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, angebracht, die ich aus einer gewissen Superstition von jetzt an brennend zu erhalten beschloss. Ich liess mir und dem Fürsten passende Costume machen und dann schifften wir uns auf dem GreatWestern ein.

Während der ganzen Reise verhielt ich mich absolut passiv, wie ein königlicher Tiger, der ruhig daliegt, bis die Zeit gekommen ist, in der er sein Opfer zu erreichen hoffen darf. Ich las alle Cooper'schen und Sealsfield'schen Romane, um die Sitten der Wilden kennen zu lernen, studirte die Sprache der Delawaren, und lernte alle Reden auswendig, welche Partenia in Halm's miraculosem Sohn der Wildniss, dem Tektosagen-Häuptling Ingomar, hält.

So vorbereitet landete ich in Neuyork und trat meine Excursion in das Innere an. Man muss jetzt in Amerika lange reisen, ehe man Wilden begegnet; die Welt ist terribel civilisirt, nirgend mehr ein Zug lieblicher Sauvagerie. Als wir bis zu den Grenzen der von Europäern bewohnten Gegenden gekommen waren, liess ich meine Equipage in einem der Blockhäuser und veränderte mein Costume in der Weise, dass es dem der Myrrha im unterbrochenen Opferfeste einigermassen nahe kam. Der Fürst legte ein bequemes Jagdkleid an, nahm ein Paar Pistolen, eine Flinte und ein Seitengewehr mit sich, und so gingen wir, von einem Führer geleitet, den Urwäldern zu.

Als ich im Blockhause zum letzten Male in den Spiegel schaute, musste ich mir selbst bekennen, dass ich unwiderstehlich sei. Ich sah vollkommen wie eine indianische Squaw aus, ins Deutsch-Aristokratische übersetzt. Denn selbst in der leichten Bemalung meines Körpers, die aus lauter kleinen wunderlich verschlungenen Laternchen bestand, in dem Federschmuck meines Hauptes, in meinen Fuss- und Armspangen, wie in den Mokassins, welche der erste Schuhmacher Londons gearbeitet hatte, lag die ganze reizende Nonchalance einer nobeln Gräfin. Ich trug einen Plaid, den ich für alle Fälle mitgenommen hatte, einige Bouillon-Tafeln und verschiedene Confituren in einem Körbchen an dem rechten arme. In der Linken hielt ich die brennende Laterne.

Es war hoch am Tage, als das flache Land, die fetten Wiesengründe zwischen den Flüssen sich in Waldungen zu verwandeln anfingen. Die Erhabenheit dieser Urwälder wirkte gewaltig auf mich. Riesenbäume verschlangen liebend ihre Aeste zu einem festen dach, Blumen rankten sich daran empor und hingen wie Sterne von den höchsten Zweigen hernieder. Ein Teppich von weichem Moose bewegte sich elastisch selbst unter meinem federleichten Tritte. Einzelne Vögel wiegten sich in ruhiger Sicherheit auf den Aesten und ein wunderbarer Duft voll entzückender Frische wehte durch die Luft.

Niedergeworfen von dieser Erhabenheit, sank ich in das Knie; unwillkürlich falteten sich meine Händchen zum Gebete, und auf Delawarisch sagte ich: O! Du mein Gott! der Du jeder Creatur das Glück der Existenz gewährst, der Du jedem Tiere ein Genügen gönnst, Du wirst ein Auge haben für eine Gräfin aus altem haus, Du wirst ihr geben, was sie bedarf, ein immenses, nie dagewesenes Glück für ihre immense Seele! – O! es wäre unbarmherzig, es wäre ein immenses Unrecht an meiner Seele, könntest Du es mir versagen.

Ich erhob mich neugestärkt durch die Conviction der Erhörung. Ich war froh geworden und harmlos wie ein Kind. Ich fand die neue Position entzückend und sah mit klopfendem Herzen dem ersten Wilden entgegen. Unser Führer, der seit Jahren Handel trieb zwischen den letzten Blockhäusern und den ersten Wigwams, berichtete uns, dass wir uns einem solchen näherten.

Als es dunkel ward, hörte ich plötzlich einen leisen Ton, als ob ein scheues Reh durch die Zweige schlüpfe. Der Führer gab ein Zeichen durch eigentümliches Pfeifen, ein ähnlicher laut antwortete ihm, und wie aus der Erde hervorgezaubert, stand die Gestalt eines Kriegers vom Delawarenstamme vor uns.

Ich hob die brennende Laterne in die Höhe und nahm mein Lorgnon, das ich natürlich nicht zurückgelassen hatte, um ihn zu beobachten. Es war eine Gestalt wie ein jugendlicher Antinous aus rotem Granit. Schwarze ruhige Augensterne tauchten aus der weissen Iris mit miraculöser Intensität hervor, die Nüstern seiner Nase hoben sich aristokratisch stolz, wie bei einem jungen Schlachtrosse; ich sah, ich hatte keinen gemeinen Krieger, ich hatte einen Häuptling vor mir. Da er fühlen mochte, dass ihm von uns keine Gefahr drohe, hielt er sich ruhig und erwartete die Anrede unsers Führers.

"Warum ist Coeur de Lion nicht bei seinem volk im Wigwam, sondern einsam streifend zu dieser Stunde?" fragte der Führer.

"Weil die Blassgesichter ihm den Frieden an seinem Feuer genommen haben, weil ihre Habsucht ihm das Land seiner Väter misgönnt."

"Aber das Kriegsbeil ist begraben," sagte der Führer.

"Die Blassgesichter wissen, wo es liegt, und können es ausgraben zu jeder Stunde. Was wollen der Jäger und die weisse Squaw in dem Schatten dieser Wälder?"

"Sie wollen wandern durch das Land des Delawaren hinab zu den grossen Seen, und haben die Kleidung der roten Leute angelegt, zu zeigen, dass sie in friedlicher Absicht kommen."

Coeur de Lion sah uns prüfend an, die Waffen des Fürsten schienen ihm Zweifel zu erregen; da legte ich mich in das Mittel und sagte delawarisch: "Ist Coeur de Lion kein Sohn seines Volkes, dass er einem müden weib das Blätterlager und das Feuer seines Heerdes versagt, wenn sie ihn darum bittet?"

"Komm!" rief er, "und folge mir! Du hast die Haut der Blassgesichter, aber Deine Zunge redet unsere