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Sander zerstreut, und hatte keine idee davon, welche letzte und erste da gemeint und was eigentlich zu gewinnen gewesen. Adele aber, die sich so plötzlich, allerdings etwas durch eigene Schuld, von ihren beiden Nachbarn vernachlässigt sah, setzte sich hinüber zu Mrs. Cook, die eben, die müden Kinder zu Bett gebracht hatte. Hier aber, indem sie ganz in das einfache Wirken und Leben der guten Frau einging, und bald nach dem und jenem fragte und über dies und das mit ihrer kindlichen Gutmütigkeit plauderte, gewann sie sich das Herz derselben so sehr, dass diese endlich mit einem freundlichen Händedruck ausrief:

"Ach, Miss Adele, wie wünschte ich doch, dass Sie hier draussen bei uns blieben und eine wackere tüchtige Farmersfrau würden. Sie sollten einmal sehen, wie es Ihnen bei uns gefiele. – Es ist gar zu hübsch hier, und besonders im Frühjahr und Sommer, wenn sie in den Städten fast vor Hitze und Staub umkommen."

"Mir gefällt es auch recht gut auf dem land," sagte Adele – "ich bin –" und eine leichte Röte färbte ihre Wangen, "ich bin am liebsten unter grünen Bäumen, aberwir armen Mädchen, Mrs. Cook, müssen ja doch am Ende stets dahin gehen, wo uns das Schicksal hinwirft, und ein Glück noch, wenn wir dabei der stimme des Herzens folgen dürfen."

"Ja, Miss Adele, das ist ein Glück," sagte die wakkere Frau – "Sie glauben gar nicht, wie leicht und gern man alles Ueberflüssige entbehren lernt, wenn man nur bei Dem sein kann, den man so recht herzlich lieb gewonnen hat. – Es wird Einem auch Alles noch einmal so leicht, und arbeiten, von denen man sonst gar nicht geglaubt hat, dass man sie verrichten könne, tun sich fast von selber. Und nun gar erst die kindja in den lieben Dingern wird man noch selbst einmal wieder jung."

"Haben Sie Ihre bisherige Farm ungern verlassen?" fragte Adele.

"Wir? Jh nun, ja und nein," sagte Mrs. Cook – "es war herrliches Land am Fourche la fave und nach all' dem Vorgefallenen liess es sich erwarten, dass wir nun vor dem schlechten Gesindel dort Ruhe haben würden. Aber dann lebten doch hier die Eltern und der Bruder, und Vater, Mutter und James sind so liebe, treffliche Leute, da glaubten wir denn Beide, es sei besser, in deren Nähe zu wohnen und sie zu Nachbarn zu haben. Vielleicht sucht sich dann James mit der Zeit auch irgendwo ein Mädchen, das ihn gern hat, aus, und dann könnten wir eine ganz prächtige kleine Colonie bilden; oh, Miss Adele, wenn Sie nur dann in die Nähe kämen!"

"kommt, Kinderes ist Zeit zum Schlafengehen," sagte jetzt plötzlich der alte Lively, der seine geschichte glücklich zu Ende gebracht hatte und dann müde geworden war. Der alte Mann hielt überhaupt seine ziemlich regelmässige Zeit, und da des engen Raumes wegen der männliche und weibliche teil der Gäste für diese Nacht in verschiedenen Häusern untergebracht werden musstedie Damen sollten nämlich in Lively's, die Männer in Cook's Wohnhause schlafenso konnte er selbst nicht eher zur Ruhe kommen, bis die Anderen nicht ebenfalls ihre Schlafstätten angewiesen bekommen. Mrs. Dayton, die seine Gewohnheit kannte, schob deshalb auch ihren Stuhl zurück und gab damit das Zeichen zum allgemeinen Aufbruch.

Adele sprang ebenfalls empor; aber als ihr blick den kleinen Raum schnell durchfliegen wollte, begegnete er plötzlich, und zwar dicht neben sich, dem auf ihr haftenden Auge James', das sich freilich, als ob er auf einer Freveltat ertappt wäre, schnell und schüchtern abwandte; Adele aber, mit dem Gefühl, als ob sie einen Fehler begangen hätte, fürchtete fast, und wusste selbst doch eigentlich nicht warum, ihn beleidigt zu haben und sagte leise:

"Mr. LivelyichSie sind wohl böse auf mich, dass ich die freundliche Einladung Ihrer Eltern so wenig zu schätzen scheine und schon morgen wieder fort will? – Es ist aber eine liebe Jugendfreundin von mir, die ich seit ihrer Verheiratung nicht gesehen habe, undwenn ich Mrs. Lively nicht zur Last falle, dann komm' ich recht bald wieder herausund bleibe dann auch wohl längere Zeit hier. – Es gefällt mir recht gut hier draussenviel besser als in Helena drin."

"Sie sind zu gütig, Miss Adele," erwiderte James in grösster Verlegenheit – "wie sollte ich denn böse auf Sie sein dürfenachSie wissen gar nicht –"

"Gute Nacht, Ladies," sagte Sander und trat ohne weitere Umstände zwischen die Beiden, "gute Nacht, Missschlafen Sie hübsch aus, denn wir haben einen scharfen Ritt vor uns." Die Hand des jungen Mädchens ergreifend, die er leise an seine Lippen drückte, verliess er schnell das Haus, und James, der jetzt zu seinem Schrecken sah, dass er der letzte der Männer war und die Damen augenscheinlich warteten, allein gelassen zu werden, folgte ihm eben so rasch. Mehr aus alter Gewohnheit als zu irgend einem andern Zweck, nahm er noch seine Büchse und Kugeltasche über der Tür weg und mit zu dem eigenen Lager hinüber. Er schlief nicht gern, wie er selbst gestand, ohne