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nur altes, abgetakeltes Zeug, was die Griechen schon besser sagten und taten als wir, was längst im Homeros steht, zugänglich für jeden Tertianer.

Ach, nach Kaffee riechen wir, nach Wolle, nach alten Büchern und nach schmutzigen Aktennur nicht nach Menschen! Schöne Kerls sind wir. Wenn die alten Götter noch leben, so werden sie sich hübsch über uns mokieren, dass wir mit all unserm Scharfsinn, mit unserer immensen Klugheit doch nur so züchtige Krämer geworden sind, so zahme Tagelöhner. Trone werfen wir um und jagen die armen Könige übers Meer, aber unsern sittsamen Zopf, den Rattenschwanz des Aberwitzes, behalten wir im Nacken. Möchte uns das Schicksal daran erhängen!

Oh, es ist Zeit, dass ihr die Mauern einrennt und die Bretterwände zerschlagt und die Vorhänge zerreisst. Wie die Kinder sollt ihr wieder werdendie Kinder nennen sich du und du und betrügen sich selten und lachen miteinander und weinen und küssen sich und schlafen sorglos in einem Bette, und die Kinder sind die einzigen vernünftigen Menschen auf Erden.

XVI

Der Baron und der Ritter

"Nicht wahr, Baron, Sie kennen die Herzogin?" fragte der Ritter Schnapphahnski.

"Die Babylonierin meinen Sie?" erwiderte der pferdekundige Edelmann.

"Nun, die Herzogin von S.!"

"Allerdings kenne ich sie. Ich verkaufte ihr einst zwei Schimmel für 90 Friedrichsdorzwei Schimmel, sage ich Ihnen, wie zwei Engel; zwei Gäule, die ich liebte, die ich vergötterte. Wenn ich an diese zwei Schimmel denke, da werde ich weich, da kommen mir die Tränen in die Augen. Und nur 90 Friedrichsdoroh, es war entsetzlich!"

"Aber weshalb verkauften Sie so billig?"

"Weil ich die armen Tiere total zuschanden gefahren hatte; weil sie keinen Schuss Pulver mehr wert waren."

"Aber, beim Teufel, da bezahlte die Herzogin noch teuer genug!"

"Allerdings, Ritter! Aber wer konnte mir meinen Kummer um die armen Tiere bezahlen? Wer bezahlte mir meinen Schmerz, dass ich die herrlichen Gäule so früh ruinierte?"

"Sie sind sehr naiv, Herr Baron!"

"Ich bin ein Edelmann, Ritter. Seit ich der Herzogin die Schimmel verkaufte, machten wir keine Geschäfte mehr miteinander. Vergebens bot ich ihr das Auserlesenste meines Stalles an. Schecken zum Küssen, Füchse zum Umarmen, Rappen zum Anbetendie Herzogin wollte sich auf nichts einlassen. Sie berief sich immer auf die Schimmel; von neuem riss sie stets die kaum vernarbte Wunde meines Kummers auf."

"Aber ich finde, dass die Herzogin alle Ursache dazu hatte."

"Ganz natürlich, Ritter; aber als galante Dame hatte sie ebensosehr Ursache, die geschichte nie wieder zu berühren, nie wieder an die Schimmel zu denken und mir mein Unrecht ein für allemal zu verzeihen. Wenn ich mir als leichtsinniger Mann in meiner Betrübnis das Vergnügen machte, die Herzogin für lumpige 90 Friedrichsdor hineinzureiten, da musste sie sich als geniale Frau das Vergnügen machen, mir diesen Trost zu gönnenjedenfalls ist dies logisch – –"

"Die Logik des Pferdehandels."

"übrigens werde ich mich mit der Herzogin aussöhnen. Ich werde ihr täglich den Hof machen; denn ich verehre die Herzogin, ich verehre das Gespann, mit dem sie gestern abend heranfuhr, und ich werde ihr den höchsten Preis dafür bieten, den je ein Standesherr geboten hat."

"Ist dies Gespann vielleicht ebenfalls zuschanden gejagt?"

"Ich bitte sehr um Verzeihung: nicht im geringsten! Vier Gäule, die ihresgleichen suchen – –"

"Aber wenn die Herzogin nicht verkaufen will?"

"Nun, da werde ich tun, als ob ich halb verrückt würde."

"Und hilft auch das nichts?"

"Da werde ich mich totzuschiessen drohen."

"Und kommen Sie noch immer nicht zum Ziel?"

"Nun, da werde ich bis zum Äussersten gehen, ich werde der Herzogin zu Füssen fallen, ich werde ihre Knie umfassen, ich werde ihr eineLiebeserklärung machen."

Herr von Schnapphahnski taumelte drei Schritte zurück, als ob er plötzlich in der person des baron einen der gefährlichsten Konkurrenten sähe.

"Eine Liebeserklärung –?" erwiderte er endlich mit besonderem Nachdruck.

"Allerdings, lieber Ritter, denn ich kann nicht länger leben ohne die vier Hengste der Herzogin."

"Aber wissen Sie auch, dass die Herzogin fast sechzig Jahre alt ist?"

"Ich weiss, dass ihre Hengste die schönsten auf der Welt sind."

"Wissen Sie, dass die Herzogin falsche Waden trägt, falsche Zähne, falsche Haare?"

"Ich weiss, dass ihre Hengste echte Schweife, echte Mähnen und echte Hufe haben."

"Wissen Sie, dass Sie sich vor der ganzen Welt lächerlich machen werden?"

"Ich weiss, dass ihre Hengste Stück für Stück hundert Pistolen wert sind."

"Wissen Sie, dass es ein Verrat an Ihrer Jugend sein würde, wenn Sie sich mit einer so alten person einliessen?"

"Ich weiss, dass die Hengste der Herzogin meinen Stall ungemein zieren würden –" Doch der Baron lachte plötzlich laut auf:

"Ich wollte Sie nur auf die probe stellen, lieber Ritter. Es freut mich, dass wir einerlei Meinung über die Herzogin sind. Man sagte mir gestern, dass Sie wirklich mit ernstlichen Absichten auf die Herzogin losrückten. Ich konnte mir