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, dass er alle Ursache hat, mich zu bestrafen." – –

Bedenken Sie nur, dass des Herzogs Arm übermenschlich lang war und dass acht Menschen denselben nicht biegen konnten – – armer Schnapphahnski! Aber es sagt bei uns ein altes Sprichwort: Wer hängen soll, der wird nicht ertrinken. Wer weiss, welches Los unserm Ritter reserviert ist!

Vor allen Dingen erschien am selben Tage auch noch der Gesandte, Graf ..., beim Herzog C.

"O mon dieu, que faire? Was wird man sagen, wenn es heisst, dass man in dem ... GesandtschaftsHotel Fêten für Personen zweideutigen Rufes gibt, bei denen man sich betrinkt, f .... und sich ohrfeigt – – Was wird Se. Majestät sagen! Was der Premier! Ich bin verloren – –"

"Aber lieber Graf, was wollen Sie, dass ich dabei tue?" erwiderte der Herzog mit der grössten Höflichkeit.

"Liebster, bester Herzog, erklären Sie dem Ritter, dass Sie ihn nicht beleidigen wollten – –"

"Aber kann ich das?" sagte der Herzog, berstend vor lachen.

"Es ist nur der Form wegen – –"

"Nun gut, wenn der Ritter damit zufrieden istmir ist es einerlei."

Und so geschah's.

Am anderen Morgen kommen die beiden Kämpfer zu einer heldenmütigen Versöhnung zusammen. Schnapphahnski tritt dem Herzog mit der ritterlichsten Miene und mit allen seinen Orden wie ein spanischer Maulesel behangen entgegen. "Unter Männern so hohen Standes können keine Beleidigungen vorkommen", sagt der Ritter, "und kommen sie vor, so dürfen sie nicht als solche angesehen werden."

Der Herzog macht eine ironische Verbeugung.

Die Memoiren des berühmten Ritters Schnapphahnski waren fast vollendet. Er verliess Brüssel ...

Zunächst finden wir ihn in Aachen. Tiefsinnig sitzt er am grab Karls des Grossen und spieltRoulette.

VIII

München

Das Spiel ist eine schöne Sache.

Als acht- oder zehnjähriger Knabe nimmt man die Karten gewöhnlich zum ersten Male in die Handan langen Winterabenden, wenn draussen der Schnee auf den Bergen liegt und die Flamme rätselhaft im Kamine emporsteigt, flackernd und knisternd. Man spielt "Schwarzen Peter". – Agnes, Berta, Paul und Matilde sitzen um den runden Tisch, und wer verliert, der bekommt einen schwarzen Strich, und wenn Paul dreimal verliert, da bekommt er auch drei Striche, und fängt er an zu weinen: da lacht man ihn aus, und Agnes fällt ihm um den Hals und küsst ihn, trotz seines Schnurrbarts, und der Abend verstreicht unter Scherz und jubel, und es gibt kein schöneres Spiel als der "Schwarze Peter".

Herr von Schnapphahnski trieb es nicht so unschuldig. Wie wir schon erzählten, sass er in Aachen am grab Karls des Grossen und spielte Roulette – –

Beiläufig bemerkt, war Aachen bis in die neueste Zeit hinein ein höchst unbekannter Ort. Erst vor kurzem wurde er durch Heinrich Heine entdeckt und nach Verdienst besungen. Die Schönheiten Aachens sind erst durch Heine recht ans Licht gekommen. Man hatte früher nur eine dunkle Ahnung davon. Man wusste nur, dass Karl der Grosse, seliger, dort verstorben und vergraben sei, dass die Bauern der Umgegend alle sieben Jahre zu der Kunstausstellung des heiligen Hemdes und die Bonner Studenten jeden Sonntag zu dem naturgrünen Tische der Redoute wallfahrtetendie Bauern, um mit reuigem Herzen, mit verzückten Augen und gebeugten Knien vor dem wundertätigen Hemde ihre Andacht zu verrichten und von Not und Fegefeuer erlöst zu werden, – die Studenten, um im Schmuck der goldenen Locken an den grünen Altar der Croupiers zu treten und erst recht in Not und Fegefeuer hineinzugeraten. Das war indes auch alles, was jedem kind von Aachen bekannt war. Aber jetzt? Man kennt jeden Lieutenant auf der Strasse, man kennt den Adler über dem Postause, man weiss genau, womit sich die Hunde, die armen langweiligen Hunde, in Aachen beschäftigen. Genug, man kennt die winzigsten Kleinigkeiten, und wenn der ehrwürdigen Stadt jemals etwas Menschliches passieren sollte, wenn sie je einmal unterginge durch Pestilenz, Brand und Hunger: da wird man nur Heines "Wintermärchen" aufzuschlagen haben, um den Feuer- oder Lebensversicherungsgesellschaften die beste Anleitung zu geben, in welcher Weise sie das Zerstörte zu ersetzen haben, sei es an Häusern, Menschen oder Vieh.

Nie hatte Aachen glänzendere Tage als bei der Anwesenheit des Herrn von Schnapphahnski. Der edle Ritter liess die Aachener Bank aber auch gehörig für die Ehre seines Besuches zahlen, und mit gefüllter Kriegeskasse reiste er dann nach München.

Nicht ohne Zittern und Zagen geschah indes diese Reise. Denn wenn in München auch nicht wie in Berlin jeder Gardelieutenant mit dem Finger auf unseren Ritter zeigen und seinen Kameraden fragen konnte, ob jener Herr von Schnapphahnski derselbe Schnapphahnski sei, der einst die schriftliche Erklärung gab, dass er sich in der berühmten Liebesaffäre mit Carlotta höchst unzweideutig benommen habe, so war doch wenigstens immer die Möglichkeit vorhanden, dass dem edlen Ritter selbst in dem bayrischen Babylon ein Lakai des Grafen S. aus O. in Schlesien begegnete, und Herr von Schnapphahnski hatte nun einmal eine entschiedene Abneigung vor den Haselstöcken dieser Ungeschlachten. 'Und nähmst du die Flügel der Morgenröte und bettetest dich am äussersten Meere, die arme der Lakaien aus O. in Schlesien können dich doch noch erreichen!' – Also dachte unser Ritter, und es versteht sich von selbst, dass er