verlieren, wenn sie noch in der Zeit Victoria erreichen wollten. Der Steuermann Bill, der einige Minuten nach Blackfoot, ohne sich aber um die Uebrigen zu kümmern, zum Schenktisch getreten war, fragte jetzt den alten Edgewort, ob er noch heute Morgen abfahren wolle, sonst ginge er gern einmal ein Viertelstündchen vor die Stadt, wo ein alter Schiffsgefährte von ihm wohnen solle.
"Nein, Mann!" rief Blackfoot schnell dazwischen, "das geht unmöglich mehr. – Ihr habt die ganze Nacht Zeit dazu gehabt. – Entweder wir fahren jetzt, oder ich kann die ganze Ladung nicht brauchen."
"Ei nun meinetwegen," brummte der Steuermann und trank sein Glas auf einen Zug aus, drückte sich den Hut trotzig in die Stirn und verliess wie ärgerlich das Zimmer.
"Unfreundlicher Gesell das –" sagte der vermeintliche Kaufmann, als er dem Bootsmann nachblickte – "habt Ihr den schon lange an Bord?"
"Ja, von Indiana aus," erwiderte Edgewort, "und ich weiss nicht, was mir den Menschen so verhasst gemacht hat – doch, wir sind ja bald geschieden. Er ist übrigens ein wackerer Steuermann und versteht seine Sache; den Fluss kennt er, wie ich meine tasche, und hat mein Boot bis dahin wacker und gut geführt. Aber, wie gesagt, ich will froh sein, wenn ich von ihm los bin – sein blick hat für mich etwas Abstossendes, das ich nicht überwinden kann. Apropos, Landlord," wandte er sich da plötzlich an den Wirt, der indessen Blackfoot von der Seite mit flüchtigem Blicke mass – "hat denn der Büchsenschmied mein Schloss hergeschickt? Er versprach's wenigstens."
"Ja, die Büchse steht da drin" – sagte Smart, ohne seine Stellung zu verändern – "Francis – reich' einmal das lange Schiesseisen heraus, an dem Toby erst herumgearbeitet hat."
"Habt Ihr ihm die Reparatur bezahlt?" fragte Edgewort.
"Ja" – erwiderte der Barkeeper – "es war ein halber Dollar. – Er sagte, die Feder wäre zerbrochen und die ganze Nuss hätte drin gefehlt; Ihr müsstet sie einmal auseinander genommen und die Nuss verloren haben."
"Unsinn!" rief der Alte – "ich habe die Büchse, seit ich sie abschoss, auswischte und wieder lud, nicht angerührt – Tom eben so wenig, denn der hat seine eigene. Weiss der Henker, wie die Nuss herausgekommen sein kann! Nun meinetwegen – sie schiesst doch jetzt wieder. Da kann ich ja auch gleich den Schuss herausbrennen, der noch im Rohre steckt, und einen andern hineinladen. Wo schiesst man denn hier wohl am sichersten hin?"
"Ei nun, am sichersten g a r n i c h t ," meinte Smart; "eigentlich ist's auch in der Stadt verboten, wir nehmen's aber immer nicht so genau. Schiesst nur hoch. Seht, da oben sitzt ein Specht an dem trocknen Stumpf – ganz hoch – gerade über dem rechts hinaussehenden Ast – seht Ihr ihn? – Ihr könnt Euer Gewehr da an den Pfosten anlegen."
Edgewort war indessen, mit der Büchse im Anschlag, vor die Tür getreten und blickte scharf nach dem bezeichneten gegenstand hin.
"Anlegen?" sagte er dabei lachend – "auf neunzig Schritt anlegen? Das fehlte auch noch; wenn das Schloss ordentlich Feuer gibt, könnt Ihr den Specht holen." Er hob rasch die Büchse, zielte einen Augenblick, und mit dem Krach des Gewehrs fast zuckte das arme kleine Tier hoch empor und stürzte dann dicht am Stamm herab auf die Erde.
"Es geht ja noch" – lächelte der alte Mann, während er die Büchse neben sich niederstellte und aus der umgehangenen Kugeltasche den Krätzer nahm, sie erst ordentlich wieder auszuwischen. "Da man aber nicht mehr auf Indianer zu schiessen braucht, schiesst man Spechte, das ist so der Welt Lauf. Der Mensch ist, wenn nicht das grösste, doch sicherlich das gefährlichste Raubtier – er mordet zum Vergnügen. Doch mein Handelsmann da wird ungeduldig – geht nur voraus, guter Freund, ich lade bloss meine Büchse, bezahle meine Rechnung und bin gleich unten."
Blackfoot schien damit zufrieden, bat ihn nur noch einmal, nicht lange mehr zu zögern, und verliess das Zimmer; Smart aber, als Jener die Tür hinter sich zugedrückt hatte, wandte sich an Edgewort und fragte ihn:
"Kennt Ihr den da schon von früher?"
"Nein – weshalb?"
"Wie seid Ihr denn zu ihm gekommen, den Handel mit ihm abzuschliessen?"
"Wie? Ei nun, ich fand ihn hier im Union-Hotel, Ihr waret ja selbst dabei. – Bill hat ihn irgendwo in der Stadt getroffen."
"Bill? Wer ist Bill?"
"Mein Steuermann!"
"So?" sagte der Wirt nach ziemlich langer Pause, und fing an, das Knie, das er wieder zwischen den Händen hielt, hin und her zu schaukeln – "so? – also Bill hat Euch den recommandirt. Hört einmal, Mr. Edgewort – der Bursche gefällt mir nicht."
"Weshalb?" lachte der Alte, "weil er nicht wie ein Handelsmann aussieht? Ei, lasst Euch das wenig kümmern. Unsere indianischen Händler sind immer mehr Krieger und Jäger als Kaufleute und müssen ihre Waffen so gut wie ihre Gewichte zu führen wissen