dies nicht denken. Nach dem, was Sie mir eben von der Herzogin sagen, ist es unmöglich. Nicht wahr, Herr Ritter, die Herzogin ist eine alte Runkelrübe?" – Herr von Schnapphahnski biss sich die Lippen. – "Eine alte Runkelrübe, die einst der Berggeist Rübezahl in ein Weib verwandelte?" – Herr von Schnapphahnski blickte verschämt zu Boden. – "Ein junger Mann wie Sie, sich in eine alte Runkelrübe verlieben – ich wusste es gleich, es war reine Verleumdung!" – Es wurde Herrn von Schnapphahnski sehr unheimlich zumute.
"Aber lassen Sie die Herzogin", erwiderte er endlich.
"Verzeihen Sie, Herr Ritter, Sie selbst haben die Herzogin aufs Tapet gebracht!"
"Jedenfalls ist die Herzogin eine geistreiche Dame!"
"Eine geistreiche Runkelrübe!"
"Sie ist eine berühmte Frau."
"Eine berühmte Runkelrübe."
"Herr Baron, ich verstehe Sie nicht."
"Aber ich verstehe mich auf diese Runkelrübe."
"Sie scheinen sich über mich lustig zu machen."
"Ich mache mich lustig über die Runkelrübe."
"Herr Baron, ich muss Ihre Redensarten als eine Provokation ansehen!"
Der Baron sah den Ritter erstaunt an.
"Also Sie interessieren sich dennoch für die Herzogin –?" – Herr von Schnapphahnski sah, dass er besiegt war. – "Beruhigen Sie sich", fuhr der Baron fort, "ich werde ganz in Ihrem Interesse arbeiten – aber als Gegendienst müssen Sie so gut sein und der Herzogin versichern, dass ihre vier Gäule den – Spat haben – –" Der Ritter nickte beifällig, und der Handel war geschlossen.
XVII
Der Ritter und die Herzogin
Der Ritter stand vor der Herzogin, und zierlich bog er sich hinab, ihre Hand zu küssen. Der Handkuss ist die beste Ouvertüre zu dem Gespräch mit einer Dame. Die Adligen kultivieren den Handkuss – wir Bürgerlichen höchstens die Kusshand. Die Adligen haben den Handkuss vor uns voraus; es gibt nichts Passenderes und Graziöseres, als einer schönen Dame passend und graziös die Hand zu küssen. Während sich die Dame majestätisch emporrichtet und den Kopf in den seligen Nacken wirft, dass die kohlschwarzen Locken wie verliebte Schlangen um den alabasternen Hals flattern: beugt der Ritter seinen untertänigen rücken und drückt den Kuss auf die zierliche, souveräne Rechte, höfliche Grüsse winselnd, süsse Beteuerungen und galante Lügen. Gibt es etwas Liebenswürdigeres als den Handkuss? Wenn man mit der Hand anfängt, wer weiss, wo man aufhört!
Als Ritter Schnapphahnski der Herzogin Hand geküsst hatte, hob er sich langsam empor und liess die erwartungsvolle Dame in ein Antlitz schauen, auf dem der Reiz der jugendlichsten Schüchternheit sich so geschickt mit der Frivolität der Erfahrung zu vereinigen wusste, dass der Herzogin unwillkürlich ein Seufzer entfuhr, ein Seufzer, wie sie ihn lange nicht geseufzt hatte, einer jener Seufzer, für die man gern eine Million gibt, für die man sich in Fetzen schiessen lässt, für die man tausend Eide schwört, aber auch tausend Eide bricht!
Aus ihren besten zeiten hatte sich die Herzogin diesen Seufzer aufbewahrt. Herr von Schnapphahnski erschrak ordentlich, dass die Herzogin noch so natürlich seufzen könne, und schnell die Hand aufs Herz legend, fragte er in so naivem Tone als nur irgend möglich: "Gilt dieser Seufzer Ihnen oder mir, gnädige Frau? Ihnen kann er unmöglich gelten, denn in heiterer Hoheit sehe ich Sie vor mir tronen, erhaben über allen Seufzern, über jenen Lauten des Schmerzes und der sehnsucht, die nur mir gehören – ja, gnädige Frau, Ihr Seufzer gehörte mir, er war mein Seufzer, er war die Huldigung, mit der ich Ihnen nahte, mit der ich mich über die Seufzerbrücke des Lebens zu Ihnen hinüberrettete!"
"Jedenfalls weiss dieser Schnapphahnski seine Phrasen abscheulich zu verdrechseln", sagte der Baron, indem er den Grafen mehr in die Tiefe des Gemaches zog. Doch der Ritter war bereits im besten zug: "Am ersten Tage", fuhr er fort, "lachte Gott und machte das Licht; am zweiten wurde er noch heiterer und schuf den Himmel. Am dritten Tage wurde er ernst und trocken und schuf die trockne solide Erde; doch am vierten wurde er phantastisch und erfand den Mond und die Sterne, und am fünften wandelte ihn endlich der Humor an, und er erschuf, was sich regt in den Höhn und den Tiefen – am sechsten Tage seufzte er aber und erfand den Menschen, er erfand die Liebe, und seit Jahrtausenden weht nun dieser Schöpfungsseufzer des sechsten Tages durch die Herzen aller Erschaffenen, einem ewigen Echo gleich, das von einer Seele zu der andern widertönt, immer neue Töne schaffend, Töne der Freude und Töne des Schmerzes, harmonische und herzzerreissende."
"Es ist schade, dass der Ritter kein Pastor wurde", murmelte der Baron in das Ohr des Grafen. "sehen Sie nur, wie er gestikuliert: wie ein verrückt gewordener Telegraf! Hat man je etwas Tolleres erlebt?"
Die Herzogin hatte sich indes aufmerksamer emporgerichtet. Sie warf den roten Kaschmirschal in geheimnisvollere Falten, und dem Ritter das adlige Profil zeigend, den Handschuh der zierlichen Hand und den kleinen Fuss, erwiderte sie mit freundlichem Lächeln? "Aber, in der Tat, Herr Ritter, Sie führen eine wahre Seufzerkonversation; Sie müssen entsetzlich unglücklich sein –"
"Entsetzlich! gnädige Frau –"
"Aber geistreiche Leute sollten nie unglücklich sein; wenigstens sollten