1847_Gerstcker_147_67.txt

, und sie mussten es sich nun eingestehen, stromauf liege noch die einzige Möglichkeit, den Flüchtling einzuholen.

"Es bleibt uns nichts weiter übrig," sagte Cook endlich unmutig, "als noch einmal in die Hügel zu steigen. – Es wird jetzt hell, und wer weiss, ob der Bursche nicht doch vielleicht in der Dunkelheit seine Fährte irgendwo so hinterlassen hat, dass wir sie bei Tageslicht erkennen und dann natürlich verfolgen können. Du, Bill, magst die Pferde bis zu dem zweiten Hügeldurchschnitt nehmenreite nur voran und warte dort, wo wir vorgestern den Bienenbaum fällten. Brauchen wir sie eher, was ich von Herzen wünschen will, so blase ich das Horn. Finden wir aber ihre Spuren bis dortin n i c h t , so bleibt uns nichts Anderes übrig, als verschiedene Richtungen einzuschlagen, um die Nachbarn von dem Geschehenen in Kenntniss zu setzen, und dann vereint eine förmliche Treibjagd anzustellen. Gefangen muss und soll der Bursche werden, denn einem Hinterwäldler in die eigene wohnung einzubrechen und seine Waffen zu stehlen, das ist ein Vergehen, das schon seiner unerhörten Frechheit wegen exemplarische Strafe verdient."

So grossen Eifer nun auch die Jäger bei dieser Verfolgung zeigten, so unbehaglich schien sich Sander dabei zu befinden, und er wäre sicherlich, da er ja auch mit seiner Kleidung gar nicht auf den Wald eingerichtet war, zurückgeblieben, hätte ihn nicht die Furcht angetrieben, jener Flüchtling könne mit zur Insel gehören und, wenn eingefangen, vielleicht Sachen gestehen, die für sie von verderblichster Folge sein mussten. War er gegenwärtig, so konnte er in solchem Falle ein geständnis entweder verhindern, oder doch die Folgen ablenken, und möglicher Weise auch die Flucht des Diebes, wer es immer sein mochte, begünstigen.

13.

Die Verfolgung.

Die Männer schritten jetzt vorsichtig am Bache hinauf; der alte Lively und Cook mit Bohs am westlichen oder linken Ufer, von der Quelle aus, und James und Sander am östlichen, den Bergen am nächsten. Bohs schien übrigens jeden Gedanken an Jagd aufgegeben zu haben. Immer wieder von Neuem angetrieben, Fährten und Spuren zu suchen, wo auch kein Zeichen irgend eines lebendigen Wesens zu finden warkleinere Wildfährten vielleicht ausgenommen, die er aber gründlich verachteteund noch dazu in einer Gegend, in der sich grösseres wild nie aufhielt, hatte er jede Lust an der Sache verloren, liess den Schwanz hängen und schlenderte verdrossen hinterdrein.

"Auf den Hund dürfen wir nicht weiter rechnen," sagte endlich Sander zu James, als er mit diesem mehrere hundert Schritt über starre Felsblöcke hinweggeklettert war und nun von einer etwas vorragenden Bergspitze nach den beiden anderen Männern und Bohs hinüberblickte – "er sieht gerade so aus, als ob er eben einschlafen wollte."

"Lasst uns nur das mindeste Verdächtige finden," erwiderte James, "und er ist wieder Feuer und Flamser Jagd werden wir müde und matt, und haben in demselben Augenblick jedes Gefühl von Schwäche vergessen, wo wir nur das Laub rascheln hören, oder gewisse Anzeichen von der Nähe der ersehnten Beute findendas ist mir ja schon tausendmal selber begegnet."

"Ich begreife aber wirklich nicht, wo wir etwas V e r d ä c h t i g e s finden sollen," brummte Sander. "Hier könnte eine ganze Armee marschirt sein, und in den umhergestreuten Steinen und Felsstücken wäre es nicht möglich, eine Spur zu erkennen."

"Meinen Sie?" sagte James, und ein triumphirendes Lächeln zuckte um seine Lippen – "ja ja, im wald sind die Herren aus der Stadt gewöhnlich so im Trüben wie –"

"Die Herren aus dem wald in der Stadt," spöttelte Sander, mit einem etwas boshaften Seitenblick. James mochte auch fühlen, dass er Recht hatte, denn er wurde feuerrot, warf aber die Büchse, über deren Kolben seine linke Hand herabhing und sie im Gleichgewicht hielt, über die Schulter und zeigte jetzt vor sich zwischen die Steine nieder.

"Für was halten Sie das hier?"

"Das?" sagte Sander und bog sich zu der bezeichneten Stelle aufmerksam nieder – "das? ei nun, das ist gar nichts, als etwas Laub und sehr viel Steine, mit ein paar spärlichen Grashalmen dazwischen."

"Und doch ist vor kaum einer Viertelstunde ein Hirsch zwischen eben diese Steine hineingetreten," erwiderte James.

"Aber woran sehen Sie das? Ich kann auch nicht das Mindeste erkennen, das eine solche Vermutung bestätigte."

"Wirklich nicht?" sagte der Jäger, indem er sich noch weiter zu der bezeichneten Stelle niederbog, "so will ich Ihnen hier den Beweis geben, dass wir eine solche Verfolgung nicht unternommen haben, ohne im stand zu sein, sie auszuführen. Sehen Sie, wie der eine kleinere Stein hier etwas zur Seite geschoben ist? – zwar nur ein wenig, der schmale Streifen lässt sich aber deutlich auf dem feuchteren grund erkennen. – Dortgerade an dem grauen Moos nieder, hat die Schale gescheuert, und hier unten ist auch noch zum Ueberfluss der Eindruck der Spitzeaber hawas ist das? – so wahr ich lebe –"

"Nun?" fragte Sander erstaunt, "was sehen Sie denn da Besonderes auf der Steinplatte? Wenn der Bursche keine Meissel unter den Füssen gehabt hat, so kann er doch dort unmöglich eine Spur hinterlassen haben."

"Habt Ihr etwas gefunden, James?