wir uns ganz prächtig drinnen eingerichtet haben, und dann wollen wir auch recht munter und vergnügt sein. Es tut einer alten Frau, wie ich bin, wohl, einmal so viele liebe, freundliche Gesichter um sich zu sehen, wie heute Abend."
Und ohne weiter eine Einrede anzunehmen oder überhaupt abzuwarten, fing Mrs. Lively selbst an, die umherliegenden Sachen in's Haus zu tragen, so dass die jungen Leute schon mit angreifen mussten. Bald darauf sassen Alle um den grossen, in die Mitte gerückten Tisch fröhlich versammelt, und der alte Lively, der sich ganz in seinem Element zu fühlen schien, erzählte eine Menge von Iagdanekdoten und Abenteuern. Seine Frau aber fuhr indessen hin und her, trug Alles auf, was Küche und Rauchhaus zu liefern vermochten, und hielt nur dann und wann in ihrem geschäftigen Eifer ein, um von Adele zu Mrs. Dayton zu gehen und ihnen mit einem herzlichen Händedruck zu wiederholen, w i e sie sich freue, dass sie endlich einmal ihrer Einladung gefolgt wären, und dass sie nun auch nicht daran denken dürften, sie unter sechs oder acht Tagen zu verlassen. Dass Adele am nächsten Tage schon eine Freundin am Mississippi besuchen wolle, verwarf sie total, und erklärte, Mr. Hawes sei ihr ein sehr lieber und willkommener Gast, wenn er ihr aber ihre liebe Adele entführen wolle, dann habe er es mit ihr zu tun, und das zwar nicht in Liebe und Güte.
James' Herz klopfte wild und stürmisch – deshalb also war jener glattzüngige Fremde mit hierher gekommen, Miss Adele wollte er schon am nächsten Morgen wieder mit fortnehmen – Pest – in welchem verhältnis stand er überhaupt zu Adelen – wäre er am Ende gar – es überlief ihn siedendheiss.
"Miss Adele," sagte er mit von innerer Bewegung erregter stimme – "Sie – Sie wollen uns also verlassen?"
"Ja, Mr. Lively," erwiderte das junge Mädchen, und ein eigenes, schelmisches Lächeln zuckte um ihre Mundwinkel – "Mr. Hawes hier will mich auf seine neugekaufte Plantage führen zu – zu seiner Schwester."
Hätte ein zündender Strahl in diesem Augenblick vor James Lively den Boden aufgerissen, ihm wäre das Blut in den Adern nicht schneller, nicht erkältender gestockt. – Sie wollte Mr. Hawes' neugekaufte Plantage besehen – seine S c h w e s t e r besuchen – armer James, da war für Dich wenig Aussicht! Er fühlte, wie sein Blut die Wangen verliess und jeder Tropfen in das erstarrende Herz zurückkehrte. Gleich darauf aber strömte es ihm auch mit nicht zu dämmender Gewalt wieder aufwärts in Stirn und Schläfe, und er sprang, die innere Bewegung zu verbergen, von seinem Sitz empor.
"Heh, James, wo willst Du denn hin?" fragte der Vater.
"Das übrige Hirschfleisch hinter's Haus schaffen," rief der Davoneilende zurück – "es hängt hier vorn zu niedrig; am Ende könnten sich doch die Hunde darüber machen."
"Da hast Du Recht," sagte der Alte – "daran hätt' beinahe nicht gedacht. Da ist's uns hier einmal vor vierzehn Tagen beinahe komisch gegangen – die geschichte muss ich Ihnen erzählen, Mr. Hawes" – und der vermeintliche Mr. Hawes, der mit einem höchst selbstzufriedenen Lächeln bemerkt hatte, wie und weshalb James aufgestanden und hinausgegangen war, lieh sein Ohr geduldig der Anekdote von einem erlegten Hirsch und den damit verknüpften Umständen. – In der Tat aber lauschte er mit der gespanntesten Aufmerksamkeit den Worten der jetzt im eifrigen Gespräch begriffenen Damen Dayton und Lively, die sich über eine Familie des Staates Georgia unterhielten, mit der Mrs. Dayton und Adele entfernt verwandt, wo aber die letztere erzogen und wie das Kind im haus behandelt worden war.
"Sie können sich fest darauf verlassen, Mrs. Dayton," beteuerte die alte Dame, "Lively hat erst vorgestern einen Brief von da erhalten. – Lieber Gott, wir sind ja dort sechzehn Jahre ansässig gewesen und kennen jedes Kind. Der alte Benwick soll seine Frau nur dreimal vierundzwanzig Stunden überlebt haben, und das Testament ist, dem Schreiben nach, schon am Mittwoch eröffnet worden. – Sie können mit jeder Stunde Nachricht erhalten."
"Es kamen heute Morgen zwei Briefe an meinen Mann," sagte Mrs. Dayton, "das schienen aber Geschäftsbriefe zu sein, er hätte doch sonst gewiss etwas erwähnt."
"Ei, die Gerichte nehmen sich auch bei so etwas Zeit, meine gute Mrs. Dayton," sagte Mrs. Lively – "so geschwind sind die nicht im Nachrichterteilen, besonders wenn's darauf ankommt, Geld ausser Land zu schicken."
"Welche von den beiden wäre I h n e n nun lieber gewesen," wandte sich jetzt der alte Lively plötzlich, und zwar so direct an seinen bis dahin nichts weniger als aufmerksamen Zuhörer, dass dieser, fast wie auf einem Abwege ertappt, zusammenfuhr und nur noch Geistesgegenwart behielt, die Frage in's Blaue hinein zu beantworten.
"Die erste, unbedingt die erste."
"Nun, sehen Sie, das freut mich," sagte der alte Mann, "das war auch meine Meinung. – James, sagt' ich, Du musst unbedingt die erste nehmen, und – soll mich der Henker holen, wenn er's am Ende nicht doch noch gewann."
"wunderbar," sagte