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Neue in der kleinen wohnung. – Das regelmässige Atmen unterbrach allein wieder die Stille, und vorsichtig hob der Mulatte jetzt noch einmal die Schale, trank auch den letzten Rest Milch, und schlich nun so geräuschlos als möglich zur Tür zurück. Da stiess er mit dem Fuss an einen ihm durch Cook in den Weg geschobenen Stuhl, und zwei Stimmen atmeten nicht mehrer wusste, sie waren erwacht oder wenigstens gestört. Bewegungslos blieb er an seiner Stelle und fand bald, dassglücklich für ihnnur das Letzte der Fall gewesen sein musste, denn bald darauf fielen sie wieder in den allgemeinen Chor ein, und Dan begann, seinen Weg weiter zu fühlen.

Als er aber den Stuhl vorsichtig bei Seite schieben wollte, berührte sein Finger an der Stuhllehne einen Ledergurt; rasch fuhr er daran hinunter und fand hierdie lang' ersehnte Kugeltasche. Schnell hing er sie um seinen Nacken, und wollte eben den Stuhl verlassen, da fühlte er auf dem Sitz desselben noch eine z w e i t e . Welches war nun die richtige? Und einen Moment stand er unschlüssigaber auch nur einen Moment, denn solche Kleinigkeit konnte ihn nicht lange die gefährliche Lage vergessen machen, in der er sich befand. Um sicher zu gehen, nahm er alle beide, trat geräuschlos an die Tür, fühlte nach der Büchse, die Sander wieder hinaufgelegt hatte, hob sie leise herab, und zog jetzt den Pflock heraus, der die Tür verschlossen hielt.

Waren die Hunde noch auf der Wacht? – In diesem Falle war' er verloren gewesen, denn die Meute, die erst vor wenigen Wochen einen fünfjährigen Bären gestellt und bezwungen hatte, würde den fast wehrlosen Schwarzen augenblicklich in Stücke zerrissen haben. Sein Herz schlug daher, als er die Tür ein klein wenig öffnete, wie ein Hammer. Glücklicher Zufallkeiner der Hunde lag vor der Tür. – Der Befehl des Herrn hatte sie alle hinter das Haus gewiesen, und konnte er jetzt nur fünfzig Schritt Vorsprung gewinnen, so war er gerettetgeräuschlos öffnete er die Pforte.

"Seid Ihr es, Mr. Hawes?" fragte jetzt James, der in diesem Augenblick von dem kalten, gerade über ihn hinstreichenden Luftzug erwachte – "hawer ist an der Tür?"

Keine Antwort erfolgtekein laut liess sich hören, und der Fragende glaubte schon geträumt zu haben. Der Dieb aber stand auf der Schwelleim Freiendie kalte Nachtluft kühlte seine in Fieberglut brennenden Wangen, und vorsichtig glitt er in der Dunkelheit dem nahen Dickicht zu, um die schlafenden Wächter nicht zu ermuntern und unentdeckt zu entkommen. Schon hatte er die niedere Fenz erreicht, welche die wohnung umgab, und zitternd überstieg er sie, als er mit dem linken Fuss den Stiel einer Hacke berührte, die daran lehnte und jetzt umfiel.

Da schlug Bohs anihm folgte Watch, und im nächsten Augenblick brachen die Hunde um das Haus herum. Mit langen, mächtigen Sätzen floh aber auch jetzt der Mulatte, die gewonnene Büchse hoch emporhaltend, dem wald zu, hatte gerade, als die Meute auf seiner Fährte heulend anschlug, das Dickicht erreicht, rief, da er den gefährten nicht sehen konnte: "In's wasserin's wasser!" – sprang dann selbst, ohne auch nur eine Secunde Zeit zu verlieren, in den kleinen Bach und watete, so schnell es ihm möglich war, stromab.

Noch hatte er sich übrigens keine fünfzehn Schritt von der Stelle, wo er den Wasserrand zuerst betrat, entfernt, als auch die Hunde, bellend und kläffend, mit den Nasen am Boden, dort ankommend, ohne Weiteres hindurchsetzten und auf der andern Seite in der Irre umhersuchten. Da schlug ein junger Brake, wahrscheinlich auf einer Kaninchen- oder Waschbärenfährte, an, und obgleich Bohs und Watch im Anfang gar nicht gesonnen schienen, dem Lärmenden zu glauben, so wurden sie doch zuletzt selbst durch das wilde Toben der Meute verlockt und brachen jetzt in langen Sprüngen hinterher, um die Jagd nicht zu versäumen und in der Verfolgung, wie gewöhnlich, die ersten zu sein.

"Hahaha," lachte der Mulatte vor sich hin, als er dem sich weiter und weiter entfernenden Toben lauschte – "wie sich das Hundezeug jetzt abquälen wird, um etwas zu finden, was gar nicht da ist. Aber die Zeit vergehtheh, Cottonwo seid Ihr?"

"Hier!" flüsterte dieser, der leise in dem Bach heranschritt – "alle Wetter, das hätte schlecht ablaufen könnenund die Büchse hast Du wohl auch nicht?"

"So? Meint Ihr etwa? – Hier ist sienehmt schnelldadie Taschen auch, eine von beiden wird wohl die rechte sein. Aber nun fort; hatten wir früher, als die Hunde noch am haus lagen, vortrefflichen Wind, so wird er jetzt, wenn sie zurückkehren, um so schlechter."

"Wir müssen in die Hügel. – Dort entgehen wir am leichtesten jeder Verfolgung," sagte Cotton.

"Ja, aber den Bach dürfen wir in der ersten halben Stunde noch nicht verlassen, und nachher heisst's erst recht Fersengeld geben. Cook ist ein verdammt guter Spürer, und die Anderen werden ihm wohl auch nichts nachgeben."

"Also fort!" flüsterte sein Begleiter, während er mit dem Ladestock versuchte, ob die Waffe geladen sei