zur Flucht. Der Augenblick aber war gekommen, wo sich sein Schicksal entscheiden sollte. Cook versuchte zwar zu schiessen, sah aber ein, wie zweifelhaft in diesen Verhältnissen ein Schuss sein musste, er ergriff also das leichte Rohr am schlanken Lauf, hob es hoch empor und holte schon aus zum gewaltigen und für den Flüchtigen dann auf jeden Fall verderblichen Schlag. Da blieb sein Pferd mit den Vorderbeinen an einer schwachen Weinrebe hängen, tat noch, im Versuch sich loszureissen, einen Sprung nach vorn, stürzte dann auf die Knie nieder und schleuderte Cook, der in diesem Moment gar nicht auf sein Tier geachtet, sondern nur den Feind im Auge behalten hatte, mit der schon geschwungenen Waffe neben den rasch zur Seite schreckenden Verbrecher nieder.
Das Blatt hatte sich für den jungen Mann gar traurig gewandt, denn er war in der Hand eines unerbittlichen Feindes. Als sich Cotton aber rasch gegen ihn wandte und trotzig dem grimmig auf ihn einfahrenden Hund den Angriff wehren wollte, kam – allerdings keineswegs in der Absicht, die Cotton fürchten musste – Sander herangesprengt. In diesem musste er natürlich einen neuen Verfolger sehen; seine eigenen Kräfte waren aber erschöpft, kaum vermochten die überspannten Glieder ihn noch zu tragen, und nur der Trieb der Selbsterhaltung weckte noch einmal den schon fast erloschenen letzten Funken von Kraft und Energie. – Er schleuderte seine leere Büchse mit verzweifelter Kraft gegen den heulend zurückfahrenden Hund, ergriff die, welche dem gestürzten Reiter entfallen war, sprang einen ziemlich steilen, von rollenden Steinmassen übersäeten Abhang hinab, sah unten, dass ihm der zweite Reiter nicht folge, und floh nun noch einmal, jetzt aber mit besserer Aussicht auf Rettung, den letzten Hügeldamm nieder, in das sumpfige Talland hinein.
Durch Cotton's Absprung von ihrer beabsichtigten Bahn nahm er zwar auch zwei Verfolger von Dan's Fersen, dieser aber zögerte nichtsdestoweniger unschlüssig, ob er seine Flucht wirklich allein versuchen, oder dem weissen gefährten folgen solle, mit dem er ja noch gar keinen Platz besprochen hatte, wo sie sich, wenn getrennt, wiederfinden wollten. James liess ihm aber nicht lange Zeit zum Besinnen; die Hufe seines wackern Pony rasselten über die scharfen Steine heran, und mit einem: "Hurrah, Du Hund, jetzt bist Du mein!" flog er, die Büchse jubelnd emporgehalten, heran.
Instinctmässig wandte sich der Mulatte wieder zur Flucht, mehrere quer über den Weg gestürzte Fichten hemmten aber gleich darauf seinen Lauf, und wenn er sie auch in wilder Hast übersprang, so boten sie doch dem nachstürmenden Pferde fast gar kein Hinderniss. Im keckem Satze flog dieses darüber hin, und als der Unglückliche den blick wandte, sah er seinen Verfolger kaum zwanzig Schritt hinter sich.
Da fiel – weiter unten am Abhang des Hügels – ein Schuss, dort entschied sich vielleicht für seinen gefährten der Sieg – das blieb auch seine letzte Hoffnung. – Nur zwei der Feinde waren hinter ihm – noch lag die Möglichkeit vor ihm, diese durch entschlossene Gegenwehr zurückzuhalten. Rasch sprang er also ein paar Schritte zur Seite, auf eine hochwüchsige Fichte zu, und hier – sein Pistol in Anschlag – stellte er sich und rief mit vor Anstrengung und innerer Aufregung fast erstickter stimme:
"Zurück! Der ist ein Kind des Todes, der noch einen zweiten Schritt gegen mich tut!"
Vater wie Sohn hatten lange genug in den Wäldern gelebt, um nicht an die Wahrheit dieser Drohung zu glauben. Beide wussten aber auch jetzt, dass ihr Opfer gestellt sei und nicht weiter könne, während sie selbst noch mit frischen Kräften ihm in Kampf und Flucht begegnen konnten. Sich aber ganz nutzlos als Ziel preiszugeben, fiel keinem von ihnen ein. Noch aus den indianischen Kriegen her hatten sie sich auch deren Taktik angeeignet, und kaum sahen sie, dass der Flüchtling einen Baum annahm, so flogen mit Blitzesschnelle ihre eigenen Pferde herum. Wie auf Commandowort sprangen sie gleichzeitig aus den Sätteln und jeder glitt eben so rasch hinter den ihm nächsten Stamm, um sowohl selbst gegen die feindliche Kugel gedeckt zu sein, als auch jede Bewegung ihres ausersehenen Opfers überwachen zu können.
Dan nun, der vielleicht glaubte, diesen ersten Augenblick benutzen zu können, um wieder kurzen Vorsprung zu gewinnen, wollte, als er kaum die Männer absitzen sah, rasch hinein in's Dickicht. Wohl aber war es gut, dass er noch einmal den blick zurückwarf, denn schon lag des alten Lively Büchse so ruhig wie in einem Schraubstock auf ihn geheftet, und fast unwillkürlich schmiegte er sich schnell an den Boden nieder, der tödtlichen Kugel zu entgehen.
"James!" rief der Alte hinter seinem Baum vor, "der Racker hält sich von hier aus gut versteckt; ich kann nur die Mündung seiner Pistole sehen – wenn Du im stand bist, ihn irgendwo unten an den Beinen zu erwischen, lass es ihm zukommen, aber – hab' Acht auf Dich."
"Nur keine Angst, Vater," lachte der Sohn zurück – "er darf's nicht wagen, auf mich anzulegen, denn ich liege schon im Feuer, und wo er mir nur einen Zoll breit Raum gibt, sitzt meine Kugel.".
Kurze Zeit verharrten die drei in ihrer gleich von Anfang an genommenen Stellung, denn auch die beiden Livelys hatten den Schuss gehört und wollten nun, ohne das eigene Leben irgend einer nutzlosen Gefahr auszusetzen, erst einmal abwarten, welch Resultat Cook's Verfolgung gehabt, ehe