1847_Gerstcker_147_70.txt

denke' ich, gehen wir über den Fluss hinüber, und dort wird schon Rat werden, ein paar gute Tiere zu erwischenNun? – was hast Du wieder? Gift und Tod, Du bist ja heute wie ein altes Weib. Alle Augenblicke bleibst Du stehen, horchst und siehst aus wie verdorbenes Bier. – Was gibt's denn, in des Teufels Namen!" rief der Verbrecher jetzt selbst geängstigt, als er den Ausdruck des Schrecks und Entsetzens in den Zügen seines gefährten las.

"Hört Ihr nichts, Massa Cotton?" fragte Dan flüsternd.

"Was denn? Was soll ich hören? So tu doch das breite Maul auf, wozu hast Du denn den Rachen? Was soll ich hören?"

"Hufschläge!"

"Hufschläge? Unsinn!" zürnte der Jäger, unwillkürlich aber fast verliess seine Wangen das Blut – "nach welcher Richtung?"

Der Mulatte legte sich, ohne die Frage gleich zu beantworten, mit dem Ohr auf die Erde, sprang aber auch fast in demselben Augenblick wieder empor und rief:

"Fort, fort, bei Allem was lebt, wir werden verfolgt!" und ohne eine weitere Zustimmung seines gefährten abzuwarten, floh er in langen flüchtigen Sätzen auf dem Abhange hin, wobei Cotton, der sich nicht einmal die Zeit nahm, die Wahrheit dieser Befürchtung selbst zu prüfen, ebenfalls nicht zurückblieb. Dan's Ausruf sollte aber auch nur gar zu bald bestätigt werden, denn das Geräusch, welches die durch das Dickicht brechenden Verfolger machten, wurde immer deutlicher, immer lauter, und nun konnte der Weisse sogar, als er den scheuen blick zurückwarf, die Männer erkennen, wie sie jubelnd heranstürmten und in wenigen Minuten fast ihre Opfer einholen mussten.

Cotton fühlte, wie er am rand eines Abgrunds

stehe, erkannte aber auch, dass nur die einzige Hoffnung noch für ihn darin liege, die Aufmerksamkeit der Verfolger zu teilen. Wenig kümmerte es ihn dabei, ob sie den Neger erwischten oder nicht, wenn er nur seine eigene Haut in Sicherheit brachte, und als der jetzt wenige Schritte vor ihm, am rand einer schroff abfallenden Terrasse, hinfloh, warf er sich diese plötzlich mit kühnem Satz hinunter, drängte sich dort durch ein dichtes Gewirr von Kastanienbüschen und Hickories, und glaubte so, die Verfolger gänzlich von seiner Spur abgebracht zu haben. Das wäre ihm auch vielleicht vollkommen gelungen, denn kein Pferd konnte ihm gerade da folgen, wo er den Bergkamm verliess. Cook's scharfes Auge hatte aber schon seine eigene Büchse auf des Flüchtigen Schulter und in diesem den berüchtigten Cotton erkannt; mit jedem Zollbreit Boden vertraut, setzte er also gleich da, wo er sich befand, den Hügel hinab, um Jenem den Weg abzuschneiden, und Sander, der seinerseits ebenfalls mehr Interesse an dem Weissen als an dem Neger nahm, folgte dem kühnen Jäger, so gut es gehen wollte.

Nun war der Weg, den Cotton eingeschlagen, allerdings so wild verwachsen und völlig rauh, dass er für ein Pferd fast unzugänglich schien. Cook aber, von Jugend auf an die rasenden Bärenhetzen gewöhnt, sah in diesem Ritt gar nichts Ausserordentliches und folgte dem Flüchtling mit völliger Nichtachtung seiner Gliedmassen, die Sander mehrere Male dazu brachte, sein eigenes Pferd scharf einzuzügeln. Das half ihm aber gar nichts; die beiden Tiere schienen einen Wettlauf halten zu wollen, und Alles, was ihm zu tun übrig blieb, war, den Sattel zu behaupten.

Cotton hatte wieder, durch die Unebenheit des Bodens begünstigt, einen kurzen Vorsprung gewonnen; jetzt aber, wo eine etwas offenere Bahn den Pferden die augenscheinlichsten Vorteile gewährte, schien sich seine Flucht ihrem Ende zu nähern. Cook, ihm dicht auf den Fersen, rief ihm schon zu, sich gutwillig zu ergeben, oder er würde ihn wie einen Wolf über den Haufen schiessen. Dabei hatte er die grösste Mühe, Bohs zurückzuhalten, der sich immer und immer wieder auf den Flüchtigen werfen und ihn erfassen wollte. In dessen Hand blitzte aber der scharfe Stahl, und Cook wusste recht gut, dass sein wackerer Hund verloren gewesen wäre, hätte er sich dem Verzweifelten auf Armeslänge genähert. Aber auch Cotton fürchtete nicht die Büchse des Verfolgers, denn diesem blieb ja keine Zeit zum Halten, viel weniger zum Zielen, und im Wald vom Pferd herab zu schiessen, wäre einfach eine weggeworfene Kugel gewesen. Das Pferd kam aber mit jedem Sprung ihm näher und er sah, dass er in wenigen Secunden in der Macht seines Feindes sein müsse, wenn er nicht, das eigene Leben zu retten, das des Verfolgers nehmen konnte.

Kaum drei Pferdelängen waren die Beiden noch von einander entfernt, da wandte sich der Flüchtling; sein Auge sprühte Feuer, die Büchse fuhr mit Blitzesschnelle empor, und Cook's Leben schien verfallen, denn Cotton war ein ausgezeichneter Schütze. Die rasche Flucht aber hatte sein Blut in Aufregung gebrachtgrosse Schweisstropfen perlten ihm Stirn und Wangen hinab und trübten seinen blickwohl richtete sich das tödtliche Rohr auf den trotzig Herbeisprengenden, aber die zitternde Hand vermochte es nicht mehr fest und sicher zu haltenes schwankte hin und her, und als der Finger den Drücker berührte, zischte die Kugel harmlos an der linken Schläfe des Jägers vorüber und durchbohrte noch den Hut des ihm dicht folgenden Sander.

Ein wildes, herausforderndes Triumphgeschrei von Cook's Lippen verriet, wie gänzlich erfolglos der Schuss gewesen, und noch einmal wandte sich der Verfolgte