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Fläschchen mit und es könnte Ihnen aus der Hand fallen und entzweigehen."

"Die Blausäure wirkt wohl als Gift am stärksten?" sagte Sander, während er das Fläschchen sinnend in der Hand wog.

"Allerdingsist ein fürchterliches Mittel, animalisches Leben zu zerstören," erwiderte der Doctor.

"Könnte Ihnen darüber auch zwei wunderbare Geschichten mitteilenich habe nämlich schon zweimal Unglück, wirkliches Unglück mit Blausäure gehabt. Doch man schweigt lieber über solche Sachen. – Es kommt nichts dabei heraus, und wenn es nachher weiter erzählt wird, machen es die Leute gewöhnlich viel schlimmer, als es eigentlich ist."

"Und dieses Gift tödtet unfehlbar und schnell?" fragte Sander noch einmal.

"Stellen Sie mir um Gottes willen das Glas hin," rief der Doctor ängstlich und sprang von seinem Sitze auf – "Sie richten wahrhaftig noch etwas andas ist fürchterliches Gift und kann in den Händen des Laien zu ensetzlichen Folgen führen."

Sander sah sich gezwungen, das Fläschchen wieder auf den Kaminsims zu stellen.

"So," sagte jetzt Monroveals er die Säge durch sein eines Brillenglas genau betrachtete – "ein Mulattenbein hab' ich mir lange gewünscht. – Ich wollte schon einmal Dayton's Burschen amputiren, der Squire gab's aber nicht zu, und es war auch vielleicht gutfür den Jungen heisst dasdenn die natur half sich wieder."

Er trat jetzt zu dem Bewusstlosen hin, legte die Instrumente neben diesen auf einen Stuhl und betrachtete ihn aufmerksam.

"Ja, ja," sagte er endlich, nachdem er den Puls des Verwundeten gefühlt und die Hand auf dessen Stirn gelegt hatte, – "er bessert sich, wie ich sehe, da werden wir also doch an's Amputiren gehen müssen."

"Glauben Sie wirklich, dass er sich wieder erholt?"

"Jawahrscheinlicher atmet ganz regelmässig und der Puls geht auch, allerdings noch fieberhaft, aber doch ruhiger als vorher. – Wäre er mir gestorben, so hätt' ich ihn lieber ganz mitgenommen, so aber werde' ich ihn nur um ein Bein bitten. dafür will ich ihm aber den Arm wieder ordentlich einrichten, und er wird deshalb seinem künftigen Herrn gewiss nicht weniger, vielleicht noch mehr wert sein. Es ist manchmal recht gut, wenn Neger zwei arme zum arbeiten und nur ein Bein zum Weglaufen haben. Alle Wetter, jetzt hab' ich aber meine Schienen zu haus gelassen; ei nun, im wald kann man sich da schon helfender Hickory wird sich wohl noch schälen, und da hol' ich mir ein paar Rindenstreifen. Bitte, Sir, bleiben Sie einen Augenblick bei dem Kranken hierich gehe nur dort zu den nächsten Bäumen, um mir die passenden Stücke zu holenbin gleich wieder da. Aberhab' ich denn gar nichts, womit ich die Streifen abschälen könnte."

Er wandte sich von dem Bette ab, irgend ein Instrument zu suchen, und Sander griff fast convulsivisch wieder nach dem Giftfläschchen, das er rasch in seiner Hand verbarg.

"Ahdieser Tomahawk wird gut sein," rief der kleine Mann, als er die in der Ecke liegende Waffe aufhob und damit zur Tür schritt. "Da drüben steht auch Mr. Cook, den werde ich Ihnen indessen herüberschicken."

Sander löste rasch das Papier von der Viole ab und zog sein Messer, die Blase zu durchschneiden; er durfte keinen Augenblick mehr verlieren, der nächste konnte schon entscheidend sein.

"wasser!" stöhnte da der Mulattees war das erste Wort, das er seit seiner Verwundung sprach. Sander aber zuckte mit wild gemurmeltem Fluch zusammen, denn in dem Moment fast, wo er Verrat für immer unmöglich gemacht hätte, drehte sich der Doctor, der jenen Ausruf vernommen, rasch wieder herum und kam eilenden Schrittes zurück. Auch Cook näherte sich dem haus.

"Alle Wetter," rief da Monrove, nachdem er einen flüchtigen blick auf den Kranken geworfen – "völlig bewusster Zustandklare Augenfreies Atmenund unbezweifelt rückkehrende Lebenskräfte; – ich bekomme wahrhaftig nur das Bein. – Mr. Hawes, wir werden augenblicklich zur Operation schreiten müssen."

"wasser!" stöhnte der Unglückliche – "ich verbrenneich will ja AllesAlles bekennennurwasserwasser!"

Der Doctor, so eifrig er auch seine eigenen Zwecke im Auge haben mochte, begriff doch, dass es sich hier um Etwas handle, was für die Farmer von besonderer Wichtigkeit sein musste. Er unterstützte also den Kopf des Verwundeten, was diesem jedoch einen lauten Schmerzensschrei auspresste, und hielt ihm dann einen neben dem Bett stehenden Blechbecher an die lechzenden Lippen.

Sander schlugdie Zähne vor machtlosem Ingrimm zusammenknirschenddas kleine Fläschchen rasch wieder in seine Papierhülle ein, die Blase war aber schon durch der darangesetzten Stahl verletzt worden, und ein Bittermandelgeruch erfüllte das Haus.

"Blausäure!" rief der Doctor und wandte sich, während er jedoch den Kranken noch nicht aus dem Arm lassen konnte, halb gegen Sander um, "Blausäure, so wahr ich gesund bin! – Alle Wetter, Sir, Sie werden mir mit dem Glase so lange gespielt haben, bis es zerbrochen ist, es riecht hier ganz danachMr. Cook, es ist gut, dass Sie kommen: hierder Bursche da scheint noch