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sich weich um seine Schläfe und er trug sein einfaches Priestergewand mit der Eleganz, mit der Distinction eines Fürsten. Seine hände waren aristokratisch fein und soignirt, wie er denn auch vortrefflich chaussirt war.

Einen Moment betrachtete er mich mit schweigendem Erstaunen. Dann sagte er: "Sie haben mich rufen lassen und ich finde Sie hier in einem Zustande, meine verehrte Gräfin, der mich zu der Frage ermächtigt, welch Leid Ihre Seele bedrückt?"

"O mein Vater!" rief ich, "ich bin von Gott verlassen!"

"Das ist Niemand, der ihn sucht."

"Mein Vater! ein schwerer Fluch ruht auf meinem Geschlechte, hören Sie mich an. Ich stamme von Diogenes, ich muss einen Menschen suchen, wie er es tat, einen Menschen, einen Mann in der vollen Idealität des Wortes, den rechten Mann. Unzählige Frauen unsers Geschlechtes sind daran zu grund gegangen, denn nur das Herz und die Seele sind die Wünschelrute, mit denen man Herz und Seele, mit denen man den Rechten findet, undwir Alle haben weder Herz noch Seele."

"Sie freveln, meine Tochter!" sagte der Pater. Aber ich liess ihn nicht weiter sprechen. "O!" rief ich, ihn unterbrechend, "hören Sie mich an. Submiss dem Schicksalsspruch unsers Geschlechtes, habe ich die Liebe und den Rechten gesucht mit einer Ardeur, mit einer Vehemenz, die ihnen adorabel scheinen würde. Ich bin erst siebenzehn Jahre und schon war ich einem Grafen verheiratet, von dem ich geschieden bin; schon ist ein Lord zum Selbstmorde getrieben durch mich, ein Vicomte für mich im Duell geblieben, ein Fürst folgt mir mit stupider Hundetreue, ohne zu wissen weshalb, noch warum? Unter unzähligen Hidalgos der pyrenäischen Halbinsel habe ich umher gesucht nach Liebe und nach dem Rechten, ich habe Nichts gefunden als passagere Emotionen und gewöhnliche Cavaliere. Ich bin der Verzweiflung nahe. Ich finde es unter meiner Würde, zu den Regionen der Bourgeoisie hinabzusteigen und doch fürchte ich fast, ich finde nicht in der Aristokratie, was ich erstrebe. Da habe ich mich in meinen Zweifeln an Sie gewendet, mein Vater! Raten Sie mir, que faire?"

"Frau Gräfin!" sagte der Pater, "wenn Sie nicht ein unwürdiges Spiel mit mir treiben, vor dem schon die Heiligkeit meines Gewandes mich schützen sollte, so ist es hohe Zeit, dass Sie Ihre Seele in sich sammeln zum Gebete, ehe Sie der Schwindel erfasst, der Sie hinabreissen muss in den Abgrund des Wahnsinns."

Er wollte sich setzen, um mit mir zu sprechen, es war kein Sessel in dem Gemach. Da ich in Allem gern ganz war, so hatte ich, nun ich daran dachte, mich von allem Luxus zu debarrassiren, auch die gewohnte Bequemlichkeit eines Stuhles verschmäht und lag an der Erde. Ich sah dann frappant wieder wie eine Magdalena Correggio's aus.

Der Pater ging in das Boudoir, nahm einen Fauteuil und trug ihn in meine Zelle, wo er sich darauf niedersetzte. Ich kniete vor ihm nieder.

"O!" sagte ich, "Sie sehen aus, mein Vater, als ob Sie eine Seele hätten, aus Ihren Augen spricht ein mildes, liebendes Herz. Haben Sie Erbarmen mit mir, geben Sie mir von dem Ueberflusse Ihrer Seele, Ihrer Liebe einen Funken, dass er in mir ein Mirakel wirke. Sehen Sie, ich bin das unglückliche Götterbild des Pygmalion, die Schönheit ohne den belebten Hauch der Liebe. Lieben Sie mich, mein Vater! Sie, dessen Herz, dessen Seele gross und mächtig genug waren, den in Heidentum versunkenen Völkern den Geist der Liebe einzuflössen, Sie müssen die Kraft haben, auch mir eine Seele, ein Herz zu geben, auch mir die Gnade der Liebe zu gewähren. Lieben Sie mich, mein Vater! Es ist ein Gott wohlgefälliges Werk."

Ich war ausser mir. Aufgelöst in Tränen, umklammerte ich seine Kniee und presste meine brennenden Lippen auf seine eleganten hände, die er mir entzog, um sie segnend auf mein Haupt zu legen. Er betete leise, ich blickte zu ihm empor, er sah wunderschön aus.

"Gräfin," sagte er dann ruhig, "Sie haben wohl getan, dass Sie sich zu Busse und Andacht wendeten, denn Gott muss ein Wunder tun, um Sie von Ihrer furchtbaren Verblendung zu heilen. Sie haben Gott gelästert und vergessen, und sich an seine Stelle gesetzt. Sie haben sich angebetet in fürchterlichem Egoismus und dem Götzen Ihrer Eitelkeit die Herzen und das Leben von Männern geopfert. Nicht in der natur des elendesten Kaffernweibes fand ich die Grausamkeit spielender Selbstsucht, die sich in Ihren koketten Worten verrät. Nicht Liebe haben Sie gesucht, sondern Befriedigung Ihrer Sinnlichkeit, Beschäftigung für Ihre unersättliche Phantasie. Suchen Sie Gott im geist, nicht in der makellosen Schönheit eines Mannes, und Gott wird sich Ihnen offenbaren in jener heiligen, unvergänglichen Liebe, die nicht zu suchen braucht nach dem Rechten, weil jeder Mensch, auch der elendeste, einer rechten Liebe wert ist. Aber Sie wollen Nichts lieben als sich selbst und das ist Sünde, das ist Tod."

Er war aufgestanden, ich hielt ihn zurück. "O, mein Vater!" rief ich, "sprich, sprich immer weiter, Deine milde stimme calmirt den wilden Sturm meines Herzens, wie Oel das Meer; die Wogen meines inneren