sie selbst etwas Entscheidendes unternähmen. Dass ihnen der Mulatte nicht mehr entgehen konnte, wussten sie recht gut, und James stiess jetzt seinen laut gellenden Jagdschrei aus, der auch nicht lange ohne Erfolg blieb. Die Büsche brachen in jener Richtung, nach welcher der Weisse geflohen war, und Sander sprengte auf schäumendem Rosse durch das Dickicht.
Dan hörte ebenfalls das Geräusch und bog sich etwas nach vorn, zu sehen, welch neuer Feind ihm dort erscheine. Da berührte des alten Lively Finger den Stecher, und der Schuss dröhnte durch den stillen Wald. Nun hatte Lively aber keineswegs auf den Mulatten selbst gezielt gehabt, sondern nur ein am Stamm locker hängendes Stück Rinde auf's Korn genommen, um den Flüchtling vielleicht zu erschrecken und zur Uebergabe zu zwingen, dieser aber, der wahrscheinlich glaubte, dass er durch seine vorige Bewegung irgend eine Blösse gegeben hätte, oder auch vielleicht von der abspringenden Rinde leicht berührt wurde, sprang rasch und unwillkürlich nach vorn, und vergass dabei ganz, welch gefährlicher Feind ihn hier bedrohe. Mit Blitzesschnelle richtete sich James' Rohr, und in demselben Moment zuckte auch der Strahl aus seiner sichern Büchse, während der unglückliche Mulatte, durch den Schenkel getroffen, wehklagend zu Boden stürzte.
Diese Wunde wäre nun allerdings nicht tödtlich gewesen, sondern entsprach nur dem Zweck, "den Nigger zu fangen", wie es die Absicht der Hinterwäldler gewesen war. Jetzt aber sprengte mit wildem Schreien, die blonden Locken wild um die Schläfe flatternd, den seinen Tuchrock durch Dorn und Rebe zerrissen, die Flinte aber hochgeschwungen in der Hand, Sander auf den Schauplatz, warf sich neben dem verwundeten Mann vom Pferde und schmetterte ihm auch schon im nächsten Moment den schweren Kolben auf den Schädel nieder, dass er nur noch kaum den Arm zum Schutz emporwerfen konnte und dann, von dem gewaltigen Schlag besinnungslos, zusammenbrach. Sander aber, damit keineswegs zufrieden, holte schon auf's Neue aus: jetzt aber hatte auch James den Platz erreicht, und warf sich ihm entgegen –
"Halt, Sir, halt, sag' ich – ist das bei Euch Sitte, einen Menschen zu misshandeln, wenn er verwundet am Boden liegt?"
"Die Pest über den Schuft!" schrie mit heiserer stimme Sander und versuchte sich von dem jungen Mann loszumachen- – "lasst mich dem Buben den Schädel einschlagen, Mann, oder wollt Ihr Einen von der Bande entkommen lassen, während Euer eigener Freund unten in der Schlucht durch's Herz geschossen liegt?"
"Was? – Cook?" rief James entsetzt und liess den Arm des jungen Bösewichts frei, der rasch die schwere Waffe zum dritten Mal hob und schon mit zornblitzenden Augen die Stelle ersah, wo er sie am tödtlichsten einsenken könne. Indessen war aber auch der alte Lively, nicht so flink mehr auf den Füssen als sein Sohn, herangekommen, ritz ohne Weiteres die Schrotflinte aus des Wütenden Hand und warf sie weit von sich, trat dann zwischen ihn und den bewusstlosen Mulatten und rief ärgerlich:
"Gottes Tod, Sir, wenn Ihr mit Gentlemen auf die Jagd reitet, so betragt Euch auch wie ein Gentleman. Der Gefangene hier ist unser, und wir wollen ihn schon deshalb lebendig behalten, um über Manches, was uns hier weggekommen ist, Aufschluss zu hören."
"Er hat aber Euern Kameraden ermordet," rief Sander dagegen.
"D e r kommt da eben über den Berg herüber." erwiderte der Alte ruhig, und in der Tat kam auch Cook, der den Schuss gehört hatte, zu Fuss und mit blutender Stirn, seine eigene Büchse aber in der Hand, über den niedern Hügelkamm, der sich hier wellenförmig nach Nordwesten hinaufzog. Cook wollte jetzt aber vor allen Dingen wissen, weshalb Sander ihm nicht besser beigestanden und den Flüchtigen mit seiner Schrotflinte wenigstens in die Beine geschossen habe. Sander behauptete dagegen, viel zu weit entfernt gewesen zu sein, und sagte, er hätte ihn selbst von der Kugel tödtlich verwundet geglaubt.
"Dann war's allerdings recht freundlich, mich so allein zwischen den Steinen liegen zu lassen," brummte Cook. – "Doch wahrhaftig – dort liegt der Mulatte – ist er tot?"
Mit wenigen Worten erzählte er nun den Hergang seiner Verfolgung, und wie ihm unglücklicher Weise im entscheidenden Moment das Pferd gestürzt sei. Weiter nachzusetzen blieb nutzlos, da Bohs wohl der Spur eines Mulatten, keineswegs aber der eines Weissen gefolgt wäre, wenn er noch überhaupt hätte laufen können. Der Schlag nämlich, den der Flüchtling gegen ihn geführt, als er an ihn anspringen wollte, hatte seine Schulter und sein Rückgrat getroffen, so dass er, wenn ihm auch vielleicht kein Knochen beschädigt war, doch kaum mehr von der Stelle konnte und mit augenscheinlicher Anstrengung und Pein hinter seinem Herrn herhinkte.
Sie beschlossen also, den Neger vor allen Dingen mit nach haus zu nehmen, das ihnen auf jeden Fall näher als Helena lag, und dort das Weitere zu bereden.
James' Kugel war dem armen Teufel oben durch den rechten Schenkel gegangen und er blutete stark. Der Kolbenschlag schien aber viel gefährlicher für ihn geworden zu sein, denn sein rechter Arm, den er der niederschmetternden Waffe entgegengehalten, war dicht über dem Handgelenk abgebrochen, und das Blut quoll auch in dunkeln, langsamen massen aus dem schwarzen Wollhaar an der rechten Seite seines Kopfes hervor. Der alte Lively verband ihn nun zwar so gut es gehen wollte, der