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" rief jetzt Cook von drüben herüber.

"kommt her und seht selber," sagte dieser – "hier ist etwas, das auf jeden Fall Beachtung verdient."

In wenigen Secunden waren die Uebrigen an seiner Seite, und blickten jetzt forschend und gespannt umher.

"Wann hat es zum letzten Mal geregnet?" fragte James.

"Vorgestern Abend," sagte der Greis.

"Und glaubt Ihr, dass sich seit vorgestern Nacht dieses wasser hier auf dem Steine gehalten haben könnte?" fuhr James fort, und deutete auf eine, dicht vor ihm befindliche Stelle der Felsplatte – "hätte der Wind dies hier nicht schon lange auftrocknen müssen?"

"Der Wind kann es ja gerade aufgetrocknet haben," sagte Sander – "und das, was wir hier sehen, sind nur noch die Ueberreste."

"Nein, das ist nicht möglich!" rief der alte Lively – "gerade hier ist dieser Stein etwas abschüssig, und der Regen hätte ablaufen und sich hier unten sammeln müssen; diese t i e f e Stelle aber ist trocken. – Beim ewigen Gott, wir sind auf der rechten Spur."

"Ja, wahrhaftig!" rief Cook freudig – "das muss die Stelle sein, wo der Flüchtling den Bach verlassen hat und wo das von seinen Füssen abträufelnde wasser noch nicht die Zeit hatte zu trocknen."

"Das war mein erster Gedanke," bestätigte James, "und nun, Cook, lasst uns sehen, ob Euer Bohs auch nur einen Pflaumenkern wert ist. Wir sind die ganze Nacht umhergerannt, und er muss wissen, dass wir etwas suchen. – Bringt ihn also auf die Spur und seht, was er sagt."

"Bohs," rief Cook den Hund an -"Bohskomm her, Alterwas hältst Du von der Fährte hier? Such', mein Hundsuch' – und nimm Dich zusammen, mein Bursche."

Bohs gehorchte zwar der Aufforderung, schien aber sonst ungemein wenig Lust zu haben, sich irgend weiter zu bemühen. Seine Meinung war in dieser Nacht schon zu oft befragt worden, als dass er darin etwas besonders Ehrenvolles oder Ausserordentliches hätte sehen können, und mit schwerfälligen, langsamen Schritten stieg er auf die höher liegende Felsplatte hinauf, ohne sich auch nur die Mühe zu nehmen, die Nase auf den Boden zu halten.

"Nun sehe Einer das faule Vieh an!" rief James unwillig; "mich wundert's nur, dass die Bestie überhaupt noch die Beine hebt. Ich legte mich doch lieber gleich nieder undhajetzt wittert er etwas."

Bohs schien in der Tat plötzlich auf andere Gedanken zu kommen, denn er blieb stehen, spitzte die Ohren, blickte rechts und links mit schnellen, lebhaften Geberden umher, und jetzt, als er noch einmal den Stein, auf dem er stand, berochen hatte, sträubten sich seine Haareer knurrte leise und schaute, mit dem Schwanze wedelnd, zu seinem Herrn auf.

"Das muss ein Wolf gewesen sein," sagte James unmutig.

"Ein Wolf oder Neger!" rief Cook – "er zeigt beide auf gleiche Art an."

"Ein Neger? Dann wahrhaftig ist's der vom Fourche la fave entflohene Mulatte, und er soll uns nicht mehr entgehen. Zum Henker mit ihm, es ist Zeit, dass wir ihm das Handwerk legen. Was sagt der Hund?"

Bohs sah mit seinen klugen Augen fragend zu dem Herrn empor, und als dieser ihm schmeichelnd den breiten Nacken streichelte und ihn ermunterte, der Spur zu folgen, wedelte er aus Leibeskräften mit dem Schwanze, um vor allen Dingen seine unbedingte Bereitwilligkeit auszudrücken, dem Befehl Folge zu leisten. Dann aber wies er knurrend die Zähne, ging ein paar Mal mit majestätischen Schritten um den Stein herum und stieg nun, die Nase dicht am Boden, langsam den steilen Gebirgsrücken, an dessen Fuss sie standen, hinauf.

Cook's Jagdruf brachte den Sohn mit den Pferden zur Stelle und feuerte zugleich den treuen Hund an. Die Männer sprangen in die Sättel, und fort ging's, dem Führer nach, der nur im Anfang manchmal stehen blieb, um die Jäger auch nachkommen zu lassen, diese aber kaum beritten sah, als er mit fröhlichem, halblautem Gebell einige gar wunderseltsame Luftsprünge ausführte und dann in langgestrecktem Trabe schnell und sicher der Bahn folgte.

Die Reiter blieben ihm, da der Wald hier nicht sehr verwachsen war, dicht auf den Hacken, und Bohs, der im Anfang in ziemlich gerader Richtung den Berg hinanklomm, folgte jetzt dem Gipfel desselben, der sich, von Nordwest nach Südosten laufend, aus dem inneren des Landes kommend, zum Mississippi hinabzog. Sander wollte nun hiergegen allerdings Einwendungen machen, und behauptete, der Hund müsse sich irren, der Flüchtling sei gewiss eher waldeinwärts als dem ziemlich dicht besiedelten Flussufer zu geflohen; Cook dagegen meinte lächelnd, er solle seinen Hund nur gehen lassen, der wisse, was er wolle, und werde sie wahrhaftig nicht auf der Rückfährte fortnehmen. Das geübte Auge des Waldbewohners hatte indessen auch selbst auf weicheren Stellen des Bodens mehrere Fussstapfen gefunden, die unstreitig von dem Flüchtling hinterlassen waren und ihn ebenfalls nicht mehr über die von ihm genommene Richtung in Zweifel liessen.

Plötzlich hielt Bohs, suchte rings auf dem Boden umher und schien dann die Männer erwarten zu wollen. Diese, die bis dahin weniger