, Pfeffer, Salz und Mostert. Graf G. ist womöglich noch einer der kühnsten und ehrlichsten Degen, die der preussische Adel aufzuweisen hat; ein Mann, der auf seinem Ross die steilste Treppe hinangaloppiert, der seine Pistole so sicher schiesst wie der alte Lederstrumpf seine lange Flinte und der den Säbel mit einer solchen Gewissenhaftigkeit zu führen weiss, dass ich ihn, nämlich den Herrn Grafen G., hierdurch aufs höflichste gebeten haben will, mir doch stets drei Schritte vom leib zu bleiben, sintemalen ich nicht die geringste Lust verspüre, ihm zu fernerer Erprobung seines schauerlichen Handwerks an meinem leib gelegenheit zu geben.
Graf G. hörte von den Taten Schnapphahnskis, und es versteht sich von selbst, dass ihn sofort die Eifersucht stachelte, um aus der Haut zu fahren, um verrückt zu werden. Überall, wo er ging und stand, immer Schnapphahnski und ewig Schnapphahnski! Graf G. geriet zuletzt in ein wahres Delirium, in einen St. Veitstanz, wenn man ihn nur im entferntesten an unsern Ritter erinnerte; seine Hengste spornte er blutig, er prügelte Hunde und Bediente, und alles nur wegen des verfluchten Schnapphahnski.
Am allerbegreiflichsten ist es indes, dass Graf G. zuletzt keinen anderen Wunsch mehr auf Erden kannte, als unserm Ritter einmal auf den Zahn zu fühlen.
Leider wollte sich hierzu aber nie eine gelegenheit finden. Schnapphahnski war der liebenswürdigste Mensch von der Welt, betörend bei den Weibern und schlau bei den Männern. Er war allmählich zu der Überzeugung gekommen, dass das Leben kostspielig ist, sehr kostenspielig. Trotz aller äussern Bravour glaubte er in der Tiefe seiner Seele an den 10. Vers des 90. Psalms, wo da geschrieben steht, dass unser Leben siebenzig Jahre währt, und wenn's hoch kommt achtzig, und dass es köstlich gewesen ist, wenn es Mühe und Arbeit gewesen, und dass es schnell dahinfährt, als flögen wir davon.
Dachte er aber gar an den Grafen G., so ging es ihm nicht anders wie mir: er hätte sich lieber mit dem Pferdefuss des Satans herumgeschlagen als mit der Klinge jenes fürchterlichsten aller modernen Menschenfresser.
Aber was hilft es, wenn die Unsterblichen nun einmal beschlossen haben, dass einem das Schicksal ein Bein stellen soll?
Schnapphahnski hatte eines Abends die Unvorsichtigkeit begangen, seinem treuesten Freunde unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit mitzuteilen, dass die Schwester des Grafen G. – – meine Leser müssen entschuldigen, wenn ich ihnen eine der galantesten Lügen neuerer Zeit nicht zu wiederholen wage – genug, unser Ritter liess sich durch seine Phantasie zu einer Mitteilung verleiten, die, eben weil sie unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit geschah, auch schon am nächsten Morgen von dem treuesten aller Freunde dem Grafen in ihrer ganzen Frische wieder überbracht wurde.
Graf G. fluchte wie ein Christ und wie ein Preusse. Er nahm seinen Säbel von der Wand, und er nahm seine Pistolen – o armer Schnapphahnski! Doch was soll ich weiter erzählen? Es versteht sich von selbst, dass Graf G. in der wohnung unseres Ritters eher den Vater Abraham hätte antreffen können als den Herrn von Schnapphahnski.
Ja wahrhaftig, wie der edle Ritter einst dem ehrenwerten schlesischen Menelaos die Landstrasse geräumt und die liebenswürdigste Frau überlassen hatte, so liess er diesmal dem kriegerischen Grafen G. die Überzeugung zurück, dass ein Mann wie Schnapphahnski eine viel zu feine Nase hat, um nicht das Pulver auf wenigstens tausend Schritt zu riechen – mit einem Worte: Mensen Ernst hätte nicht schneller davonlaufen können als der berühmte Ritter Schnapphahnski.
Die böse Welt erzählt von einer grossen unerbittlichen Hetzjagd, die jetzt ihren Anfang nahm. Fabelhaft war die Wut des Grafen G., aber noch unglaublicher war die Eile des Ritters Schnapphahnski. Wie die brennende Sonne den bleichen Mond verfolgt, so folgte der zornglühende Graf dem angstblassen Ritter. Da war kein Hotel, kein Salon zwischen Dresden, Berlin und Wien, da war kein Ort in dem ganzen östlichen Deutschland, der nicht untersucht wurde, in dem man sich nicht aufs angelegentlichste nach Sr. Hochgeboren, dem Ritter Schnapphahnski, erkundigte. Doch die Distanz wurde immer kleiner; immer näher rückte der Graf auf des Ritters Pelz – in Troppau in Östreich stehen unsere Helden endlich mit den krummen Säbeln in den Fäusten einander gegenüber.
Der edle Ritter kann seinem Schicksal nicht mehr entrinnen. Graf G. versteht keinen Spass. Der Kampf beginnt. Seit Sir John Falstaff auf der Ebene von Shrewsbury mit dem Schotten Douglas aneinander war, gab es kein so famoses Treffen mehr auf der Welt als das unserer Helden in Troppau.
"So fiel ich aus, und so führt ich meine Klinge!" hatte der edle Ritter manchmal renommiert, wenn er den Damen seine Abenteuer schilderte. Jetzt war die Stunde gekommen, wo er das in der Tat und in der Wahrheit durchmachen sollte, was er früher so oft im geist und in der Lüge erlebte.
Schnapphahnski empfahl sich dem allmächtigen Schöpfer himmels und der Erden, er setzte den einen Fuss vor, er erhob den Säbel, und die Paukerei ging los. Graf G. schlug drein wie der leibhaftige Teufel. So ein Eisenfresser hat kein Mitleid – armer Schnapphahnski! Der edle Ritter fühlt, dass er es mit dem Bruder einer schönen Schwester zu tun hat, aber er wehrt sich, so gut er kann. Da fehlt er zum ersten Male, und die Klinge seines Gegners fährt ihm über den Leib, so nachdrücklich, so impertinent unhöflich, dass Graf