kamen, als schneie es sie vom Himmel herunter, die Pfannen zu alles verschlingenden Ungeheuern wurden, Vreneli, wie viel es auch hineinwarf, immer frisch wieder angähnten mit weitem, ödem, schwarzem Schlund, da kam die Angst über ihn es, aber sie half ihm halt nichts; wie die Sperlinge den Kirschbaum wittern, welcher frühe Kirschen trägt, weiter gezogen kommen mit ihren raschen Schnäbeln und nimmersatten Bäuchlein, so kamen die Bettler daher, vom Duft der brodelnden Butter gezogen, schrieen heisshungrig von weitem schon: "Ein Almosen dr tusig Gottswille" und trippelten ungeduldig an der Tür herum, weil sie vor süsser Erwartung die Beine nicht stillehalten konnten. Vreneli begann Schnittchen zu backen, dass es sich fast schämte, so klein und so dünn die Kruste, und alles half nichts; es war, als ob sie Beine kriegten und selbst zuliefen einem Schreihals vor der Tür. Es ward ihm immer himmelängster, für die eignen Leute konnte es gar nicht sorgen.

In der grössten Not erschien die Base unter der Kuchentüre, wahrhaftig wie ein Engel und zwar einer von den schwereren, denn sie wog wenig unter