hinter ihre Genossin zu stellen und deren Rock zu ergreifen, und als nun die erste den Schwanz des Gaules in der Hand hielt und die zweite den Rock der erstern fasste und die dritte den Rock der zweiten und so fort, da gab Kaiser Max seinem Pferde die Sporen, und mit ein, zwei, drei, vier, acht, zwanzig, ja, wer weiss mit wieviel braunen und blonden kichernden Weibern im Schlepptau ritt er fürbass gegen Nüremberg, wo der Magistrat schon an den Toren stand, um den Kaiser zu empfangen, und aus Scham und Wut schier verrückt zu werden meinte, als er zugleich mit dem Einzug des Kaisers auch das süsse Gefolge seines Rossschwanzes passieren lassen musste.
Die Nüremberger Chronik setzt hinzu, dass die damaligen Festlichkeiten zu den "verteufelt-fidelsten" gehört hätten.
Wie es der ehrliche Max mit den Weibern machte, so machte es König Friedrich Wilhelm mit dem Wein. Mit der Nagelprobe entzückte er den ganzen Gürzenich, und dieselbe Rolle, die der steife Magistrat in Nüremberg spielte, sie wurde in Köln von den unbeholfenen Liberalen gespielt, die mit Schrecken sahen, wie ein König sogar imstande ist, nur durch eine Nagelprobe alle Herzen wiederzugewinnen und alles vergessen zu machen, ja alles, alles, vom 18. März an bis auf den heutigen Tag. O geht und lasst euch hängen, ihr Demokraten, ihr dummen Republikaner! Was ist all eure Berserkerwut gegen die Nagelprobe eines klugen Königs?
Dem Könige folgte der Erzherzog Reichsverweser. Das Glas erhebend, sprach er:
"Dem Fürsten, der eben meine Gesundheit ausbrachte, dem Könige von Preussen! und dem, was an unserm Dom geschrieben steht: Eintracht und Ausdauer!"
Die beiden Fürsten umarmten sich und küssten sich; laut schallte der jubel der Versammlung, und ihre schwarz-weissen und schwarz-rot-goldnen Leidenschaften fluteten ineinander. Was wollt ihr mehr? Preussen ging in Deutschland und Deutschland in Preussen auf in diesem Kuss vor allem volk, in dieser versöhnenden Umarmung. Was wollt ihr mehr, die ihr noch immer das Gespenst des Bürgerkrieges zwischen den beiden Kokarden seht? Ist es nicht offenbar, dass es mit aller Zwietracht aus ist? Oh, aber ihr seid kalte, berechnende Menschen, ihr finstern Volkssouveränen. Ihr glaubt weder an Küsse noch an Umarmungen. Heilig ist euch nichts mehr – heilig nur euer kalter Egoismus! Oh, wärt ihr doch in Köln gewesen, auf dem Gürzenich, auf dem Dombaufestmahle, ihr würdet eure revolutionären Ideen drangegeben, ihr würdet gelernt haben, was Fürsten über Völker vermögen und wie man sich vor Fürsten beugen muss. Ja, herrlich hast du dich bewährt, mein altes Köln, mein treffliches Rheinland, als eine Stadt, als ein Land der Treue, der Loyalität, und niemand wird hinfort mehr von euch sagen können, dass ihr der Herd des Aufruhrs wärt, der Revolution und der Anarchie.
Wir übergehen den Toast eines loyalen Kölners und wenden uns zu dem Präsidenten der Frankfurter Nationalversammlung von Gagern. Auftrat dieser grosse Mann. Ich muss gestehen, ich war im höchsten Grade neugierig, den Zeus mit der Schelle, von dem ich schon soviel hören und lesen musste, einmal in der Nähe zu sehen und mit eignen Ohren zu belauschen. Hatten mir doch wenigstens schon hundert Männer, alte und junge, aufzubinden versucht, Gagern sei ein Halbgott, er stamme direkt aus dem Olymp her, Jupiter habe ihn auf einer Ferienreise mit einer oberländischen Nymphe gezeugt! – Ich wollte es immer nicht glauben; auf das Geschwätz von Männern gebe ich nichts; sie sind fast immer schief gewickelt; wenn Männer über Männer urteilen, so steht es noch immer so und so um das Resultat; auf Männer ist nicht zu bauen. Erst seit mir neulich ein hübsches Weib mit schneeweissen Zähnen und mit verliebten Augen die feste Versicherung gab, dass Gagern ein ausgezeichneter Mann sei und dass sie für ihn schwärmen könne, ja, schwärmen trotz alledem und alledem, seit jenem Augenblick fing ich an, die Wahrheit der verschiedenen Gerüchte weniger als bisher zu bezweifeln, denn die Aussage einer schönen Frau ist massgebend in allen Dingen, einer Frau muss man mehr glauben als dem Evangelium; was eine Nachtigall singt und was auf Rosen und Lilien geschrieben steht und was ein Engel in Menschengestalt spricht, das ist die lautere Wahrheit, das soll man glauben, dafür soll man leben und sterben und auferstehen. Ja, was ist ein Sokrates und ein Hegel gegen eine kleine person mit kohlschwarzen Locken, die dir an den Hals springt und dich küsst und darauf flucht mit dem liebenswürdigsten Fluche, dass sie recht habe und dass sie recht behalten wolle ihr Leben lang.
"Wen Frauen loben, der wird bekannt,
Er hat den Ruhm an seiner Hand,
Dazu seines Herzens Wonne."
So sagt schon der alte Wolfram von Eschenbach, und in der Tat, Gagern hat alle Aussicht, einer der glücklichsten Menschen seiner Zeit zu werden. Gagern ist eine gesunde Erscheinung. Junge Mädchen werden sich schwerlich für ihn begeistern; hübsche Frauen werden ihn stets zu schätzen wissen. –
Gagern brachte einen Toast auf ein "einiges, freies und starkes Deutschland" aus. Wiederum bebte der Saal von Applaus. Alle Patrioten und alle Gläser wakkelten. Se. Majestät der König erhob sich hierauf zum zweiten Male, und ich muss gestehen, dass ich ihn für einen weit grösseren Redner als den Jupiter der Paulskirche halte.
"Schon zweimal", sprach der König,