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Sprache und Deine Augen sind flammend und nächtlich dunkel, wie die grossen Sterne am Himmel der Nacht. Lass die Männer zurück und Du sollst mit mir gehen zu dem Wigwam unseres Volkes in das Zelt unserer Weiber."

Der Fürst hatte ein zauderndes Bedenken, ich war ohne alle Apprehension. Mit voller Zuversicht sagte ich Coeur de Lion, er möge vorgehen und ich wolle ihm folgen. Dieses Vertrauen schien ihn stolz zu machen. Er stiess jenes eigentümliche "Hugh" aus, mit welchem die Indianer alle ihre Emotionen bezeichnen, und ging vor mir dem tiefen wald zu. Aber kaum waren wir einige Schritte gegangen, als mir glücklicher Weise einfiel, dass mein sale volatile und meine Nägelbürste in dem portativen Necessaire des Fürsten geblieben waren. Ich drehte also um, es mir zu holen, und schritt dann mit meinem Begleiter ruhig und anfangs schweigend vorwärts.

Es waren mysteriöse Sensationen, welche durch meinen Geist wogten. Tiefe Nacht und tiefe Stille lagerten sich über die Erde, nicht einmal unsere Fusstritte waren hörbar auf dem weichen Moose. Durch dichtes Gesträuch führte mich Coeur de Lion mit einer Sicherheit, als ob wir im Bois de Boulogne spazierten. Vorsichtig bog er jeden Zweig zurück, der mich hindern konnte, und blickte mich an, als wolle er sehen, ob ich Nichts entbehre. Ich hatte im Cooper gelesen, dass die Indianer die Schweigsamkeit auf Märschen estimiren und richtete danach mein ganzes Maintien mit jener vornehmen Entschlossenheit ein, die eigentlich ein angeborenes Zeichen der Aristokratie ist. Dies imponirte dem jungen Häuptlingssohne, denn dass er dies wirklich sei, hatte der Führer uns mitgeteilt.

Wir waren wohl schon andertalb Stunden gegangen, mich fing zu dursten an und ich verzehrte heimlich etwas chocolat praliné, als der Delaware sich umwendete. "Die Füsse der weissen Frau sind klein und der Weg ist lang," sagte er, "wird ihre Kraft reichen, sie bis zum Wigwam zu bringen?"

"Wenn der Häuptling die Strasse sieht in der Dunkelheit der Nacht, dass er die weisse Frau nicht irre führt, so soll ihre Kraft die Squaws seines Volkes beschämen."

"Der Delaware kennt seine Strasse und die Augen der weissen Frau können sie ihm erleuchten, denn sie sind hell!" entgegnete er.

Mein Herz klopfte in vorahnender Freude. O! dies war eine Erhörung meines heissen Gebetes. Gleich in dem ersten Wilden, dem wir begegneten, sandte er mir den Ersehnten entgegen. Die Zeichen konnten nicht trügen. Warum war es ein Fürst seines Volkes, der an jenem Abende die Wacht in den Wäldern hielt, wenn ihn nicht ein günstiges Geschick in meinen Weg schicken wollte. Ja, nur die ungebrochene Kraft des Männerherzens konnte die Blüte der Liebe erzeugen, die ich suchte. Wohl war ich Friedrich's erste Liebe gewesen, wohl hatte er mir die frische Glut seines Herzens geweiht, aber nur sein Herz war mein. Sein Geist gehörte nicht mir allein, es lebte noch Etwas in ihm ausser mir, er hatte Erinnerungen, Intensionen, Plane, die nicht mit mir zusammenhingen. Das war ein Malheur. Dieses Delawaren Seele war rein, ein leeres Blatt, ein grosser Tempel, auf dessen Altar nur die Gotteit fehlteer war es wert, in seiner frischen Naturwüchsigkeit, das Bild Diogenens allein in sich aufzunehmen.

In tiefer Mitternacht langten wir vor dem Wigwam an. Einzelne Feuer brannten umher, die Wölfe fern zu halten. Das rote Licht der Flamme beleuchtete magisch die dunkeln, grünen Baumhallen, die Zelte sahen wie davon vergoldet aus. Ein leiser Anruf der Wachen und wir schritten in das Lager ein.

Coeur de Lion führte mich an eines der grösseren Zelte, hob das Bärenfell empor, das davor herunterhing, und hiess mich eintreten. Er schritt mit einer brennenden Kienfackel neben mir und schickte die anwesenden Weiber und Kinder heraus. "Hier ist die weisse Frau sicher, wie in dem haus ihres Vaters," sagte er, steckte die Fackel zwischen das Laubgeflecht der Innenwand und wollte sich entfernen.

Dies war gegen meine Erwartung. Ich gestand ihm, dass ich lange keine Speise erhalten hätte und dass ich deren bedürfte. Er ging hinaus und kehrte bald mit einem gerösteten Rehrücken, einem Kruge wasser und einer Flasche Arack zurück.

In dem Hintergrunde der Höhle befand sich ein duftiges Lager von frischem Sassafras, auf dem ich mich niederliess. Draussen um das Zelt hatten sich indess eine Menge neugieriger Männer und Weiber versammelt, die nur durch die Autorität des Coeur de Lion von dem Eintreten zurückgehalten wurden.

Ich nötigte den jungen Häuptling, sich neben mich niederzusetzen und dies frugalste aller Soupers mit mir zu teilen. Er tat es, und ich versuchte ihm geistig näher zu treten, während wir assen.

"Warum kehrt keine der Frauen zurück, die weisse Frau zu begrüssen unter dem Wigwam ihres Häuptlings?" fragte ich.

"Coeur de Lion hat keine Frau, und auch die Frauen seines Vaters sind tot. Seine Mutter ist heimgegangen in die Wohnungen des grossen Geistes und die andere ist getödtet worden, weil sie ungehorsam war den Befehlen ihres Mannes."

"Und der junge Häuptling hat keine Todtenklage für sie? Er hat keine Liebe für sie?"

"Was ist das, Liebe?" fragte er, während er mit miraculoser Gourmandise die Knochen des Rehes benagte.

Diese Frage elektrisirte mich. Sie war das Stichwort, das Centrum aus Halm's Sohn der Wildniss, und mit Partenia antwortete ich sogleich:

Zwei