noch nicht so lange dortin getragen hat. – Die Hunde aber sind gut genug und keiner würde es anrühren; keiner gönnt es aber auch dem andern oder traut einem der Kameraden, sie liegen a l l e darunter und bewachen es, und ich setze meinen Hals zum Pfande, dass mich k e i n e r wittert, wenn ich zum haus schleiche."
"Das tust Du allerdings," murmelte der Weisse. "Wenn ich nicht ganz irre, so ist dies die Farm, auf der Cook wohnen soll, und der versteht keinen Spass. Erwischte er Dich, so wäre der Hals gerade derjenige Körperteil, der die Zeche bezahlen müsste. Hast Du Deine Waffen?"
"Ihr fragt sonderbar," sagte der Mulatte, indem er ein langes, schweres Messer aus der versteckten Scheide zog und in dem matten Dämmerlicht, das sie umgab, blinken liess. – "Unbewaffnet – ein Nigger zwischen lauter Weissen? Nein wahrhaftig, das wäre nicht mehr Tollkühnheit, das wäre Wahnsinn. Wer mich lebendig fangen will, der muss früh aufstehen, denn auch meine Pistole hier ist mit kleinen Kugeln geladen."
"Und sollten die Hunde dennoch anschlagen?" sagte Cotton ernst.
"Dann springt nach unserer Verabredung in den Bach," flüsterte der Mulatte – "an den drei Cypressen finden wir uns wieder."
"Wäre aber der Platz besetzt?"
"Hm, das ist nicht wahrscheinlich – aber freilich m ö g l i c h ; nun dann müssen wir wieder nach dem haus zurück, in dem wir vorgestern Nacht eingebrochen sind – Ihr kennt da schon unsern Versteck. Von da aus können wir auch den Mississippi leicht erreichen. Hölle und Verdammniss, hättet Ihr nur das unnütze Blut nicht vergossen, so wären wir auch nicht so weit hier hinunter nach Süden getrieben und könnten jetzt schon vielleicht in Kanada sein –"
"Oh geh mit Deinen moralischen Vorlesungen zum Teufel" knurrte Cotton – "hol' die Büchse und überlass das Andere mir. – Wie ist's denn – mir kommt's vor, als ob sie drüben zu Bett gehen wollten."
"Nun, Zeit wär's," sagte der Mulatte, "aber einschlafen müssen wir sie auch erst lassen." –
Cotton hatte recht gesehen. Die Nachtluft war, wie das stets in diesen Sümpfen der Fall ist, ungemein feucht und die Männer zogen sich bald in Cook's Haus zurück, um sich ihre Lagerstätten, so gut es gehen wollte, herzurichten.
Zwei Betten standen nur in dem kleinen Raum, und die hatten, das eine der alte Lively, das andere Cook und Sander inne; James dagegen lag mit Cook's ältestem Knaben, einem Burschen von acht oder neun Jahren, auf einem ausgebreiteten Bärenfell mitten in der stube. Auf dem kleinen, an der rechten Wand befindlichen Tischchen flackerte ein Talglicht und erhellte den Raum kaum hinlänglich, um noch ein paar rohgearbeitete Stühle und eine Art Essschrank erkennen zu lassen, der links vom Eingang und zwischen Kamin und Tür stand. Sonst war, einige Regale, auf denen die bescheidene amerikanische Wäsche einer Haushaltung lag, ausgenommen, nichts von Möbeln zu sehen, und die über den Betten aufgehangenen Kleider der Mrs. Cook dienten auch noch, indem sie einen Kleiderschrank vollkommen entbehrlich machten, zu Tapeten und Zierraten.
Cook's Knabe war der Letzte, der sein Lager suchte; dieser hatte eben das Licht ausgelöscht und sich auf sein Fellbett niedergeworfen, als ihn der Vater, der sich indessen auf der knarrenden Bettstelle zurechtrückte, fragte, ob er auch den Pflock vor die Tür geschoben habe.
"Nein, Vater," sagte dieser – "die Hunde sind ja draussen –"
"Die Hunde lagern, wie ich eben gehört habe, alle hier hinten, unter dem Hirschfleisch," erwiderte Cook.
"Es wird uns wohl Keiner stehlen," lachte Sander, "wir sind doch auch Personen genug und haben ein paar Büchsen im haus."
"Nun, zu spassen ist nicht," sagte der alte Lively und streckte sich behaglich aus – "in der vorigen Woche sind weiter im land drin viele Diebstähle vorgefallen, und erst vorgestern haben sie, wie uns James erzählte, einen Mann gar nicht weit von hier in seiner Hütte überfallen. Nicht wahr, James, Du brachtest ja die geschichte mit nach haus?"
"In Bolwei's Haus haben sie wahrscheinlich eine Büchse stehlen wollen," sagte der also Aufgerufene,"Bolwei kam aber noch zeitig genug dazu und vertrieb sie wieder. Weiter hierher zu sind sie dann in derselben Nacht bei Isloos eingebrochen, haben den alten Jsloo schwer am kopf verwundet und, was sie in der Geschwindigkeit erwischen konnten, meistens Kleider und wertlose Sachen, auch eine Pistole, mitgenommen."
"Ja, Jsloo vermisst aber auch jetzt, wie ich von Draper gehört habe, seine Brieftasche," sagte Cook, "und in der sollen, wenn auch kein Geld, doch für ihn sehr wertvolle Papiere sein."
"Wo hast Du denn Draper gesehen?" fragte James.
"Draussen im wald; als er meinen Schuss hörte, kam er herbei und half mir den Hirsch mit auf's Pferd heben."
"Hat man denn gar keine Vermutung, wer diese Spitzbuben sein könnten, Gentlemen?" fragte Sander.
"Wahrscheinlich Cotton und der frühere Mulatte und Helfershelfer Atkins'",