Mulatte gab aber kein Lebenszeichen von sich; nur das schwache Schlagen seines Herzens verriet noch, dass er atme, und sie konnten ihn nicht anders transportiren, als vermittelst zweier Satteldecken, die sie zwischen die Pferde Cook's und des alten Lively ausspannten und so eine Art Trage bildeten, mit der sie freilich nur entsetzlich langsam über den rauhen Boden vorzurücken vermochten.
James jedoch erklärte, den entflohenen Weissen diesmal nicht so leichten Kaufs davon zu lassen, sondern auf s e i n e r Fährte bleiben zu wollen, so lange ihm das irgend möglich sei. Er bat also nur noch seinen Vater, ihn bei den Damen zu entschuldigen, da eine Sache von Wichtigkeit ihn abhalte, die nicht aufgeschoben werden könne, schulterte dann seine Büchse, warf sich auf sein Pferd und folgte, so rasch es ihm sein Scharfblick, ja und selbst der I n s t i n c t des Jägers gestattete, den Spuren des Weissen. Dieser musste übrigens verwundet sein, da er an mehreren Orten Blutstecken fand. An einem Stein aber, wo er sich, wahrscheinlich keine Verfolger mehr fürchtend, verbunden hatte, hörten diese auf, und dem jungen Mann blieb es jetzt überlassen, da eine Fährte zu erkennen, wo das Auge des Laien nur noch eine Wildniss gesehen haben würde, die nie ein menschlicher Fuss berührte.
14.
Bolivar – Marie's Flucht.
In derselben Zeit etwa, wo Tom Barnell von Helena abstiess, um in Montgomerys Point Vorerkundigungen einzuziehen und das Flatboot am nächsten Morgen wieder zu treffen, schoss auch aus den tief überhängenden Weiden der Insel ein kleiner schmaler Kahn in die Strömung des Mississippi hinaus und hielt dem arkansischen Ufer zu. Zwei Personen sassen darin, der Neger Bolivar und der Mestizenknabe Olyo – und der Erstere handhabte die beiden Ruder, in die er sich aus allen Kräften hineinlegte, während der Andere in nachlässig vornehmer Stellung hinten im Stern des kleinen Bootes lag und das leichte Steuer regierte.
Er trug eine einfache graue Livré, und zwar nur in Jacke und Beinkleid bestehend, deren Nähte mit karmoisinen Schnüren besetzt waren, eine eben solche Mütze lag neben ihm, seinen Kopf aber schützte ein grosser breitrandiger Strohhut gegen die sengenden Sonnenstrahlen. Bolivar dagegen schien diese wenig zu achten, ja im Gegenteil sich eher behaglich darin zu fühlen, denn er hatte Hut, Jacke und Hemd abgeworfen und nur die weiten grauleinenen Beinkleider anbehalten, so dass die Sonnenglut unmittelbar auf tern herabbrannte. Im Kahne lagen mehrere starke Bleitafeln, über die zusammengelegtes Leinen – vielleicht ein Sack – hingeworfen war.
Ein gar freundliches verhältnis musste aber zwischen den Beiden, dem mann und dem Knaben, nicht obwalten, denn der Neger blickte, ohne ein Wort mit seinem gefährten zu wechseln, mürrisch vor sich nieder, während Olyo, wie zum Hohn, eins der sogenannten Niggerlieder pfiff und dabei spöttisch lächelnd über die dunkeln Glieder des Aetiopiers hin nach dem breiten Waldstreifen sah, dem sie sich mehr und mehr näherten. –
Der Knabe Olyo war nämlich ein Mestize – von weisser und indianischer Abkunft – was ihn, den nordamerikanischen Ansichten nach, weit über den Neger stellte. Ohnedies wurde er aber auch noch von seiner schönen Gebieterin vor allen Anderen wie ein verzogenes Kind begünstigt, so dass er sich selbst gegen die weissen Männer der Insel, wenn nicht herrisch, doch jedenfalls trotzig und unfreundlich benahm. Keiner liebte ihn deshalb, und nur die Scheu vor dem kapitän hielt die wilden Burschen zurück, dass sie nicht den Favoriten seines Weibes einmal recht derb und nachdrücklich züchtigten. Bolivar aber, der, als der einzige Neger und daher u n t e r dem Knaben stehend, dessen Tyrannei schon mehrere Male hatte ertragen müssen, ohne weder von Kelly selber Genugtuung, noch bei Georgine auch nur Gehör zu finden, nährte einen finstern Hass gegen den jungen leichtsinnigen Burschen, und wohl nichts Gutes mochte es diesem prophezeien, dass der blick des Aetiopiers manchmal, und wenn auch nur für Secunden, mit einem wilden, triumphirenden Lächeln auf dem schönen Antlitz des schwarzlockigen Knaben ruhte.
Endlich brach Bolivar das Schweigen und brummte, während er eine kurze Zeit mit Rudern einhielt:
"Steuert, zum Donnerwetter, gerade, oder lasst's ganz sein – der Henker soll eine solche Arbeit holen, wo man einmal im rechten und einmal wieder im linken Ruder liegen muss, weil's dem jungen Herrn da eben bequem ist, bald hierherüber, bald dahinüber zu halten – 's ist kein Kinderspiel, in solcher Hitze zu rudern."
"Deinen Teint wird sie Dir wenigstens nicht verderben," spottete der Mestize – "aber, Ruhe da vor dem Mast. – Es kann oder muss Dir vielmehr gleich sein, ob Du ein paar Ruderschläge mehr tust oder nicht. Unship your stor board wheel – hörst Du, Bolivar – Du sollst mit dem rechten Ruder einmal aufhören – Holzkopf, versteht den gewöhnlichsten Dampfboot-Ausdruck nicht."
"Wir dürfen nicht so hoch oben landen," erwiderte finster der Neger – "seht Ihr dort weiter unten den hellgrünen Fleck? – es ist gerade da, wo der Rohrbruch bis vorn an das Ufer läuft; dort geht eine kleine Bayou hinein, und da wollen wir das Boot lassen; also steuert jetzt ordentlich, oder lasst das Ruder ganz liegen."
"Huh huh huh – alter Brummbär," spöttelte ihm der Knabe nach – "wenn ich nun nicht will? – He? Aber meinetwegen, desto eher werde ich