und mahnend wird er seine weisse aristokratische Hand erheben, und Wehe! wird er ausrufen, Wehe über diesen profanen Skribenten, der alle preussischen Junker, ja, der den ganzen deutschen Adel verhöhnt hat, indem er, ach, so treu mein Leben schilderte, ja, indem er das Leben und die Taten beschrieb: "des berühmten Ritters Schnapphahnski!" – –
So blitzte es mir durch den Schädel, und noch immer hielt mich Gagerns Hand gefasst; und wie ich jeden Augenblick erwartete, dass er Tod und Verdammnis auf mich herabdonnern würde, und in furchtbarer Spannung, weder sitzend noch stehend, abermals zu ihm emporschaute, da wäre ich fast von dem zweiten Schrecken mehr gepackt worden als von dem ersten, denn sieh, das Antlitz des grossen Mannes, welches mir aber noch voll schrecklicher Wolken erschien, es schaute mit dem Ausdruck der freudigsten Zufriedenheit auf mich herab; nicht zum Hängen, nein, zum Grusse hielt mich der Donnerer gefasst, und es war kein Zweifel mehr, er hatte meinen republikanischen Ruf für einen höchst konstitutionellen gehalten, und, ja beim Teufel, ehe ich mich's versah, wurde ich mit hineingerissen in das fatale Gewoge, so dass ich bald den Westfalen, den Österreicher und den Preussen samt ihren Tortenresten aus dem Auge verlor und, endlich von Gagerns Hand befreit, mit hinweggeschwemmt wurde von der schwarz-rot-goldnen Sündflut, über Tische und Bänke, bis dass ich endlich an der andern Seite des Saales auf die Schwelle der Tür geriet und von der Schwelle auf die Treppe und von der Treppe auf die Strasse – Alaaf Köln! und vorüber war das fest des Gürzenich.
Ja, vorüber war die grosse kölnische Domfarce, bei der all die hohen Herrn mit den schönsten Phrasen im mund, aber den Groll im Herzen, unter dem jubel des törichten Volkes all die feinen Pläne ersannen, welche bald in den standrechtlichen Erschiessungen Wiens, in der Oktroyierung der preussischen und österreichischen Verfassung und in dem Lächerlichwerden der Frankfurter Versammlung so treffliche Früchte tragen sollten.
Ja, vorüber war dies fest des widerlichsten Kokettierens mit dem dummen souveränen Michel, und wir würden vielleicht noch darüber lachen, wenn uns durch den schimmernden Haufen dieser "volksfreundlichen" Fürsten, dieser feilen Knechte und dieser düpierten Volksrepräsentanten nicht die kugelzerrissenen Leichen der Proletarier von Paris, von Wien und Berlin angrinsten, wenn durch dieses Gewirr der heuchlerischsten Versicherungen, der schamlosesten Lügen nicht die Sterbeseufzer der zertretenen Polen, der Hilferuf der gefolterten Ungarn und der Racheschrei der verwüsteten Lombardei zu uns herübertönten, wenn nicht das blutige Haupt eines Robert Blum vor unsre Füsse rollte – doch genug! der Humor ist versiegt; das Buch ist zu Ende.
Nachspiel
Aber was wurde aus Schnapphahnski? Lebt er oder ist er tot?
Schnapphahnski lebt, und nimmer wird er sterben. Mein Schnapphahnski ist unsterblich!