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auch nur ein Jota daran verändert werden dürfte. Wohl zu merken: die Fürstin will ihrem Gemahle nur deswegen keine Hörner von unserm Ritter aufgesetzt wissen, weil sie keine "Gegenleistung" von ihm erhalten hat!

Gibt es eine feinere Wendung des Stiles? Gegenleistung, ja, Herr von Schnapphahnski, Gegenleistung! Prägen Sie sich das tief ins Gedächtnis. Gegenleistung! tat's te job! Leisten Sie etwas, Herr von Schnapphahnski. Um Gottes willen, leisten Sie etwas, ehe Sie sich Ihrer Eroberungen rühmen, sonst wird man auf allerlei seltsame Vermutungen kommen. Man verlangt nicht von Ihnen, dass Sie ein Maximin sind, ein Mann wie jener kräftige Jüngling in goldener Rüstung, von dem alle römischen Damen Mutter zu werden wünschten und der auch viele Schmachtende zu trösten wusste, ehe sein abgeschlagenes Haupt gleich einem "schönen Gespenste" von dem Gitter seines Palastes sah. Man verlangt auch nicht, dass Sie dem Stuhlrichter Warga, jenem Graner Repräsentanten, gleichen, gegen dessen Zulassung zum ungarischen Parlamente man im verflossenen Juli in Pest so sehr protestierte, weil der glückliche Mann während seiner zehnjährigen Amtsdauer 4000 Mädchen verführte ..., nein, auch mit den handfesten Lakaien des Grafen S. aus O. in Schlesien will man Ihnen gern den Wettstreit erlassen; aber lieber, teurer Ritter, leisten Sie etwas, etwas, etwas! Denn bei all Ihren Liebschaften, die wir erzählten, sind Sie noch nicht bis zu dem Punkte gekommen, der gerade die Pointe jeder Liebschaft ist ..., weder bei der Gräfin S. noch bei der Schwester des Grafen G., noch bei Carlotten, ja, leisten Sie etwas, und das recht bald, sonst werden Ihnen alle Ihre trefflichen Reden nichts nützen, sonst werden trotz aller Ihrer angenehmen Manieren die Geister der Unweisen auf der Galerie sitzen und über Sie lachen, sonst wird man trotz alledem jenen hübschen Vers auf Sie anwenden, dass sehr oft die

" ....gens d'esprit, d'ailleurs très estimables

Ont fort peu de talent à former leurs semblables."

Die Fürstin ... wollte also nicht, dass unser Held sich ihrer Liebe rühme, ohne ihr Gegenleistung gewährt zu haben. Armer Schnapphahnski, das war Pech! – Gott weiss es, heisst es in den betreffenden Dokumenten weiter, wie der Ritter zu dem Porträt der Fürstin gekommen war. Sicher ist, dass er die Gunst jener hohen Frau nie genossen und dass er sich derselben mit vollkommenem Ungrund rühmte. übrigens ist die Fürstin seine ..., und er kann daher auf verwandtschaftlichem Wege leicht zu dem Miniatur-Porträt gekommen sein, das er als Beweis-pièce vorzeigte.

Madame ..., der die freche und grundlose Kompromittierung von seiten unsres Helden längst zu Ohren gekommen war, wurde natürlich sehr lebhaft daran erinnert, als sie den edlen Ritter plötzlich in eigner person nach Wien hinübervoltigieren sah, und es war hauptsächlich durch ihre Vermittlung, dass jene League entstand, welche Sr. Hochgeboren den Zutritt zu der Wiener Gesellschaft à tout prix zu verbarrikadieren suchte.

Man verbrüderte sich förmlich, um ihn weder zu empfangen noch um irgendein Haus zu besuchen, wo er empfangen wurde. Einer Dame, bei welcher er seinen Besuch durch den Fürsten H ... bewerkstelligte, wurde ohne weiteres notifiziert, dass sie auf alle andern Besuche verzichten müsse, wenn sie den Ritter Schnapphahnski bei sich empfange.

Die Anstrengungen des Grafen K. und des Generals v.R. waren nutzlos; ihre besten Anekdoten blieben ohne Erfolg; der Ruf unsres Helden war für immer untergraben, und unerbittlich schlossen sich vor ihm alle Türen.

Herr von Schnapphahnski überzeugte sich davon, was es heisst, mit wütenden Frauen zu tun zu haben. Gegen ein feindlich gesinntes Weib helfen weder Säbel noch Pistolen; ein Weib, das dich vernichten will, ist gefährlicher als alle falschen Freunde, als alle wütenden Gläubiger, als alle bezahlten literarischen Windhunde, als tausend Sbirren; eine Frau, die dich hasst, wird dich eher niederwerfen als ein Regiment Dragoner, als eine Batterie Vierundzwanzigpfünderein Weib ist allmächtig. Wehe dir, wenn sie mit ihren schwachen Händen in die Räder deines Schicksals greift: zitternd wirst du zum Stillstand kommen! Und wäre auch bei der Dauer des Kampfes das Rot ihrer Lippen verblichen, der Glanz ihres Auges erloschen und das Braun ihrer Haare silberweiss geworden: kommen wird die Stunde, wo sie ihren Fuss auf deinen Nacken setzt, wo sie sich königlich schön erhebt, wo sie in der Majestät des Glückes mitleidig auf dich hinablächelt und wo du fühlst, dass du ein Leben der Schmach hinter dir hast, ein Leben der Schande, weil du dich vergingst, ja, weil du gesündigt hast an einem weib. –

Wie gesagt, Herr von Schnapphahnski machte in Wien vollständig Fiasko. Aus München hatte man ihn ausgewiesen, weil er so heroisch war, sich an einer furchtsamen Souveränität zu vergreifen; aus Wien wurde er durch die Abneigung der Damen verjagt, die alle bei dem Gedanken zitterten, dass sie sich bei der geringsten Berührung mit dem herrlichen Ritter auch schon nach kurzem in ein süsses Verhältnis mit ihm verwickelt hören müssten.

Ingrimmig verliess Se. Hochgeboren Wien. Aber wie er nie damit zufrieden war, eine einfache Niederlage erlitten zu haben, so konnte er auch dieses Mal nicht umhin, einem Unglück noch eine Jämmerlichkeit hinzuzufügen. Er suchte nämlich die Fürstin ... dadurch zu strafen, dass er über den