1847_Gerstcker_147_60.txt

sagte Cook – "Cotton soll auch den Mann in Poinsett County erschlagen haben, wenigstens sind alle Sheriffs und Constabler, wenn auch vergebens, hinter ihm hergewesen, ihn zu fangen."

"Und weiss man nicht, welche Richtung er überhaupt genommen?" meinte Sander.

"Neinjetzt nicht; – wie es den Anschein hat, so wollten die Flüchtigen gegen Norden hinauf, denn vom Fourche la fave aus waren sie über den Arkansas gegangen und schon bis an die Strasse gekommen, die den St. Francissumpf von Memphis nach Batesville durchschneidet. Dort aber verübten sie den Mord und hatten nun augenblicklich die ganze Ansiedelung am Languillelauter tüchtige Jägerhinter sich, so dass sie genötigt waren, wieder zurück in die Sümpfe zu flüchten. Ob sie nun ihren Plan geändert haben und vielleicht über den Mississippi wollen, oder ob das hier gar A n d e r e sind, wer weiss es. So viel aber ist gewiss, hier in der Gegend treiben sie sich umher, und wir haben uns schon verabredet, beim ersten Zeichen, das wir wieder von ihnen finden, die ganze Nachbarschaft aufzubieten und einmal ein ordentliches Treibjagen auf die Canaillen anzustellen."

"Bei Heinze sind vor einigen Tagen ebenfalls mehrere Sachen weggekommen," meinte der alte Lively, schon halb im Schlafe – "ein paar Schuhe, undund der alte Heinze –"

"Den haben sie gestohlen?" lachte Cook.

"Ahem!" murmelte der Greis und sein schweres Atmen bewies gleich darauf seine Unzurechnungsfähigkeit in Allem, was für den Augenblick fragen oder Antworten betraf.

Auch die Uebrigen fingen nach und nach an müde zu werden. Cook machte noch einige Bemerkungen, aber schon mit ziemlich schwerer Zunge und geschlossenen Augen, und endlich verriet auch s e i n Schnarchen, wie der ermattete Körper dem Schlummergott unterlegen war.

Mehrere Stunden mochten so entschwunden seintiefe Ruhe herrschte auf der kleinen Ansiedelungkein laut wurde gehört, nur das monotone Quaken der Frösche und dann und wann der Ruf eines auf Beute ausgehenden Nachtvogels unterbrach das Schweigen. Der Mond, zeitweise durch vorbeiziehende Wolkenschleier verhüllt, sandte seine matten, ungewissen Strahlen über die Lichtung, und es schien fast, als ob er selbst da oben müde würde und sich hinabsehne in sein kühles, laubiges Bett. –

Da schlich leise und vorsichtig eine dunkle Gestalt über den schmalen freien Raum, der die wohnung von dem benachbarten Dickicht trennte. Lautlos war ihr Schritt, geräuschlos jede ihrer Bewegungen, und als sie die nur angelehnte Tür erreicht hatte, stand sie, dicht an den Pfosten geschmiegt, still und lauschte wohl mehrere Minuten lang auch dem leisesten Atemzug im inneren der Hütte. Dann erst, als sich dem scharfen Ohr nichts Verdächtiges darbot, öffnete der Verbrecher mit sicherer Hand die Pforte und schlüpfte hinein.

Fussnoten

1 Zwischen den beiden kleinen Flüssen Cash, und Day de view liegt eine so undurchdringliche Sumpfstrecke, dass nur selten ein Jäger kühn genug ist, dort einzudringen, da er es nie möglich machen kann, das, was er wirklich auf der Jagd erbeuten sollte, auch fortzuschaffen. Es ist das jetzt der einzige Platz in den Vereinigten Staaten, wo sich der Büffel noch, ringsum von Ansiedelungen umgeben, in einzelnen Heerden findet und auch nicht, trotzdem er fast nur Jäger in seiner Nachbarschaft hat, ausgerottet werden kann.

12.

Der Mulatte.

Der Mulatte, denn dieser war es, hielt noch immer die wieder festangedrückte Tür in der Hand. Vorsichtig lauschte er dabei dem geringsten Ton, um sich erst vollkommen davon zu überzeugen, ob auch wirklich Alle schliefen und nicht vielleicht ein Einzelner nur ruhig auf der Lauer liege, den nächtlichen Feind zu beobachten und zu überfallen. – Lange verharrte er auch in dieser Stellung und glich eher einer aus dunklem Stein gehauenen Statue, als einem menschlichen, atmenden Wesen.

Undurchdringliche Finsterniss herrschte in dem kleinen raum, welcher die von des Tages Anstrengung und Hitze ermüdeten Männer umschloss. Das Feuer im Kamin war niedergebrannt, und nur zwischen den oberen Balken hindurch fand das matte Dämmerlicht des Mondes einen schwachen Eingang. – Nichts regte sichkein Ton wurde laut, als das regelmässige Atmen der Schlafenden. Der Mulatte konnte das Schlagen seines eigenen Herzens deutlich, ja so deutlich hören, dass er schon fürchtete, es müsse ihn verraten, und er presste die breite schwielige Hand fest darauf, diese augenblickliche Schwäche

Endlich mochte er sich wohl überzeugt haben, dass ihm hier noch keine Gefahr drohe. Er griff jetzt leise hinauf über die Tür, wohin die Farmer stets auf dort eingeschlagene Pflöcke ihre langen Büchsen legen, und ein triumphirendes Lächeln durchzuckte sein dunkles Angesicht, als er den Lauf der gehofften Waffe fühlte. Schnell und ohne Zögern hob er sie herunter. Nun musste er aber auch noch die Kugeltasche haben, und dem Jägergebrauch nach hing diese an der andern Seite beim Kolben, und zwar an demselben Haken, der diesen trug.

Mit einem Schritte war er drüben, aber – "Pest!" knirschte er leise zwischen den Zähnen hindurch, als er den leeren Platz dort fühlte. Sie war nicht da, und wo sollte er jetzt zwischen den nur leicht schlafenden Männern die kleine tasche finden? Musste ihn nicht das unbedeutendste Geräusch verraten, und würde es ihm möglich sein, zu entkommen, sobald er erst einmal von diesen kühnen und in der Verfolgung so scharfsichtigen Söhnen des Waldes entdeckt und wirklich verfolgt würde? Hier aber half kein Besinnen, denn er