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der bläst ja wie nach Noten!"

Sander legte bei diesen Worten das Gewehr wieder an seine Stelle hinauf, trat dann in die Tür, fand den Eimer und trank das kühlende wasser mit mehreren Ausrufungen unverkennbaren Wohlbehagens.

"Ach!" sagte er, als er mit dem langstieligen Flaschenkürbis wieder den Nagel suchte, an dem er gehangen, "das tat gutes gibt doch nichts Herrlicheres, wenn Einen recht durstet, als ein Schluck wasser."

"Besonders, wenn halb Whisky drin ist," fiel hier Cook ein, der ebenfalls zum Eimer trat, seinen Durst zu löschen – "wo sind denn aber all' die Hunde? – he Deikhe Ned, Bohs, Watch, hallo hier! Wo steckt Ihr Canaillen alle!"

Die Tiere, die bis jetzt hinten am haus gelegen hatten, kamen winselnd hervor, wedelten vor der Tür herum und wollten an ihrem Herrn hinausspringen.

"Fort mit Euch, Ihr Bestiennieder!" rief aber Cook – "was liegt Ihr alle miteinander dort hinten unter dem Hirschfleisch? – Einer ist genug. – Du, Watchwillst Du hinausDu, Bohsso hol' doch der Teufel die Hunde – w i l l s t Du fort, Canaille!"

"Was haben sie denn?" fragte James.

"Ei, die Sappermenter wollen mit aller Gewalt hier herein," rief Cook ärgerlich – "und schnüffeln, als wenn sie eine wilde Katze auf dem Baume hättenhol' sie der Henker!"

Mit vieler Mühe gelang es ihm erst, die Tür zu schliessen, denn die beiden grössten der Hunde schienen sich ihren Weg in das Innere der wohnung erzwingen zu wollen. Endlich aber brachte er den hölzernen Pflock vor, tappte, während er Sander dabei führte, zu seinem Lager zurück und legte sich wieder nieder, schimpfte jedoch dabei noch fortwährend auf die "Bestien", wie er sie nannte, die draussen vor der Tür lagen und winselten.

Sander schlief endlich wieder ein, Cook wälzte sich aber noch immer unruhig auf dem Bett herum, denn die Hunde wurden mit jedem Augenblick lärmender, und kratzten jetzt schon an der Pforte und an der Seite des Gebäudes, an welcher der Schrank stand. Einerwahrscheinlich Bohs, der Hausgelegenheit kanntehatte sich sogar durch irgend ein lockeres Brett unter dasselbe gearbeitet und heulte nun hier auf schauderhafte Art.

"Nein!" schrie Cook endlich, indem er wieder aufsprang – "das ist zum Rasendwerden. Wenn die Canaillen jetzt nicht augenblicklich ruhig sind, so begehe ich einen Mord. Sie müssen aber doch wahrhaftig etwas wittern, sonst könnten sie sich ja gar nicht so toll und wunderlich anstellen."

"Wittern?" brummte Sander, der durch den Lärm ebenfalls wieder munter geworden war – "was sollen sie denn hier wittern? – Ich hatte, als ich in der Tür stand, die Büchse in der Hand, und nun glaubt das dumme Viehzeug wahrscheinlich, wir wollten Waschbärjagen gehen. – Mir wär's jetzt gerade so."

Cook stolperte indessen mit halb verbissenem Fluchen zur Tür, riss diese auf und begrüsste hier die ihn fröhlich anbellenden Köter mit einem Hagel von Schimpfwörtern, wie auch noch anderen, derberen Gegenständen, die ihm gerade in die Hand fielen.

"Da!" rief er dabei, als er etwas nach dem ihm zunächststehenden schleuderte – d a , Du Canailleund d a – Du Beest, Duund d a , das für Dich, Du feinpipige Quietscheule, Du, und das für Dich, Du nichtsnutzige heulende Hundeseele. Und nun rührt Euch wieder, Ihr Racker, – muckst Euch, wenn Ihr es wagt. Und Du, Bohs, kommst unter dem haus vorhierher, Sirhol' Dich Dieser und Jener; rühr' Dich aber noch einmal, dann weisst Du, wie wenig ich Spass verstehe. Fort mit Euch, an's Fleisch, wo Ihr hingehörtDu, Bohszurück da – d a ss Du Dich unterstehst!

Die Hunde gehorchten endlich, wenn auch mit vielem Widerstreben, und Cook schloss die Tür zum zweiten Mal.

"'S ist doch eine Finsterniss hier," sagte er jetzt, während er sich umdrehte, um zu seinem Bett zurückkzutappen, dass "man die Hand nicht vor Augen sehen kann; – wo bin ich denn hier eigentlich hingeraten? – Wetter noch einmal, das ist hier der Schrankda muss ich ja rechts hinüber."

"Hier lieg' ich," sagte Sander, der sein Lager mit ihm teilte.

"Komme gleich!" erwiderte Cook, und stand in diesem Augenblick unter dem gezückten Jagdmesser des Mulatten, kaum zehn Zoll von diesem entfernt, der sich, so dicht es gehen wollte, an die Wand gedrängt hatte. Ein einziger Schrittein einziges Ausstrecken der Hand musste ihn mit dem hier Eingeschlichenen in Berührung bringen, und dass der zum Aeussersten getriebene Gelbe sich dann auch nicht bedenken würde, den Feind unschädlich zu machen, der für den Augenblick seiner Flucht hemmend im Wege stand, war vorauszusehen. Cook's guter Geist lenkte jedoch seine Schritte, dass er sich dicht vor der dunkeln Gestalt wandte und quer über Bill's Bett, über diesen und James hinweg, seinem eigenen Lager zuschritt, auf das er sich ermüdet warf und auch bald wieder einschlief.

Grabesschweigen herrschte auf's