mir. Rede dann mit Uli, wie ihr es ausrichten wollt, anständig, nicht übertrieben. Lieb wäre es mir, ihr lüdet Meinen auch ein, viel, leicht kommt er, vielleicht nicht, aber er sieht doch den guten Willen." "Allweg," sagte Vreneli, "und Ihr fehlt auch nicht, es wäre sonst wie ein Tag ohne Sonne oder eine Nacht ohne Sterne, es freute mich nicht, dabeizusein." "Bist immer ein Narrli," sagte die Base. "Und Uli tut sonst gut?" fragte sie; "wenigstens arbeitsam ist er, dass ich nie einen so gesehen." "Ja, Base." sagte Vreneli. "und wenn ich klagen wollte, so wäre es, dass er es zu ängstlich nimmt und dass ich Kummer haben muss, er mache es nicht lang, sondern arbeite sich zu tod." "Bist ein Tröpfli," sagte die Base lachend, "das Mannevolk stirbt nicht so bald, und besser, er tue zu nötlich, als er sei zu gelassen. Sieht er, dass er auskommen mag, so bessert es ihm von selbst, aber ist einer zu gelassen, da ist es nicht zu machen. Brennt das Haus, so ist ein Solcher imstande, er stopft erst die Pfeife und zündet sie an, ehe er Anstalt macht, das Haus zu verlassen."Vreneli lachte, sagte jedoch mit einem kleinen Seufzer: "Zu wenig und zu viel verderben alle Spiel," nahm die Erdäpfel und setzte sie übers Feuer.
Noch selben Abend eröffnete Vreneli die Verhandlungen mit Uli. Uli sagte, es sei ihm schon lange zuwider gewesen, nur daran zu denken. Schon als ihn die Sache nichts angegangen, sondern alles über den Meister ausgegangen sei, habe er sich darüber geärgert, wie so viel durchaus unnütz und überflüssig draufgehe. Wenn er einmal was dazu zu sagen haben sollte, so müsste es ihm anders gehen, habe er immer gedacht. Viel wohler sei man bei Wenigem, und dass jeder arme Mensch an diesem Tage Küchli essen müsse, bis sie ihm zum Mund heraushingen, selb stehe nirgends geschrieben. Wenn sie Küchli haben wollten, so möchten sie sehen, wo sie welche bekämen, sollten zu Joggeli gehen, der könne den alten Gebrauch fortsetzen. "Rede mir nicht so, Uli," sagte Vreneli, "das ist ungut. Sieh, der liebe Gott speiste von deinem Acker auch seine Vögel. Wie lustig waren sie nicht dabei, es war ihre gute Zeit im Jahre und du musstest es geschehen lassen. Und nun, wie viel besser sind doch Menschen als Spatzen, und die sollten nicht einmal einen guten Tag haben, und wenn Gott sie dir vor die tür schickt, um deinen guten Willen zu sehen, zu erfahren, ob du weisst, wer dir den guten Anfang gibt, denen willst du dann nichts geben? Selb, Uli, wirst du nicht machen!" "Bin ich denn Pächter geworden, um Bettlern zu küchlen? Was brauchen die solche Speise, Brot, wenn was sein muss, tuts. Oder meinst etwa, man solle auch den Vögeln küchlen und Schüsseln voll in den Acker stellen?"
"Lieber Uli, rede dich doch nicht in Zorn hinein, denn das ist dein Ernst nicht. Christenbrauch ist es ja, dass man die Armen wie Brüder hält und nicht wie Hunde abspeiset, und gibt man ja selbst den Hunden Brosamen vom Teller, jagt sie nicht mit ungesättigten Gelüsten vom Tische weg. Sollte man dann einem armen Fraueli oder einem armen kind, welches das ganze Jahr durch nichts Gutes hat, kaum Salz zu den Kartoffeln hat, nicht eine gebackene Brotschnitte geben oder sonst ein Küchli? Soll es umsonst den ganzen Tag, wohin es kommen mag, den Duft der in der Pfanne brodelnden Butter in der Nase haben? Denke doch an die geschichte vom reichen mann und vom armen Lazarus." "Soll ich jetzt etwa noch gar der reiche Mann sein?" fragte Uli nicht sanft. "Aber Uli," sagte Vreneli, "versündige dich doch nicht, ich kenne dich ja gar nicht wieder. Bist du nicht der reiche Mann, so bist du doch ein gesegneter Mann. Welch gut Jahr haben wir nicht, und das hat Gott gemacht. Leicht hätte er die Hälfte weniger geben können, und damit hätten wir auch müssen zufrieden sein. Willst du nun mutwillig die Armen erbittern, machen, dass ihre Flüche ums Haus fliegen wie die Schwalben, willst nicht lieber, sie wünschen uns alle Gottes Glück und Segen? Was haben wir ja nötiger als dies? Dem ohne dies wären wir nichts, ohne dies werden wir nichts." "Das wäre alles gut, und bös meine ich es ja nicht, das weisst du" sagte Uli. "Aber fangen wir einmal an mit Grosstun und Austeilen, so müssen wir so fortfahren; ist denn jedes Jahr ein gesegnetes, dass es es ertragen mag? Sollte man nicht gleich anfangs so anfangen, wie man zu jeder und aller Zeit fortfahren kann?" "Ja sieh," sagte Vreneli, "verstehe mich recht, nicht wie ehedem begehre ich es zu machen, dies wird kein vernünftiger Mensch uns zumuten. Man kann die Schnitten ungleich gross abschneiden, sie ungleich backen, kann das Pack abweisen. Ich kenne seit Jahren die Leute, welche kommen, glaube, mit Wenigem will ich