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"Aber die Beiden verstehen sich mit einander," sagte Smart.

"Wer? der Kaufmann und Bill? – hm, das ist wohl kaum möglich. Der Mann hat mir treffliche Preise geboten, und einen teil sogar schon als Draufgeld baar ausgezahlt."

"Ich sah, wie sie Blicke wechselten," versicherte Smart, indem er ausstand, "und müsste mich sehr irren, wenn sie nicht wenigstens bekannter mit einander sind, als sie hier anzugeben scheinen. Habt lieber Acht, es gibt gar nichtsnutziges Volk am Fluss, und besonders Helena weiss eine geschichte davon zu erzählen. Auf Eure Leute könnt Ihr Euch doch verlassen? Denn ein F r e m d e r hat hier unten gerade nicht viel hülfe zu erwarten."

"Ei gewiss kann ich das," sagte der alte Mann, "mehr jedoch verlass ich mich auf mich selber; es hat übrigens keine Not. So klug ist der alte Edgewort auch noch, dass er sich nicht von blossem Gesindel frei zu halten wüsste. Aber, was ich noch sagen wollte, Mr. Smart, es hat mich eine junge Frau hier, die von irgend Jemandem erfahren haben muss, dass ich in Victoria landen will, gebeten, sie und ihre Sachen mit an Bord dortin zu nehmeneine gewisse Mrs. – – Mrs. – Everett, glaube' ich. Sie will von Helena fortziehen, um sich, wenn ich nicht irre, in Victoria niederzulassenist das eine ordentliche Frau?"

"Ei gewiss, Sir," rief Smart eifrig – "ein braves, wackeres Weib, dessen Bräutigam erst kürzlich im Fluss verunglückte, und dessen Land ich kaufte. Ich habe ihr alle nur mögliche hülfe angeboten, sie weigert sich aber hartnäckig, auch nur die geringste Unterstützung anzunehmen. Und sie will wirklich nach Victoria ziehen?"

"Ja, so sagte sie ausdoch ich muss wahrhaftig fort. Also Good bye! Sollte ich Tom Barnwell verfehlen und er wieder hierher nach Helena kommen, so sagt ihm, er möchte nur gleich wieder zurückfahren. – Werde ich mit Ausladen früher fertig, nun so wart' ich auf ihn, bis er kommt."

Und damit warf sich der alte Mann die Büchse auf die Schulter und schritt, dem Wirt noch einmal die Hand zum Abschied reichend, zum Fluss hinab, wo eben auf einer sogenannten Dray, einer Art zweirädrigem Güterkarren, die wenigen Habseligkeiten Mrs. Everett's angefahren kamen. Die Frau ging neben ihnen her.

Es war eine schlanke schöne Gestalt, das junge Weib; von Kopf bis zu Fuss in Schwarz gehüllt, aus dem das bleiche, gramgedrückte Schmerzensantlitz gar traurig mit den grossen blauen Augen herausblickte. Das hellkastanienbraune Haar quoll ihr dabei in vollen Locken unter dem eng anschliessenden Kopftuche hervor, und manchmal noch fuhr sie sich, wie verstohlen, über die blassen Wangen nach den rotgeweinten Augen hinauf, als ob sie da jede ungehorsame Träne, die sich trotz allem festen Willen unter den langen Wimpern vorstehlen wollte, gleich auf frischer Tat zu ertappen und fortzunehmen gedenke.

Der Karren hielt an der Flatbootlandung, dicht vor Edgewort's Boot, und der Mann, der Peitsche und Hut zu Boden warf, wollte eben einen teil seiner Ladung über die schmale Planke an Bord tragen, als sich ihm hier Bill, der Steuermann, in den Weg stellte, und ihn mit einem herzhaften Fluche fragte, was er da noch für Packen und Passagiere an Bord bringesie hielten keine Fähre und brauchten keine Gesellschaft weiter.

"Lasst's nur sein, Bill!" sagte Edgewort, der gerade oben von der Uferbank herabschritt – "wir setzen die Lady in Victoria an's Land. – Es ist schönes Wetter, und die Sachen können oben an Deck bleiben."

Der Steuermann trat brummend bei Seite, der Fluss schien aber seine Aufmerksamkeit jetzt mehr in Anspruch zu nehmen, als das Land. Den Mississippi herunter trieben gerade sechs oder sieben Ohiobooteals was sie das geübte Auge der Bootsleute bald erkanntund dem ruhigen Aussehen der an Bord Befindlichen nach mussten sie auch gar nicht gesonnen sein hier zu landen. Oben an Deck ausgestreckt lagen die meisten der Männer höchst behaglich in der ziemlich heiss niederbrennenden Sonne, und nur an der hintersten langen Steuerfinne lehnte der Lootsebeide arme rechts und links hinausgelegt über das baumlange Holzund schaute gemächlich nach der kleinen Stadt hinüber.

"Nun, da finden wir Gesellschaft," meinte Edgewort – "schnell, Ihr Leutenehmt die Sachen an Bordwenn wir uns ein bischen scharf in die Ruder legen, können wir die da drüben wohl noch einholen."

Damit schien aber der Steuermann nicht besonders einverstanden und meinte, sie hätten nicht so gar weit von Helena eine Insel mit ziemlich schmalem Fahrwasser zu passiren, durch das sie aber wohl acht Meilen Biegung abschnitten. Wären dann viele Boote beisammen, so geschehe es nicht selten, dass sie einander auf versteckte Snags trieben. Sie wollten deshalb die Boote immer voraus lassen, und wenn sie nicht ganz vortreffliche Lootsen an Bord hätten, gedächte er ihnen vor Victoria den Weg schon wieder abzuschneiden.

Blackfoot stimmte ihm darin bei, und die Leute trugen eben die letzten Sachen an Bord, denen Mrs. Everett gerade folgen wollte, als diese auf eine eben so unerwartete als gewaltsame Weise daran verhindert werden sollte.

Mrs. Breidelford nämlich war Mainstreet herabgekommen und erkannte dort die schwarzgekleidete