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an einen Weissen gelegt.

Peter, der sein Bestes versucht hatte, die Tobenden zu besänftigen, und nun wohl einsah, seine Macht reiche nicht aus, wandte sich noch einmal an Georgine und bat sie, den Sturm zu beschwören, er stehe sonst für nichts. Von vorbeifahrenden Flatbooten hätten sie allerdings wenig zu fürchtenes könnten aber auch Jäger an dem gegenüberliegenden Ufer sein, und der Wind wehe gerade nach Arkansas hinüber. Er versicherte ihr dabei, wie ihm Kelly selbst ganz besonders aufgetragen habe, jetzt, da sie am Ziel ihrer Wünsche ständen, Ruhe zu halten und jede unnötige Gefahr zu vermeiden. Niemand Anders aber als sie selber sei in diesem Augenblick im stand, dem rohen Haufen zu imponiren.

"Und Marie hier?" fragte Georgine.

Das arme Mädchen kauerte bleich und tränenlos in der einen Eckesie hatte am vorigen Nachmittag mehrere Male versucht, das Haus zu verlassen, Georgine sie aber stets daran verhindert, während diese selbst oder der Mestizenknabe oder auch Bolivar sie fortwährend im Auge behielten. Heute Morgen war sie noch nicht von ihrem platz aufgestanden und schien ihre Umgebung nicht zu beachten, ja kaum von ihr zu wissen.

"Bleibt indessen ruhig hier sitzen," rief der Narbige, während er einen mürrischen Seitenblick auf die Unglückliche warf. – "Es fehlte auch noch, dass uns die im Wege wäre."

Wildes Gebrüll schallte in diesem Moment von den trunkenen Bootsleuten herüber; Georgine raffte schnell den neben ihr liegenden Shawl um sich und trat gleich darauf ernst und drohend zwischen die Schaar.

Kein Wunder war es aber, dass selbst die Rohesten scheu und ehrerbietig vor ihr zurückwichen und der Lärm, wie durch ein Zauberwort gebannt, verstummte. Die hohe, edle Gestalt des schönen Weibes blieb stolz und gebieterisch dicht vor ihnen stehendas schwarze seidenweiche Haar floss ihr in vollen Locken um den nur halb verhüllten Nacken, und die dunkeln, von langen Wimpern beschatteten Augen schweiften finster über die vor wenigen Secunden noch so unruhigen Männer hin, und schienen Den herausfordern zu wollen, der es wage, ihrer Macht zu trotzen.

Nur der Neger wütete noch immer gegen seine Bande an, so dass es die ganze Kraft der ihn Haltenden erforderte, seinen rasenden Anstrengungen zu widerstehen.

"Was hat der Mann getan?" fragte Georgine endlich mit leiser, aber nichtsdestoweniger auch in ihrem kleinsten laut verständlicher stimme, "was soll der Aufruhr?"

Alle wollten jetzt antworten und ein verworrenes Getöse von Stimmen machte jedes einzelne Wort unhörbarendlich trat Peter vor und erzählte mit kurzen Worten den Lauf der Sache, während der Haufe, als er den Angriff des Negers erwähnte, mit wilder stimme dazwischen schrie:

"Nieder mit der blutigen Bestie, die einen Mann wie ein Panter erwürgen will."

"Seid Ihr M ä n n e r ?" zürnte jetzt Georgine, und ihre Augen hafteten drohend auf den Rädelsführern der Schaar – "wollt Ihr in unserem Herzen Aufruhr und Kampf entzünden, während uns aussen von allen Seiten der Feind umgiebt? Habt Ihr den Neger nicht zuerst gereizt? Wundert es Euch, dass die Schlange sticht, wenn sie getreten wird? Fort mit Euch an Eure Posten. – Euer kapitän kann jeden Augenblick zurückkehren und Ihr wisst, was Euch geschähe, wenn er in diesem Augenblick statt meiner hier stünde. – Fortschlaft Euren Rausch aus und verhaltet Euch ruhigder Erste, der noch einmal den Gesetzen entgegenhandelt, verfällt ihrer Strafeso wahr sich jener Himmel über uns wölbt. Hat sich der Afrikaner vergangen, so soll er der Züchtigung nicht entgehenich wäre die Letzte, die ihn schützte. – Sobald Kelly zurückkehrt, wird er Euren Streit untersuchenbis dahin aber Friede."

Die Bootsleute traten mürrisch, doch dem Befehle gehorsam, von dem gefesselten Afrikaner zurück, und Peter wandte sich eben gegen ihn, um ihn bis zu des Capitains Rückkehr zu verwahren, als sein blick auf die Tür von Kelly's wohnung fiel. Dort aber erkannte er die blasse, zarte Gestalt der Wahnsinnigen, wie sie, sich die wirren Haare aus der marmorbleichen Stirn zurückstreichend, einen Moment nur forschend nach der vor der Bachelors Hall versammelten Schaar hinüberstarrte, dann mit hellem, fast kindischem lachen rechts hinaus über den freien Platz sprang und plötzlich zwischen den einzelnen Hütten verschwand.

Das Ganze war so schnell und plötzlich geschehen, dass der Narbige im ersten Augenblicke kaum zu wissen schien, ob er wirklich recht sehe. Georgine aber, die seinen blick dortin gerichtet fand und ihm rasch mit den Augen folgte, erkannte kaum noch den eben hinter dem kleinen Haus verschwindenden Schein des flatternden Gewandes, als sie auch den Zusammenhang ahnte.

"Folgt ihr!" rief sie schnell und deutete nach jener Richtung – "folgt ihr, BolivarPeterWesslei, bei Eurem Lebenbringt sie zurück."

Peter gehorchte rasch dem gegebenen Befehl, und Einige von den Nüchternsten taumelten hinterher, während die Anderen, vielleicht der gelegenheit froh, sich unbeachtet fortstehlen zu können, schnell in ihre verschiedenen Wohnungen verschwanden. Bolivar blieb allein und noch gebunden am Boden zurück. Georgine löste jetzt zwar schnell seine Bande, denn ihr galt es in diesem Augenblicke nur darum, die Entflohene zurückzubringen. Der Afrikaner aber, durch den Brandy, jenen fürchterlichen Stoss und den letzten mit verzweifelter Kraftanstrengung geführten Kampf betäubt und entnervt, taumelte ein paar Schritte nach vorn und stürzte dann schwerfällig zu Boden nieder.

Georgine biss sich die