Namen, seine Titel – –
"Je m'en f ...", brüllt der entrüstete Ehemann wie ein Hirsch in der Brunstzeit, und: "Oui Monsieur! Oui Monsieur!" schreit der Chor wie im ersten Akt des "Barbiers von Sevilla".
Schnapphahnski gibt seine Karte – –
"J'aurai ta carte dans ma poche et toi la mienne sur la figure –"
Oui Monsieur! Oui Monsieur! – und immer toller wird der Skandal, bis sich zuletzt hundert zierliche hände erheben, um unsern Ritter zu zerreissen, die Faust des Ehemanns an ihrer Spitze – ach, und nur durch die schleunigste Flucht rettete sich unser Held von der unangenehmsten Pointe, die ein Abenteuer haben kann.
VII
Herzog C.
In Brüssel verfolgte unsern Helden ein eigenes Missgeschick. Kaum den Händen eines erbosten bürgerlichen Ehemannes entronnen, fiel er in die Riesenfäuste eines noch weit erbitterteren Aristokraten. Der Ritter war an seinem Malheur selbst schuld, denn durch seinen Hochmut, durch seine Arroganz, kurz, durch seinen Schnapphahnskismus brachte er jedermann gegen sich auf. Ganz besonders hasste ihn damals ein Franzose, ein gewisser Herzog von C ..., und mehr als einmal liess er die bedeutungsvollen Worte fallen: "Nun, wenn mir der Mensch einmal in die hände gerät – –", der Herzog begleitete diese Phrase stets mit dem verständlichsten Gestus.
Herzog C., dem unser Ritter zu missfallen das Unglück hatte, war ein sehr liebenswürdiger und durchaus anständiger Mann, beiläufig bemerkt in Besitz einer Taille von weit über 6 Fuss; ungefähr die Hälfte im Durchmesser – –
Die Abneigung des Herzogs war unserm Ritter keineswegs entgangen; mochte er aber glauben, dass die grossen Hunde die kleinen niemals beissen oder dass sie gar feige sind: genug, er suchte den herzoglichen Riesen durch Arroganz einzuschüchtern und verdoppelte sie daher stets in seiner Gegenwart.
Eines Tages treffen sie in einer Gesellschaft zusammen. Sie sprechen von Kriegen, Kampagnen, Schlachten und zuletzt von Duellen. "Wieviel Duelle haben Sie schon gehabt, Ritter?" fragte der Herzog gleichgültig. – – "Die Masse –!" erwiderte Schnapphahnski – "Aber ich müsste mich eigentlich nie schlagen, denn wer so sicher ist, seinen Gegner stets zu töten, wie ich es bin, der begeht fast einen Mord. Nichtsdestoweniger macht es mir aber Vergnügen, mich zu schlagen –" – "Bah!" sagt der Herzog, "wieso?" – "sehen Sie", versetzt der Ritter, "wenn ich mich rächen will, so fordre ich meinen Gegner auf Säbel, et il est un homme mort. Will ich ihn dagegen nur strafen, so fordre ich ihn auf Pistolen, car je suis sûr de loger ma balle où je veux –" – "Bah!" erwidert nochmals der Herzog und empfiehlt sich ganz untertänigst.
Kurze Zeit nach dieser Unterredung kam eine sehr berühmte Pianistin, Madame P., nach Brüssel, und tous les beaux der Hauptstadt wetteiferten um die Gunst der schönen Virtuosin. Ein gewisser Gesandter, Graf ..., der damals noch nicht verheiratet war, stellte sich in die ersten Reihen.
Eines Tages wurden die Salons der Gesandtschaft prächtig mit Blumen verziert, glänzend illuminiert – ein lukullisches Mahl angerichtet. Wer sollte dazu erscheinen? Eine Hoheit, eine Majestät? Nein – – die schöne Konzertgeberin. Alle Dandys, Lions, Tigres – kurz, die ganze fashionable Menagerie der Hauptstadt wurde zu diesem Feste eingeladen. Unter ihnen befand sich auch unser Ritter, der Herzog und ein gewisser Oberst C., ein alter Haudegen, der, unter Soldaten erzogen und auf Schlachtfeldern ergraut, sich bei weitem behaglicher in einem Corps de Garde als in einem Salon fühlte.
Nach Tische, als der Champagner bereits das Blut im Kreise trieb und der Kaffee der Vernunft den letzten Stoss geben sollte, entfernten sich die Damen. Die Herrengesellschaft begab sich in einen Rauchsalon. – Der Herzog, den diese Gesellschaft ziemlich langweilen mochte, setzte sich ans Klavier und präludierte darauf. Schnapphahnskis unglücklicher Stern brachte ihn ganz in seine Nähe.
Unglücklicher Schnapphahnski! – Der Hafer stach ihn mehr als gewöhnlich, und keine fünf Minuten verstrichen, da machte er auch schon über das Spiel des Herzogs einige ebenso kecke als boshafte Bemerkungen, indem er namentlich hervorhob, wie es fast unbegreiflich sei, dass man mit einer so grossen Hand spielen könne, ohne zu fürchten, alle Tasten gleich zu zertrümmern. Der Pianist L., der voraussah, dass die geschichte eine üble Wendung nehmen könne, beeilte sich, unserm Ritter zu erwidern, dass man mit einer grossen Hand recht gut spiele, dass er viele Virtuosen kenne usw. – – aber Schnapphahnski wollte nicht ruhen. Den schöngelockten Kopf kokettierend auf die Schulter legend, die Zigarre nachlässig an die Lippen führend und mit der höchsten Nonchalance über dem Klavier hängend, fuhr er fort, seiner Laune den Zügel schiessen zu lassen, indem er sich durch jeden freundlichen Einwurf der umherstehenden Gäste nur zu neuen, beissendern Bemerkungen hinreissen liess.
Der Herzog, der sich bis zum letzten Augenblick sehr ruhig benahm, spürte doch mit der Zeit Lust, dem gespräche ein Ende zu machen. Mehrere leise Andeutungen waren schon in dem Humor des Ritters verlorengegangen: er sah sich daher genötigt, etwas verständlicher zu werden, und als unser Held wiederum eine Phrase hinwarf, die durch ihre liebenswürdige Unverschämteit alles Frühere hinter sich liess, hob er den Kopf etwas feierlicher empor und versetzte