, allmächtiger Gott – hier ist Blut an Eurem Fuss, und hier auch – an Knie und Schenkel – auch Eure Hand ist blutig – wo um des Heilands willen ist mein Mann?"
"Wo ist James – wo der Fremde? Was ist mit den Dieben geschehen?" riefen erschreckt auch Mrs. Dayton und Adele.
Der alte Lively, so von allen Seiten in einem Anlauf bestürmt, der ihn gar nicht zu Worte kommen liess, vergass natürlich auch jede Silbe von dem, was er zur Beruhigung der Frauen hatte sagen wollen und vermehrte durch sein bestürztes Schweigen und Umherstarren nur noch die Angst und das Entsetzen der Frauen. Endlich aber, als ihm diese nur einen Augenblick Zeit gaben, seine Gedanken zu sammeln, fühlte er selbst, dass jetzt eine Antwort unumgänglich nötig sei, hielt sich aber, da ihm jeder weitere Faden abgerissen war, fest an die letzte Frage und stotterte nur, indem er dabei ein höchst beruhigendes Gesicht zu machen versuchte und in einem fort mit dem kopf schüttelte!
"Er ist noch nicht tot – sie bringen ihn!"
"Wen? Um aller fünf Wunden unseres Heilands willen!" – schrieen die beiden Frauen wie aus einem mund, während Adele leichenblass wurde und krampfhaft der Schwester Arm erfasste. "Wen, Mann? – Wen bringen sie? – Wo ist James! Wo ist Cook?"
"Hinter dem Andern her!" rief der alte Lively jetzt, durch die vielen fragen total verwirrt – "er kommt mit dem Einen, den wir durch's Bein geschossen haben."
"J a m e s ?" rief die alte Dame.
"C o o k ?" stöhnte dessen Frau.
"Unsinn!" brummte aber jetzt der Alte, dem es anfing siedendheiss zu werden – "der Mulatte. – Herr Jesus, Weiber, macht Einen nicht toll – James und Cook sind Beide so gesund wie ich – Cook hat sich die Nase ein bischen wund geschlagen – den Mulatten haben sie geschossen, der Andere ist entflohen und James ist auf der Fährte geblieben. – Vater Unser, der Du bist im Himmel – Ihr fragt ja, dass es Einem wie mit Kübeln den rücken hinunterläuft."
"Beruhigen Sie sich," sagte Mrs. Dayton jetzt, indem sie die alte Frau unterstützte, "es ist keiner unserer Freunde verwundet – sie haben nur einen der Diebe gefangen, den sie nach haus bringen."
"Aber was in aller Welt erschreckst Du uns da nur so!" rief mit vorwurfsvollem Tone die alte Frau.
"Ach. Vater," beteuerte auch Mrs. Cook, "die Angst bekomm' ich in vier Wochen nicht wieder aus den Gliedern!"
"Na, das ist eine schöne geschichte," brummte der Alte in komischer Verzweiflung – "ich werde hier ganz besonders vorausgeschickt, um gleich als persönliches Beispiel zu dienen, dass sich Alle wohl befinden, und springe nun gerade mit beiden Füssen in's Porzellan hinein. Aber besser noch so wie so. Sie sind Alle wohl – Cook und Hawes werden gleich hier sein – Bohs ist aber mit Cook's James – Heiland der Welt, man verliert hier noch das bischen Verstand – James ist mit Cook's Bohs – nein, doch nicht – der Hund wollte nicht mit – dem weissen Diebe nach, und wird wohl nicht eher wieder kommen, bis er ihn selber bringt, oder doch genaue Kunde sagen kann, wohin er sich gewendet."
Der alte Mann musste jetzt umständlichen Bericht über das Geschehene abstatten, denn als er in der Nacht die Gewehre holte, hatte er ihnen nur flüchtig sagen können, dass Jemand gestohlen habe und sie dem nachsetzen wollten. Diesem Berichte schloss sich aber eine von dem alten Lively bis dahin noch gar nicht bemerkte person an, die erst diesen Morgen eingetroffen war und noch beim nachträglich bereiteten Frühstück sass, als die beiden Frauen dem Botschafter entgegeneilten. Dieses Individuum war aber niemand Geringeres als Doctor Monrove oder der L e i c h e n d o c t o r , wie ihn die Hinterwäldler nannten, der jetzt noch zwischen Hunger und Neugier schwankend, mit einem halb abgenagten Trutahnknochen in der einen und einem Stück braungebranntem Maisbrod in der andern fettigen Hand, zu den Frauen trat und mit immer wachsendem Interesse hörte, dass ein Mann verwundet, gefährlich verwundet sei, und sogar hierher geschafft werden würde.
"Bester Mr. Lively –" wandte er sich jetzt an diesen.
"Ach, Leich – Doctor Monrove," sagte der alte Mann, während er sich erstaunt und vielleicht auch erschreckt nach dem sonst gern gemiedenen Mann umblickte. Erzählten sich doch die Landleute überhaupt schon von ihm, er witterte eine Leiche so weit wie ein Turkei-Bussard – "Ihr kommt apropos – und könnt hier gleich Eure Kunst zeigen, ob einem armen Teufel noch zu helfen ist, dem das Tageslicht an mehr als einer Stelle durch die Haut scheint. – Aber da kommen sie wahrhaftig schon – so mögt Ihr gleich mit anfassen. Alte, wo wollen wir ihn denn hinlegen?"
"Ach Du lieber Gott!" sagte die alte Dame – "hier in's Haus soll er?"
"Nun wir dürfen –"
"Nein, nein, Du hast Recht, es ist auch ein Mensch so gut wie wir, wenn auch ein sündhafter, den Gott gestraft hat. Ja, da weiss ich