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aber meiner Seele keinen Rat weiter, als Ihr müsst ihn in Cook's Haus schaffen, und Ihr Anderen zieht, bis er transportirt werden kann, zu uns herüber. – Ach, beste Mrs. Dayton, dass Sie auch gerade zu so unglücklicher Zeit zu uns kommen mussten, und wir hatten uns Alle so auf Sie gefreut."

Mrs. Dayton wollte sie nun zwar hierüber beruhigen, es blieb ihnen aber keine Zeit weiter, denn die kleine Cavalcade hielt in diesem Augenblick vor dem Tore, und Cook und Sander an der einen, wie Doctor Monrove und der alte Lively auf der andern Seite trugen den Verwundeten langsam und so vorsichtig als möglich in dieselbe Tür hinein, aus der er in voriger Nacht so schlau und flüchtig entwichen.

Der Mulatte stöhnte, als er die Augen ausschlug und den Platz wieder erkannte.

Doctor Monrove, der indessen auf des Alten Anfrage nur unzusammenhängende und diesem vollkommen unverständliche Worte erwidert hatte, denn er nannte ihm in aller Geschwindigkeit eine Masse von Brüchen, Quetschungen, wie Hieb-, Stich- und Schusswunden, bei denen es ihm ungemeine Freude machen würde, ihre Heilung an irgend einem menschlichen Wesen zu beobachtenschien die Zeit kaum erwarten zu können, wo er im stand war, die Verwundungen des Unglücklichen zu untersuchen. Er versicherte auch ein über das andere Mal, es sei der glücklichste Zufall von der Welt, der ihn hier zu so guter Stunde hergeführt habe. Auf Sander's Frage endlich, ob er Wohl glaube, dass der Mann sein Bewusstsein wieder gewinnen könne, antwortete er, sich freudig dabei die hände reibend:

"Ei gewiss, gewisssoll mir noch zwei, drei Tage leben; hoffe ihn zu trepaniren und am rechten arme wie rechten Beine zu amputiren."

"Zu w a s ?" fragte der alte Lively erstaunt.

"Lassen Sie mich nur machen, bester Herr," erwiderte der kleine Mann, ohne die Frage weiter zu beachten, in grösster Geschäftigkeit – "lassen Sie mich nur machen. – Hier am Feuer, Gentlemen, wird wohl der beste Platz sein, sein Lager zu bereitenein Paar wollene Decken genügenverlange nichts weiter für meine Mühe, Gentlemen, als die Leiche. – Werden mir wohl ein Pferd borgen, sie nach Helena zu schaffenein alter Sack genügtschneiden sie von einander."

Der alte Lively drückte sich leise aus dem Zimmer; ihm fing es an in der Gesellschaft des kleinen Mannes unheimlich zu werden, und selbst Cook wäre ihm gern gefolgt, wenn nicht noch einige zu treffende Anordnungen seine Gegenwart erheischt hätten. Sander, der eine Zeit lang sinnend, und ohne mit Jemandem ein Wort zu wechseln, an dem Schmerzenslager des Mulatten stand, beobachtete aufmerksam den Zustand desselben, und erklärte endlich, als dieser matt die Augen wieder aufschlug, bei ihm bleiben zu wollen. In jedem andern Falle hätte nun Cook das vielleicht nicht einmal zugegeben, hier aber schien es ihm sogar lieb zu sein, und er verliess selbst auf kurze Zeit das Haus, versprach jedoch bald zurückkehren zu wollen, um von dem Mulatten, wenn dieser aus seiner Betäubung erwache, noch über Manches Aufklärung zu erhalten.

Das zu verhindern, war jetzt Sander's einziger Zweck, und mit verschlungenen Armen und fest auf einander gebissenen Zähnen ging er, als er sich mit dem Doctor und dem Kranken allein sah, im Zimmer auf und ab, seine Pläne zu ordnen und die nötigen Massregeln zu ergreifen.

Er befand sich aber auch hier in einer kritischen Lage. Seine Absicht, weshalb er hierher gekommen, war durch eine Bemerkung der alten Mrs. Lively, wenn nicht ganz bei Seite geworfen, doch sehr erschüttert worden. Er hatte nämlich durch ihr Gespräch mit Mrs. Dayton erfahren, dass die alten Benwicks in Georgien gestorben wären, und er wusste durch seine frühere Bekanntschaft mit Adele Dunmore recht gut, wie sie von Jenen erzogen und einem eigenen kind gleich behandelt worden sei. Kelly's Absicht mit ihr glaubte er nun zu durchschauenwahrscheinlich wartete ihrer eine bedeutende Erbschaft, Blackfoot hatte ihm ja gesagt, dass Kelly mit Simrow in Georgien auf das Lebhafteste correspondire. In diesem Falle stand sonach der auf seinen Dienst gesetzte Preis in gar keinem verhältnis mit dem Gewinn. Unter jeder Bedingung musste er also, ehe er des Capitains Plan selber förderte, noch einmal mit diesem sprechen und ihm wenigstens zu verstehen geben, dass er mit der Sache näher bekannt sei, als Jener jetzt zu ahnen scheine. fand er diesen dann, was er jedoch kaum fürchtete, unnachgiebig, ei nun, so gab es vielleicht irgend einen Ausweg, die schöne Beute für sich selber zu entführen. Wie das möglich zu machen wäre, wusste er für den Augenblick allerdings noch nicht, dem eitlen Wüstling schien aber nichts u n möglich, wo seine eigene person mit in's Spiel kam. Auf jeden Fall musste er Kelly's Plan aufschieben, um auch selbst noch seinerseits die nötigen Erkundigungen einzuziehen, und hierbei gab ihm des Mulatten Gefangennehmung eine herrliche Ausrede, weshalb er den erhaltenen Befehl nicht ohne Zögern ausgeführt.

Des Mulatten Zustand wurde aber auch ohnedies ein neuer Grund solcher Handlungsweise. Er durfte diesen nicht verlassen, ohne sich vorher überzeugt zu haben, ob er noch überhaupt im stand sein werde, Geheimnisse zu entüllen, und wie weit seine Kenntniss derselben reiche. Konnte er der Insel gefährlich werden, so verlangte es nicht allein sein