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etwas zu versetzen hat, dass man wenigstens noch ein lebendes Wesen hat, das man sein nennen kann.

"Wo ist Ihre Uhr?" – "Chez ma tante!" Oh, es ist traurig, wenn man also antworten muss. Unwillkürlich greift man noch oft in die Westentasche, in die einsame wohnung der geschiedenen Gefährtin: aber ach, diese wohnung ist wüst und leer geworden. Die Stürme des Jahrhunderts sind durch sie hindurchgefahren, und wenn nun der Abend kommt und die Nacht und die Sterne emporziehen und die riesigen Schatten sich breiten über Berge und Täler wie die Geister der Ossianischen Helden und man die Unterhose auszieht, um nach Bett zu gehen, und den Uhrschlüssel ergreift, um das altergebrachte Geschäft zu vollziehen, so pünktlich wie der Onkel Toby oder der Vater Tristramsach, da schrickt man zurück, denn oh, die alte Genossin

"– blieb zurück zu Pampeluna

In dem Leihhaus. War ein Erbstück,

Kostbar und von echtem Silber."

Heldenunglück rührt die Weiberdie Tochter Atta Trolls möchte weinen, Seufzer entringen sich ihrem zottigen Busen, als sie die Blässe des fahrenden Ritters bemerkt; sie glaubt natürlich, nur einen weltistorischen Schmerz zu sehen; die tragischen Züge des Heldenantlitzes scheinen ihr nur das Resultat jenes riesigen Grames zu sein, der einst auf den Zügen des Priamus lag oder in deinem Antlitz, du herrlicher Dulder Odysseusdenn oh, die treffliche Bärin, die vierfüssige Lilie der Pyrenäen, sie ist zu arglos, zu unerfahren, um daran zu denken, dass ein Herr von Schnapphahnski in der trivialen Wehmut der Finanznot stecken könnte, im Kummer um seine Uhr, von echtem Silber, zurückgelassen im Leihhause von Pampeluna.

Ja, Eva liebte ihren Adam, Venus ihren Adonis, Julchen ihren Romeo, Gretchen ihren Faustaber die vierfüssige Lilie, die Bärenjungfrau, liebt den berühmten Ritter Schnapphahnski!

Zärtlich brummend erhebt sie ihre rosige Schnauze und die lieblichen Tatzen und den zottigen Busen, und schon meint man, dass der edle Ritter zu ihr hinabsinken werde, mit jener hohen Grazie eines galanten Aristokraten, ein neues Geschlecht zu zeugen, das da alle Vorzüge vereinige, der Bären und der Wasserpolacken; da rennt der Undankbare von dannen und überlässt die arme Bärin ihrem Schmerze, den Tag verfluchend, wo sie die Blüte der Menschheit gesehen, und von Gram überwältigt, sinkt sie klagend zusammen.

Ein vernünftiger Bär wird hoffentlich so gescheit gewesen sein, die Unglückliche zu trösten. – –

Als unser Ritter auf dem Gipfel der Pyrenäen stand, da machte er halt und steckte die hände tiefsinnig in die Hosentaschen. Er schnitt ein Gesicht wie ein beschnittener Dukaten; er wünschte, dass ihn die Götter in einen Dudelsack verwandelten oder dass sie ihm tausend Stück Friedrichsdor schenktendoch das letztere wäre ihm am liebsten gewesen. – "Don Carlos ist besiegt, was sollst du beginnen?" fragte sich Schnapphahnski und sah verlegen nach seinem schäbigen Frackrock. "Deine Kriegeskasse nahm Espartero, deine Uhr hängt im Leihhause zu Pampeluna, und dein Herz fiel in die Hose. – Geld, Uhr und Herz, es ist alles verloren! Sollst du nach England gehen und mit Lord Brougham Brandy und wasser trinken? Sollst du nach Italien wandern und dich unter die Lazzaroni legen, oder sollst du nach O. in Schlesien eilen und dich von den Lakaien des Grafen S. durchprügeln lassen?" – Herr von Schnapphahnski wurde immer ernstafter; er liess den Hut tiefer ins Gesicht fallen; er steckte die Fäuste gründlicher in die Taschen, und er sah steifer zu Boden.

Unser Ritter war in jener Stimmung, in der der Mensch anfängt, sich ungeheuer lächerlich vorzukommen. Se. Hochgeboren litt an jener fatalen Krankheit, die einst die Göttin der Langenweile mittags nach dem Essen mit einem dünnen, schlottrigen Engländer zeugte. – Herr von Schnapphahnski litt am Spleen. Unser Held hätte gern für vier gute Groschen seine Seele dem Teufel verkauft, ja, was noch schlimmer ist, es wäre ihm einerlei gewesen, wenn man ihm ohne Grund einen Backenzahn ausgezogen hättemit einem Worte: Se. Hochgeboren war kaduk an Witz und Beutel.

"Was habe ich nun davon, dass ich Don Carlos diente?" fuhr der Ritter fort. "Was nutzt es mir, dass ich mich als Landsknecht ehrlich gehauen, und was brachte es mir ein, dass ich nach Ruhm und Ehre jagte, nach den zwei substanzlosesten Sachen, die es auf Erden gibt? O Sir John, du hattest Recht: man kann den Ruhm weder essen noch trinken; ja, man kann ihn nicht einmal in die Pistole stopfen, um sich den Schädel damit einzuschiessen. Wär ich als gewöhnlicher Bauer auf die Welt gekommen, da pflügte ich meinen Acker und freute mich meines Lebens. Wär ich ein simpler Bürger geworden, da schüttete ich all meine Zerwürfnisse stockprügelnd auf meinen Lehrjungen aus, und hätte ich endlich die Wissenschaft gewählt, da verlöre ich Prozesse, machte Kranke tot, spräche Blödsinn vom Kateder hinab und wäre ein glücklicher Mann dabei! Aber der Durst nach Ruhm war's, der mich hinauszog. Ich glaubte, die ewige Sonne zu packen, und ich packte ein Irrlicht. Ist der Ruhm nicht wie ein falsches Geldstück in der Hand eines Kindes? Es glaubt, alle Schätze der Welt dafür kaufen zu können, da kommt der pfiffige Krämer und lacht und ergreift den Hammer und nagelt den falschen Dreier auf den Tisch. – Oh, der Ruhm