Verfolgung zu beginnen, wäre Wahnsinn gewesen. Liessen sie aber die Flüchtigen bis Tagesanbruch u n v e r f o l g t , so gewannen diese einen solchen Vorsprung, dass ein Nachsetzen hoffnungslos werden musste.
"Dass man auch gar nichts mehr von den Hunden hört!" rief James ärgerlich und horchte noch immer nach ihnen in die Nacht hinaus, "das Beste wird doch am Ende sein, ich sattle mein Pferd und reite in den Wald. Vielleicht sind die Tiere der rechten Spur gefolgt, haben den Schuft auf irgend einen Baum getrieben und liegen darunter und heulen."
"Unsinn!" sagte der alte Lively, der indessen ebenfalls mit Ankleiden fertig geworden war – "wenn der Bursche da aus der Tür sprang, als Du ihn anriefst, – denn das habe ich deutlich gehört – so hat er auch höchstens zweihundert Schritt Vorsprung gehabt, ehe ihm die Hunde auf den Hacken waren, und dann blieb ihm keine Zeit mehr zu entkommen. In hundert Schritt weiter mussten sie ihn eingeholt haben, wären sie wirklich der r i c h t i g e n Fährte gefolgt. Nein, sie sind in's Blaue hinein getobt, und wer weiss, wann sie wieder zurückkommen."
"Wie wär's denn, wenn wir einmal das Horn bliesen, Vater?" sagte Bill, "vielleicht sind sie nicht so weit fort und können es noch hören."
"Wird wenig helfen, wir wollen's aber versuchen. – Tod und Teufel, was für ein Hauptspass wäre das geworden, wenn die Hunde den Schuft auf frischer Tat erwischt hätten!"
"Nun, zu spät ist's noch immer nicht!" brummte James, "ich habe wenigstens e i n e Kugel im Rohr, und die, hoff' ich, werde' ich dem nächtlichen Halunken wohl noch auf den Pelz brennen. Wo aber zum Donnerwetter ist denn mein einer Schuh? – Ich habe doch alle beide hier neben einander hingestellt?"
"Ich kann meine Stiefel auch nicht finden," sagte Sander – "nun weiter fehlte nichts, als dass uns die Canaille auch noch das Schuhwerk mitgenommen hätte."
"Die werden draussen liegen," brummte Cook ärgerlich, während er in die tür trat – "ich habe, glaube ich, solche Dinger wie Schuh oder Stiefeln nach den verwünschten Kötern geworfen, als sie das Heulen gar nicht lassen wollten."
"Sehr schön das," meinte Sander, als er jetzt draussen im Dunkeln mit blossen Füssen zwischen den Spänen und Holzstücken nach den verlorenen Schuhen umhersuchte, "das geht sich hier prächtig, barfuss auf den scharfen Splittern – Herr Gott – ich glaube – ich habe mir die Zehen abgestossen."
James kam ihm jetzt mit einem brennenden Kienspan zu hülfe, und sie fanden bald ihr wild umhergestreutes Schuhwerk, während Cook den Schall des Horns laut und gellend in die stille Nacht hinaustönen liess. Lange aber musste der Farmer vergeblich blasen, und schon wollte er das einfache Instrument unmutig bei Seite werfen, als ein leises Winseln wenigstens einen der sich nähernden Rüden verkündete. Gleich darauf kam auch Vohs, den langen buschigen Schwanz fest zwischen die Läufe geklemmt, mit dem Bauch fast die Erde streichend, heran und schlich demütig zu seinem Herrn hinan. Es war fast, als ob er diesem auf jede nur mögliche Art und Weise dartun wollte, wie tief zerknirscht er sich seines so ganz eines ordentlichen Hundes unwürdigen Betragens wegen fühle und wie leid ihm der begangene Fehler tue.
Cook war jedoch über des treuen Tieres Rückkehr viel zu sehr erfreut, als dass er es lange hätte mit Vorwürfen überhäufen sollen. Er schleuderte ihm nur als erste Begrüssungsformel einige Kernflüche entgegen, die Bohs auch ohne weitere Bemerkung einsteckte, und streichelte dann dem durch ein einzig gütiges Wort Beruhigten mit unverkennbarer Freude den Kopf.
"So recht, mein Alter – lass die anderen Canailleu laufen, wir Beide wollen dem Burschen schon auf die Spur kommen. Wird's nur erst wieder hell, so müsste er ja mit dem Bösen im Bunde stehen, wenn er nicht wenigstens eine Fährte hinterliess, denn durch die Luft kann er doch wahrhaftig nicht davongesegelt sein."
"Wo aber jetzt suchen?" sagte James – "ich begreife gar nicht, dass die Hunde, die so dicht hinter ihm gewesen sein mussten, seine Spur sollten verloren haben."
"Passt einmal auf, der hat den Bach angenommen," beteuerte der Alte. "Der Wind streicht von hier dort hinüber, wittern konnten sie ihn nicht gut, und wenn er von s e i n e r Fährte absprang, so ist nichts wahrscheinlicher, als dass die Hunde dadurch irre geführt wurden."
"Dann wird er sich auch stromab, dem Mississippi zu gemacht haben," rief James; "wo der Bach wenigstens für ein Canoe schiffbar wird, hat er das vielleicht angebunden und ist, während wir in den Bergen auf kalter Fährte umherhetzen, lange im Strom oder im andern staat drüben."
"Dort hat gestern Abend kein Canoe gelegen," wandte hiergegen der junge Cook ein, "das weiss ich gewiss. Noch vor Dunkelwerden war ich mit Turner's Henry unten, um ein paar Fische zu fangen, und wir sind unter jedem Busch in der ganzen Nachbarschaft herumgekrochen."
"Waren keine Fährten zu sehen?" fragte sein Vater.
"Nicht eine, denn wir schauten uns auch noch