1847_Gerstcker_147_89.txt

Schwurum den hätte er sich vielleicht wenig gekümmertnein, seine eigene Sicherheit, dass er unschädlich gemacht würde, und seine einzige Hoffnung blieb jetzt, alle Zeugen zu entfernen und dem Mulatten dann schnell und unbemerkt den Todesstoss zu geben. Mit Blut bedeckt wie er war, hätte Niemand daran gedacht, ihn näher zu untersuchen, und rasch beerdigt dann, oder auch dem Doctor überliefert, brauchte er von der Leiche weiter keinen Verrat zu fürchten.

Dieser Plan scheiterte aber an der fürchterlichen leidenschaft, die der Doctor für Schwerverwundete hegte. Nicht durch alle Versprechungen der Welt wäre er auch nur einen Augenblick zu vermögen gewesen, das Zimmer zu verlassen, und er fing sogar jetzt schon an, obgleich der Unglückliche bei jeder Berührung die heftigsten Schmerzen zu empfinden schien, den Körper zu untersuchen, welche Teile besonders verletzt wären. Dies suchte Sander dadurch zu verschieben, dass er den kleinen Mann darauf aufmerksam machte, wie unumgänglich notwendig es sei, Schienen für die gebrochenen Gliedmassen herzustellen. Davon wollte jedoch der Doctor nichts wissen, indem er auf schleuniger Amputation bestand, und er kramte zu diesem Zweck seine rasch herbeigeschleppte Satteltasche aus. Oben entielt diese eine Menge von kleinen Fläschchen und Büchsen, worunter nachher das schwere GeschützMesser, Sägen, Scalpels und andere, grässlich geformte und markdurchschneidend blank und sauber gehaltene Instrumente folgten.

Die Fläschchen und Büchsen stellte der kleine geschäftige Doctor, damit ihm nicht irgend ein Unglück damit passire, auf den Kaminsims, und die Sägen und übrigen Instrumente breitete er auf dem einzigen kleinen Tische, der im Zimmer stand, aus, so dass sich Cook, als er einmal hereintrat, einen heimlichen aber heiligen Eid schwur, von d e m Tische nie wieder einen Bissen zu essen.

In Lively's haus drüben hielten die Männer indessen Rat, was jetzt am besten anzufangen sei, um den entflohenen Weissen einzuholen, denn Cook meinte, nach des Doctors Aeusserungen dürften sie schwerlich darauf rechnen, den Mulatten so weit wieder hergestellt zu sehen, irgend eine Frage vernünftig beantwortet zu bekommen. Als sie jedoch noch mit einander darüber verhandelten, kehrte James zurück und erklärte, Cotton habe sich wieder dem Flusse zugewendet, und es sei kein Zweifel, dass er entweder südlich hinab oder den Strom bloss kreuzen wolle. Beides mussten sie zu verhindern suchen, denn nicht allein hatte er schon in Arkansas gemordet, weshalb sogar ein Preis auf seinem kopf stand, sondern in seiner jetzigen Lage blieb ihm auch fast nichts weiter als Raub und Mord übrig. Den Nachbarstaat also teils vor solcher Geissel zu sichern, teils auch nicht der Gefahr ausgesetzt zu sein, dass der Verbrecher in ihre eigene Gegend zurückkehre, beschlossen sie, dem Mississippi zu die Nachbarn zu warnen und aufzubieten. James sollte zu diesem Zweckda Cook zu kurze Zeit in der Gegend war, um sie genau zu kennen, nach Helena zu, oder vielmehr etwas über Helena, alle Waldleute requiriren, während der alte Lively dem Strom in gerader und nächster Richtung zu ging, um von hier aus ebenfalls die nötigen Massregeln zu treffen. Abends wollten sie jedoch zurückkehren, um zu hören, ob vielleicht von anderen Seiten Nachrichten eingegangen seien. Dass der Mörder den Mississippi hinauf suchen sollte zu entkommen, schien ihnen und mit Recht unwahrscheinlich, für unmöglich hielten sie es aber, dass er nach Helena selbst fliehen würde, da sie ja die Verbindungen nicht ahnen konnten, in welchen Helena verbrecherischer Weise mit den Nachbarstaaten stand.

Cook sollte also indessen suchen, mit des Doctors hülfe den Neger wieder in's Leben zurückzurufen und ihm, da er ja schon gegenwärtig genug für seine Sünden litt, gänzliche Straflosigkeit sichern, wenn er gestehen wollte, wo besonders einzelne, bei Little Rock geraubte wertvolle Gegenstände verborgen seien und wer seine bis dahin noch unentdeckten Helfershelfer wären.

Die Damen rüsteten sich jetzt ebenfalls zum Aufbruch, da ja auch der Raum in Lively's haus auf so traurige Art beschränkt worden war. James aber musste natürlich vermuten, Mr. Hawes, wie sich Sander hier nannte, würde sie auch zurückgeleiten, indem er ja überdies Miss Adele abzuholen gekommen war. Ehe er also sein eigenes, indessen rasch gefüttertes Pferd wieder bestieg, ging er noch einmal hinüber zu den Damen und bat diese, ihn zu entschuldigen, dass er sie nicht noch ein Stückchen begleiten könne, aber der Gegenstand, um den es sich handle, verlange zu dringende Eile, um auch nur eine Viertelstunde aufschieben zu können. In nächster Woche sei jedoch hoffentlich Alles beigelegt und dann käme er wieder hinunter nach Helena und wolle die Ladies, wenn's ihnen recht seiund James wusste gar nicht, wie gut ihm seine jetzige Verlegenheit stand, es wäre sonst noch viel verlegener gewordeneinmal auf recht ordentlich lange Zeit hierheraus holen.

Treuherzig ging er dann auf Beide zu, reichte und drückte ihnen herzlich die hände, sprang in den Sattel und trabte rasch von dannen, während der alte Lively ebenfalls seine Büchse schulterte, die für ihn hingelegten Lebensmittel in die Kugeltasche schob und mit einem kurzen "Godd bye" seinen eigenen Weg einschlagen wollte.

"Aber, Mr. Lively," bat da Mrs. Dayton und trat ihm in den Weg, "wieder barfuss? Sie sind erst kürzlich krank gewesendas kann ja auch gar nicht gesund sein. Wenn Sie sich nun recht ordentlich erkälten und einmal Monate lang das Lager hüten müssen?"

Der alte Mann lächelteder Gedanke war ihm fremd