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ist es doch besser als prozessieren." "Das verstehst du nicht, Fraueli," sagte der Wirt, "das ist Männersache; darin habt ihr gar nicht zu reden, am besten ist es, man sage euch nichts davon. Schweine mästen und kochen, Kaffee trinken und alle Jahre ein Kind haben, das ist eure Sache und damit punktum. Du musst das machen wie ich," sagte er zu Uli, "meine Frau ist mir lieb und wert, warum nicht; was man nicht ändern kann, darin muss man sich schicken, aber was über die Haushaltung aus geht, von meinem Geschäft, gebe ich nicht Bericht. Warum? Darum: sie versteht es nicht und würde doch meinen, sie müsse das Maul in alles hängen, und was trüg das ab?" Vreneli wurde böse und spitzig. "Es meine", sagte es, "wenn man hülfe das Geld verdienen, so habe man auch das Recht, ein Wort dazu zu sagen, wie es solle gebraucht werden. Es liefe mancher Lump weniger in der Welt herum, wenn er zu rechter Zeit auf seine Frau gehört hätte. Auf den Männern, welche ihren Weibern nicht alles sagen dürften, halte es nicht viel, gewöhnlich stecke was Verdächtiges dahinter, etwas, was besser wäre, sie täten es nicht." "Ist das gestichelt oder sonst getrümpft?" fragte der Wirt. "Nimm es, wie du willst," antwortete Vreneli, "so viel kann ich dir bloss sagen, es ist mir Ernst damit!" "Du hast eine handliche Frau, Uli, die wäre mir nur zu böse," sagte der Wirt, "die musst du nicht Meister werden lassen, sonst bleibt die Kirche nicht mitten im dorf. Ein wenig böse schadet nicht, gerade so wie ein Haushund; wenn der nicht bellen kann und im Notfall beissen, so ist nichts mit ihm, aber Bettlerpack und Fremde muss er anbellen und beissen, nicht den Meister, da muss er wedeln mit dem Schwanze und kusch machen." Da wurde der Wirt abgerufen, sonst hätte er wahrscheinlich er, fahren, dass Vreneli wirklich zu den Haushunden gehöre, welche bellen und beissen können.

Auf dem Heimwege versuchte Vreneli noch einige Male, den Kuhhandel zur Sprache zu bringen, aber Uli gab uneinlässlichen Bescheid, sagte endlich: "Hast nicht gehört, was der Wirt gesagt hat? Man solle den Weibern über solche Sachen nicht Bericht geben, sie verstünden sich nicht darauf." "Verstehst du dich denn darauf?" fragte Vreneli; "du weisst von den Gesetzen und dem Prozedieren gerade so viel als das Kind, welches wir heute getauft, und darum dünkt mich, du solltest dich nicht damit abgeben wollen." "Darum, weil ich und du davon gleich viel verstehen," antwortete Uli böse, "kann ich nicht bei dir zu Rate gehen, sondern muss zu jemand gehen, der mehr von der Sache weiss als ich und du, und damit punktum, wie der Wirt sagte."

Dieser Schluss des Tages jammerte Vreneli sehr. Es hatte an diesem Tage so viel erlebt, erfahren, gedacht, es war gleichsam von den allezeit strömenden göttlichen Offenbarungen umflossen gewesen; wie ein schöner Abendstern hatte ihm Ulis Entgegenkommen geleuchtet, und nun zum Ende Ulis Erkalten, Abwenden zu Andern, Zuwenden einer Klippe, an welcher schon das Dasein von Millionen zerschellte. Es weinte bitterlich, weil Uli den Glauben an es ganz verloren hatte und öffentlich ihm gleichsam abschwur. Jedermann hat einen Glauben, es kommt eben nur darauf an, was, und hauptsächlich, an wen er glaubt. Der Glaube ist abhängig von der Richtung des Gemütes; ein Sprichwort sagt, man glaube, was man gern habe oder was einem in den Kram diene. Man glaubt den Personen, welche reden, was einem in den Kram dient oder was man sonst gerne hört. Wer hat nicht schon Katzen gesehen, wie gerne sie am kopf sich krauen lassen, wie behaglich es ihnen wird, wenn jemand ihnen mit Manier den Balg streicht, wie sie sich auf die Seite legen, alle Viere von sich strecken, jetzt das Bein, jetzt ein anderes aufheben, dass man ihnen auch da krauen solle, dass es auch hier dem Balg wohltäte, wenn er gestrichen würde mit Manier. Wer hat nun nicht auch schon erfahren, dass es so viele Menschen akkurat haben wie die Katzen, manierlich Krauen und Streichen lieben und nicht zufrieden werden, bis man ihnen den Balg an allen vier Beinen gestrichen. Wer nun dieses Streichen und Krauen, welches sich begreiflich nach dem Balge richten muss (ein Winterbalg mag mehr er, tragen als ein Sommerbalg, so wie auch Stubenkatzen und Feldkatzen anders zu traktieren sind), wohl versteht, der findet Glauben. Tausende erheben sich nicht über diesen Glauben; an alles und an alle dagegen glauben sie nicht, wer oder was ihnen nicht wohl macht, nicht ihre Behaglichkeit vermehrt, was sie beisst oder juckt. Mit Abscheu und Hohn wenden sie sich davon ab, werfen gewaltig, wie Buben mit Steinen, mit Aberglauben, pfaffen, Jesuiten und altväterischem Gedampe usw. um sich.

Dieser Glaube wurde durch den Teufel schon im Paradiese eingeführt, als er der Eva den Balg strich. Er verträgt aber keine gewisse Erkenntnis, das hat Eva alsbald erfahren; aber bis auf den heutigen Tag sind Millionen nicht klug geworden, haben die Erfahrung von