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, ob er auch barfuss, mit den hornigen Sohlen durch gelbes Laub und dürre Aeste dahinschritt.

Von dem Tage an weigerte sich Vater Lively nie, wenn seine Frau ernstaft in ihn drang, die Schuhe anzuziehen. sonderbar war es aber, dass er dann auch stets genau wieder an derselben Stelle aus dem wald kam, wo er diesen zuerst betreten hatte. Seine Frau wusste nicht warumer aber desto besser. Er musste ja die aufgehangenen Schuhe erst wieder anziehen, ehe er sich vor dem haus durfte blicken lassen.

17.

Doctor Monrove und Sander.

Die beiden Ladies hatten sich jetzt zum Aufbruch gerüstet, ihre Pferde waren vorgeführt, und nur Sander fehlte noch, sie zur Stadt zurück zu geleiten. Obgleich dieser aber recht gut fühlte, wie man auf ihn allein warte, ja es sogar für ganz in der Ordnung fand, dass er die Damen, die er herausgeführt, auch wieder zurückgeleite, so konnte und wollte er doch, aus den schon früher angegebenen Gründen, den Platz jetzt unter keiner Bedingung verlassen. Eine Ausrede musste aber gefunden werden, und da ihn die in den Dornen zerrissenen Kleider nicht länger entschuldigen konnten, indem ihn Cook sehr bereitwillig mit einem von seinen eigenen Anzügen versah, so bat er Mrs. Danton um wenige Worte unter vier Augen. Hier erklärte er ihr, der Doctor Monrove sei ein verzweifelter Mensch, dem nur daran zu liegen scheine, die Leiche unter sein Scalpel zu bekommen. Er selbst aber habe Medicin studirt und fühle sich überzeugt, dass der unglückliche Verwundete durch sorgsame Behandlung noch gerettet werden könne; verliesse er ihn aber in diesem Augenblick, so sei er rettungslos verloren.

natürlich beschwor ihn Mrs. Danton, wie er das zu weichen, und dankte ihm zugleich für die Teilnahme, die er für einen, wenn auch verbrecherischen, doch immer unglücklichen Menschen zeige. Sie selbst hätten den Weg schon mehrere Male allein zurückgelegt und hofften nur, ihn bald, und zwar mit recht guten Nachrichten, wieder bei sich zu sehen. Sander versprach das auch und bat nun Miss Adele, der Mrs. Dayton mit wenigen Worten den Stand der Dinge erklärte, ihm nicht wegen seines jetzigen Mangels an Aufmerksamkeit zu zürnen. Er hoffe aber, vielleicht schon heute Abend, den Verwundeten so weit versorgt zu sehen, dass dieser wenigstens seiner hülfe entbehren könne, und er würde dann augenblicklich nach Helena zurückkommen, um die junge Dame der Freundin zuzuführen.

Adele konnte natürlich hiergegen nichts einwenden. Alle kannten ja auch den Doctor Monrove und fürchteten den entsetzlichen Menschen, von dem das Gerücht vielleicht noch schrecklichere Sachen erzählte, als verbürgt waren. Missmutig aber bestieg sie heute ihr kleines Pony und sprengtenach allerdings herzlichem Abschied von den beiden gutmütigen Frauen, und besonders gegen die alte Dame mit dem Versprechen recht baldiger Rückkehrschweigend voran in den heimlichen Schatten des Waldes.

Sie war verdriesslichärgerlich über sich selbst und übersie wusste oder wollte nicht wissen über wen noch sonst, und das kleine Tier, das sie trug, fühlte plötzlich so scharfen und ungewohnten Peitschenschlag, dass es erschreckt emporfuhr, und dann in raschem Galopp den schmalen Pfad entlang flog. Mrs. Dayton konnte kaum Schritt mit dem Wildfang halten.

Indessen sass Doctor Monrove neben dem Mulatten und beobachtete aufmerksam und, wie es schien, mit wohlwollender Zufriedenheit die schmerzdurchzukkten Züge des Unglücklichen, während Sander am Kamin lehnte und ungeduldig seine Nägel kaute.

Endlich schien der Mann des Blutes einen Entschluss gefasst zu haben. – Er stand auf, ging an den Tisch und fing an, die kleinste der Sägen hier und da nachzufeilen. Cook, der eben in der Tür erschien, wandte sich schaudernd wieder ab und ging in den Wald, nur um das Gespräch nicht zu hören, das ihm durch Mark und Nieren drang.

Sander vernahm kaum, was um ihn her vorging, so sehr war er mit seinen eigenen Plänen beschäftigt. Desto entsetzlicheren Eindruck machte es aber auf den armen Teufel von Mulatten, der in diesem Augenblick zum ersten Mal sein volles Bewusstsein wieder erlangt zu haben schien. Wenige Secunden starrte er, von keinem der Männer beachtet, nach dem Doctor hinüber, dann aber, als ob ihm eine Ahnung dessen, was ihn erwarte, dämmere, sank er stöhnend auf sein Lager zurück. Sander schaute sich rasch nach ihm um, der Unglückliche hatte aber die Augen schon wieder geschlossen, und lag starr und regungslos da.

"Hört einmal. Mr. Hawes," brach der Doktor endlich das Schweigen, indem er sich, über seine Brille hinüberlächelnd, an Sander wandte, als ob ihm da eben bei seiner Beschäftigung etwas ungemein Komisches eingefallen sei – "es ist doch eigentümlich, wie man manchmal in der Praxisso alt und erfahren man auch sein magirgend einen lächerlichen Schnitzer macht. – Bei dem Sägeschärfen muss ich gerade wieder daran denken. Oben inaber Ihr hört mir doch zu?"

"Doctor, was ist denn hier in dem Fläschchen?" unterbrach ihn da Sander.

Der Doctor sah einige Secunden scharf mit der Brille dortin und rief dann:

"Nehmen Sie sich in Achtziehen Sie den Pfropfen ja nicht herausdas ist Arsenikund das gelbe Gläschen entält Scheidewasser."

"Und das hier mit dem blauen Papier und der darunter gebundenen Blase Verwahrte?"

"Ist acidum zooticum oder Blausäuredas Gefährlichste von Allem, lassen Sie's lieber stehenich habe nur das eine