zu melden, sie sei in der Nacht erkrankt und der Arzt geholt, der ihr befohlen habe im Bette zu bleiben. Das desappointirte mich, indessen machte ich selbst meine Toilette und ging aus, mit dem Befehle, den Lord zum Frühstück zu mir einzuladen.
Ich war noch nicht tausend Schritte von unserm Hotel entfernt, als der Fürst erschien, mir seinen Arm und seine Dienste anzubieten. So anerkennenswert diese ewig wache, unermüdliche Fürsorge auch sein mochte, so war es mir in dieser Stunde fatal, dass ich keinen Moment ohne ihn sein konnte, sobald ich mein Zimmer verliess, und in ziemlich übler Laune, sagte ich: "Aber um Gottes Willen, lieber Fürst! sind Sie denn wirklich mein Schatten? Kann ich denn nie sicher vor Ihrer Begleitung sein? Nie einen Augenblick allein der natur geniessen?"
"O! meine Gräfin!" sagte er, "tun Sie als existirte ich nicht. Sie sind allein, wenn Sie es sein wollen und ich bin da, wenn Sie es begehren."
"Aber werden Sie es denn nicht müde, mir ohne Lohn, ohne Hoffnung zu folgen, Nichts zu tun, Nichts zu denken, als" – –
"O, meine Gräfin! ich tat und dachte niemals Etwas, auch ehe ich Sie sah, und jetzt denke ich an Sie."
"Und das befriedigt Sie?"
"Vollkommen!"
"Und Sie fragen sich nie, ob – –"
"Ich frage mich Nichts. Ich sehe Sie an, Sie sind schön, und ich folge Ihnen, um Sie anzusehen. Der Graf, der Vicomte berauben sich freiwillig dieses Glückes, so geniesse ich es dreifach. Und nun gehen Sie allein spazieren, ich folge Ihnen in einiger Entfernung, aber nur so fern, dass mein blick Sie erreichen kann, denn Sie sind schön, meine Gräfin!"
"Unbegreiflich!" sagte ich zu mir selbst. "Ich gehe aus, die Liebe zu suchen und finde die Treue – aber das ist bleiches Silber für strahlendes Gold!" Ich versank in schwermütige Träumereien und wanderte fort weit über Lichtental hinaus, dem kleinen Wasserfalle zu, und wieder zurück nach Baden, ohne dass der Fürst sich mir genähert oder ein Wort mit mir gesprochen hätte. Als ich die Treppe vor meinem Hotel erreicht hatte, sah ich, wie er, eine starke, schwerfällige Gestalt, sich mit dem Battisttuche die Stirn trocknete und erschöpft auf einer Bank Platz nahm, von der aus er meine Fenster und die tür des Hotels beobachten konnte.
Ich erkannte mein Zimmer nicht wieder, als ich es betrat. Es war auf das Eleganteste mit Blumen decorirt und ein superbes Album mit meinem Namen lag auf meinem Schreibtische. Ich schellte dem Kellner und fragte, wer die Sachen hierhergebracht hätte? Er behauptete, sie wären ihm von einem Gärtner gebracht worden, mit dem Bemerken, ich hätte sie gekauft.
Gleich darauf kam der Lord. Da er gar nicht frappirt schien durch die Blumenflora, die am Tage vorher nicht vorhanden gewesen war, drängte sich mir natürlich der Gedanke auf, dass es eine Galanterie von ihm sei und ich beeilte mich, ihm dafür zu danken.
Er hatte sich in eine Couchette geworfen und sah mich mit seinem gewohnten kalten Blicke an. "Wovon sprechen Sie, teure Gräfin!" fragte er, "ich verstehe Sie nicht."
"Von der liebenswürdigen Attention, welche Sie für mich an diesem Morgen gehabt haben, von den Blumen, welche ich Ihrer Güte verdanke und von dem superben Album."
"Haben Sie Blumen erhalten?"
"Aber mein Gott, Mylord, sehen Sie denn nicht, dass mein Zimmer in ein kleines Indien verwandelt ist?"
"Ich habe mich nicht umgesehen und bin Indien sehr gewohnt!" antwortete er ruhig, während er sich sein Toast mit Butter bestrich, da man indessen das Dejeuner servirt hatte.
"So waren Sie es nicht, dem ich die angenehme Ueberraschung verdanke?"
"Unmöglich, teure Gräfin! Ich habe bis jetzt geschlafen."
"Bis jetzt? in diesem wundervollen Wetter?"
"Wundervolles Wetter ist mir sehr indifferent, nur schlechtes Wetter ist mir horrid. Zudem sind die Tage so lang!"
"Aber die Welt ist auch gross und schön!" sagte ich.
"O, teure Gräfin! Ich kenne die Welt schon, ich habe sie schon zweimal umschifft, habe Alles gesehen, nun kann ich doch nicht immer von Neuem anfangen. Das ist langweilig für mich und darum verschlafe ich gern einen teil des Tages! Das ist bequem!"
"Und Sie sehnen sich nach keiner andern Existenz?" fragte ich ihn, förmlich erschüttert durch seine Ruhe.
"Wie kann ich mich nach Etwas sehnen, das ich für unmöglich halte? Aber lassen Sie den Tee nicht zu lange brühen, teure Gräfin! das macht ihn ungeniessbar."
"Ah!" rief ich, erfreut davon, dass dieser Mann doch wenigstens in dieser Kleinigkeit die Spur eines Wollens oder Nichtwollens verriet, "so ist Ihnen doch nicht Alles gleichgültig, Mylord!"
"Alles bis auf den Comfort!" sagte er, behaglich den Tee schlürfend, den ich ihm präsentirt hatte.
Es entstand eine lange Pause, er trank mit grossem Genusse und ich betrachtete ihn mit Staunen. Ich fand die Resignation adorable, mit der er ein so trostloses Dasein wie das seine ertrug. Ich fing an