, du gehst mit einem heroischen Entschluss um!
"Und würfst du die Krone selber hinein
Und sprächst: Wer mir holet die Kron,
Der soll sie tragen und König sein –
Mich gelüstete nicht nach dem teuern Lohn!"
Ja, armer Schnapphahnski.
Unsere Herzogin ist niemand anders als die Herzogin von S., die jüngste Tochter des Herzogs von K., die Gespielin eines "talentvollen" Königs, mit dem sie erzogen wurde und mit dem sie sich duzt. Die Herzogin heiratete den Prince de D., den Neffen jenes berüchtigten Diplomaten, der gerade soviel Eide brach, als er Eide schwur. Nach einigen Jahren trennte sie sich aber, zwar nicht auf gerichtlichem Wege, von ihrem jetzt noch lebenden Mann und zog zu eben dem alten Fuchs, den wir in diesem Augenblick erwähnten, mit dem sie ein Verhältnis hatte, und machte in seinem haus die Honneurs etc. Da ihr indes die Anwesenheit des Fürsten D. in Paris lästig war, so musste der alte T. ihm unter der Bedingung Geld geben, dass er sich sofort entferne und nach Florenz gehe. Nachdem dies geschehen, zog unsere Heldin mit T. auf allen seinen Ambassaden herum, bekannt wegen ihres Verstandes, unendlich mehr berühmt aber wegen ihres ausschweifenden Lebenswandels. Ja, der Flug ihrer raffinierten Phantasie verleitete sie zu so abenteuerlichen Spaziergängen der Wollust, dass ihr unter Karl X. der Hof verboten wurde.
Bemerken muss ich noch, dass die Herzogin beim Einrücken der Alliierten in Paris dem ersten kosacken hinten aufs Pferd sprang und, frohlockend über den Sturz Napoleons, die ganze Parade der Truppen mitmachte. Sie soll bei dieser gelegenheit vor Freude ausser sich gewesen sein und ihren kosacken mit Liebkosungen überhäuft haben.
Schon lange getrennt von ihrem mann, fühlt sie sich einst Mutter werden. Es schien eine Unmöglichkeit, das Kind noch auf Rechnung des abwesenden Gemahls zu bringen. Und doch war sein Name für dasselbe notwendig. Die Herzogin ist in keiner kleinen Verlegenheit; sie besinnt sich hin und her, zuletzt entschliesst sie sich kurz: sie fasst ein Herz und reist zu ihrem Gemahle. Spät am Abend lässt sie sich bei ihm melden; er ist nicht zu haus. Ohne "weiteres lässt sie sich daher auf sein Zimmer führen.
Um Mitternacht kommt der harmlose Gemahl endlich zurück, nicht ahnend, was ihm bevorsteht. Er ist natürlich im höchsten Grade überrascht über den unerwarteten Besuch und sucht seinem Erstaunen in den trefflichsten Ehemannsphrasen Luft zu machen.
Das eine Wort gibt das andere, und bald sind sie im besten zug, sich recht gemütlich zu zanken. Der holde Gatte merkt gar nicht, dass das Antlitz der Herzogin immer freudiger zu strahlen beginnt, während sein eigenes immer länger und länger wird. Mit jeder Minute wachsen die Hörner des zärtlichen Mannes; da ist eine Stunde herum, und die Herzogin springt plötzlich auf, indem sie erklärt, dass sie jetzt gehen werde. Vor ihrer Abreise, setzt sie hinzu, wolle sie ihm indes sagen, welches der Grund ihres Besuches gewesen sei – – der ehrenwerte Gatte erhebt seinen Hornschmuck und spitzt die Ohren. Nichts ist interessanter als das Bekenntnis einer schönen Seele. Vertraulich legt die Herzogin ihre Hand auf den Arm des horchenden Mannes und teilt ihm leise flüsternd mit, dass sie sich Mutter fühle – – sie habe getrennt von ihm gelebt, jetzt könne sie durch alle Hausleute beweisen, eine Stunde in der Nacht bei ihm gewesen zu sein. Ihr sei geholfen. Adieu, mon ami!
"Den Seinen schenkt's der Herr im Traum. Weiss nicht, wie dir geschah." –
Der Gemahl der Herzogin legte sich mit dem beruhigenden Bewusstsein zu Bette, auch nicht im geringsten etwas Böses getan zu haben. Die Herzogin entfernte sich aber so rasch als möglich, und hell klang ihr glückliches lachen.
"Das Kind, für dessen Legitimität so weise gesorgt wurde, war eine Tochter, die später den Grafen C. heiratete.
Der alte T. hielt sich für den Vater dieser Tochter und vermachte derselben bei seinem tod 80000 Revenue. Sein ganzes übriges Vermögen vermachte er der Herzogin, die, so glänzend bezahlt, nun selbst zu bezahlen anfing." –
Auf das Gerücht hin, dass die Herzogin bezahle: erscheint Schnapphahnski.
XIII
Der Professor
Ritter Schnapphahnski war in demselben Falle wie Professor N. in Berlin – – es stand ihm etwas ganz Ausserordentliches bevor. Doch erzählen wir zuerst die geschichte des Professors.
Der Herr Professor war krank. Er liess den Doktor kommen. Der Doktor kam. Arzt und Professor standen einander gegenüber. Der erstere mit jenem heidnisch frohen Lächeln, welches den meisten Medizinern eigentümlich ist; der Professor: lang, dürr, einer ausgetrunkenen Flasche ähnlich, mit sehr miserablem Antlitz.
"Doktor, ich bin krank –", begann der Professor.
"Das freut mich –", erwiderte der Doktor.
"Ich glaube, ich habe die Schwindsucht, Doktor."
"Sehr leicht möglich, Herr Professor."
"Nicht wahr, ich bin sehr krank?"
"Lassen Sie mich Ihren Puls fühlen."
"Glauben Sie, dass die Sache gefährlich ist?"
"Zeigen Sie mir Ihre Zunge."
"Meinen Sie nicht, dass ich bald sterben werde?"
"Wann gehen Sie abends zu Bett?"
"Soll ich nicht lieber mein Testament machen?" "Wie sieht es mit Ihrem Appetit aus?" "Soll ich nicht die Verwandten von meiner traurigen