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und unser Ritter hatte das Pech, zwar nicht in ein Kirchenfenster des Kölner Doms, wohl aber aus den heiligen Bierstaaten Sr. Majestät für immer verbannt zu werden.

IX

Wien

Ich habe mir oft im Leben Feinde gewünscht, bitterböse Feinde in Menge. Nichts schien mir langweiliger, als mit der ganzen Welt auf gutem fuss zu stehen. Nun ich älter werde, begreife ich allmählich, dass mein Wunsch in Erfüllung gehen mag, ja, ich glaube an Vater Goetes Worte, und sinnend schaue ich hinaus in die Zukunft.

Was wird sie bringen? Wer wird mein Feind sein? Schütze mich Gott vor den Weibern!

Ja, ihr unsterblichen Götter, beschützt mich vor dem Hass der Weiber! Kränkt mich mit falschen Freunden, plagt mich mit tobenden Gläubigern, hetzt mir alle Windhunde der Literatur auf den Leib und alle Erzengel der Gerechtigkeites wird mir einerlei sein; nur bringt mich nicht um die Liebe der Weiber! – Oh, ein Weib kann entsetzlich sein.

Wehe, wenn eine schöne Frau dir Rache geschworen! Du bist verloren; sie wird dich verderben. lachen magst du, wenn sie mit dem kleinen fuss den Boden stampft; lachen, wenn sie die Lilienfinger zu zorniger Faust ballt; lachen, wenn sie errötet bis über den Busen; lachen, wenn ihre Augen Schmerz und Erbitterung funkeln; lachen, wenn sie gebrochnen Lautes dich verflucht und verdammt, und lachen, wenn sie gross, schlank und gebieterisch sich erhebt, um dir höhnisch die blendenden Zähne zu zeigen. Ja, lachen magst du für einen Augenblick, für einen monat, für ein Jahr; aber kommen wird endlich der Tag, wo ihr Zorn dich erreicht, wo sie mit grausamen Händen dein zitterndes Herz packt, wo sie dein Herz aus der ruchlosen Brust reisst und das blutrote Herz helljubelnd in die Luft wirft und es wieder auffängt wie einen Ball, ja, Ball mit deinem Herzen spielt, bis es gebrochen und verblutet ist, dein armes blutrotes Herz ...

Herr von Schnapphahnski hatte nicht das Glück, von einer schönen jungen Frau gehasst zu werden, was aber noch weit schlimmer war: es hasste ihn eine Frau, die früher einmal schön und jung gewesen.

Von München hatte sich unser Ritter nach Wien gewandt. Es war im Februar 1840. Voran eilten ihm wieder Graf K. und General R., die bankrotten Genossen der spanischen Kriege, um ihrem Herrn und Meister den Weg zu bereiten. Wenn sie den Ruhm unseres Helden in München ausgeflüstert hatten, so suchten sie ihn in Wien auszuposaunen. Alle Springfedern wurden wieder in Bewegung gesetzt. Graf K. und General R. wetteiferten in Erfindung der märchenhaftesten Aventüren. Ein Louvet hat seinem Chevalier keine interessanteren Streiche angedichtet als die beiden Landsknechte des Don Carlos unserem trefflichen Junker.

Weit vor den Gaskonaden der beiden sinnreichen Herolde flog indes unserm Ritter ein solcher Ruf von Unausstehlichkeit und Impertinenz, von Indiskretion und Effronterie vorher, dass sich schon längst, ehe er in Wien eintraf, eine wahre Ligue in der Wiener Gesellschaft gebildet hatte, die fest entschlossen war, unsern Helden weder zu sehen noch zu empfangen. Die geschichte mit der Gräfin S., die jedermann bekannt war, trug viel zu dieser allgemeinen Abneigung bei. Man fragte sich erstaunt, wie es ein Edelmann noch wagen könne, öffentlich aufzutreten, wenn er sich jeden Augenblick den Stöcken der gräflichen Lakaien aussetzen müsse, und mit stillem Hohngelächter sah man der Ankunft des Ritters entgegen. Endlich erschien er, schön wie immer.

"Zierlich sass ihm Rock und Höschen,

Doch noch zierlicher die Binde. –"

Beau Brummell, der Dandy König Georgs IV., tändelte nicht koketter durch das Drawing-room seines Herrn als Herr von Schnapphahnski durch die Wiener Gassen. Aber ach, vergebens war alle Liebenswürdigkeit unseres Ritters. Umsonst liess er alle Minen springen. Das ganze Pulver seiner Frechheit verschoss er Schuss auf Schuss; aber er schoss keine Bresche in die Wiener Gesellschaft.

Ein einziger Mann, ein Löwe der Wiener Salons, Fürst H ..., nahm sich zuletzt aus Mitleid seiner an, und vielleicht hätte der grosse Kredit dieses Mannes ihn "durchgesetzt", wenn sich nicht plötzlich wieder eine andere Jugendsünde unseres Helden, ganz im Stile seines Abenteuers mit Carlotten, auf eine schreckliche Weise an ihm gerächt hätte.

Die kleine Historie, die wir jetzt erzählen werden, greift so tief in das Wiener Leben ein und berührt so weltbekannte Personen, dass wir uns, um nicht indiskret zu werden, lieber aller Ausschmückungen entalten wollen, um uns rein an die vorliegenden, von sehr guter Hand geschriebenen Aktenstücke zu halten.

Prahlend hatte nämlich einst ein Herr von Schnapphahnski bei seinem Aufentalt in Paris einigen Freunden das Porträt der Fürstin ..., der Gemahlin jenes Mannes, vorgezeigt, der noch bis vor kurzem die Geschicke so vieler Völker in seinen Händen hatte und der vielleicht in diesem Augenblicke mit dem alten Usurier der Tuilerien auf dem Schachbrett jenes Spielchen wieder aufnimmt, was er auf dem feld der Politik jüngst so schmählich verlor.

Herr von Schnapphahnski rühmte sich, dass er in der Gunst dieser Dame gestanden habe.

"Die Fürstin, hinlänglich blasiert darüber, wenn man sich ihrer Liebesgunst rühmte, wo diese wirklich gespendet wurde, wollte es gleichwohl nicht dulden, dass ihr Ruf leide, wo sie keine Gegenleistung erhalten hatte." – Ich führe diese Passage wörtlich aus den vorliegenden Manuskripten an, da sie von zu köstlicher Naivität ist, als dass