habe. James' fröhlicher Jagdruf antwortete aber dem drohenden Gebell der Meute. Jauchzend sprangen sie ihrem jungen Herrn entgegen und begrüssten bald darauf mit fröhlichem Gebell und Heulen die kleine Reiterschaar, die nun am Holzrand sichtbar wurde und rasch zu dem roh gearbeiteten Gattertor, das Einlass in die Farm gewährte, herantrabte.
Cook sprang schnell hinan, die Vorlegebalken zurückzuziehen, James aber, hier ganz in seinem Element, rief ihm nur ein fröhliches "Loock out" entgegen, und in demselben Moment hob sich auch, von Schenkeldruck und Zügel getrieben, das wackere Tierchen, das ihn trug, auf die Hinterbeine und flog mit keckem Satz über die doch wenigstens vier Fuss hohe Barriere. Sander, ebenfalls ein tüchtiger und sattelfester Reiter, wollte natürlich nicht hinter dem rohen Backwoodsman, der ihnen eine kurze Strecke entgegengeritten war, zurückstehen und folgte seinem Beispiel. Als Beide aber jetzt aus dem Sattel sprangen und zur Fenz eilten, die Stangen niederzulegen, vereitelte Adele, deren munteres Tier unter ihr tanzte und in die Zügel schäumte, diese Absicht, denn sie schien keineswegs gesonnen, den Männern etwas nachzugeben.
"Habt Acht, Gentlemen!" rief sie nur, tummelte ihren Zelter noch einmal zu kurzem Anlauf zurück, und ehe noch Mrs. Dayton, die nur erschreckt ein kurzes "Um Gottes willen – Adele!" ausstossen konnte, recht begriff, was das kecke Mädchen eigentlich wollte, sprengte sie an und setzte nicht über das niedere Eingangstor, sondern über die wohl einen Fuss höhere Fenz hinweg. In der nächsten Secunde hielt sie auch schon neben der Tür des Hauses, wo sie, ehe die Männer ihr beistehen konnten, rasch aus dem Sattel, die Stufen des Hauses hinaufsprang, und hier von der alten Mrs. Lively und Cook's junger Frau auf das Herzlichste, aber auch mit Vorwürfen über ihr wirklich tollkühnes Reiten begrüsst wurde.
Cook hatte indessen die Stangen niedergeworfen, Mrs. Dayton einzulassen, und die kleine Gesellschaft fand sich bald ganz gemütlich vor der Tür des Hauses, im Schatten eines breitästigen Nussbaumes zusammen, wo sie auf Stämmen, Stühlen und umgedrehten Kästen, was gerade in der Nähe zu finden war, Platz suchten. Mrs. Livelei liess es sich indessen, trotz ihrer Jahre, nicht nehmen, die grosse Kaffeekanne herbeizubringen, füllte mit Mrs. Cook's hülfe die blauen Tassen und Blechbecher – denn so viel Tassen zählte der Hausstand nicht – und reichte sie den willkommenen Gästen herum.
"Ei, Kaffee nach Tische, Mrs. Lively?" rief da Adele erstaunt; "das ist ja eine ganz neue Sitte – wer trinkt denn um solche Zeit Kaffee?"
"Das hab' ich von den Deutschen, meinen früheren Nachbarn, gelernt, Kindchen," sagte die alte Dame und klopfte den Nacken des schönen Mädchens – "und das ist eine gar prächtige Erfindung. – Kaffee schmeckt nie besser als nach Tisch – Morgens und Abends ausgenommen – und für so liebe, liebe Gäste muss man denn doch auch ein bischen was herbeischaffen, dass sie nicht ganz trocken sitzen."
"Wer ist denn der hübsche junge Mann, der da mit Euch gekommen ist?" flüsterte Cook dem jungen Lively zu, neben dem er stand. – "Mir kommt das Gesicht bekannt vor –"
"Weiss der Teufel, w e r es ist," sagte James und warf dem Fremden einen keineswegs freundlichen blick zu – "eingeladen hab' ich ihn nicht, und er behandelt Miss Adele, als ob er mit ihr aufgewachsen oder ihr Bruder wäre, und doch weiss ich, dass sie gar keinen Bruder hat."
"Prächtiges Haar!" sagte Cook.
"Prächtiges Haar?" murmelte James verächtlich – "wie ein Bündel Flachs sieht's aus – und das käseweisse Gesicht könnte mir den ganzen Appetit verderben, wenn mir den nicht schon überdies seine Gegenwart verdorben hätte."
Cook lächelte – es war nicht schwer, die Beweggründe zu durchschauen, die des jungen Mannes Aerger erregt hatten. Aber auch Adele schien etwas von dem gewahrt zu haben, denn sie warf, während sich ihr Nachbar eifrig mit ihr unterhielt, den blick mehrere Male halb lächelnd, halb ungeduldig nach ihm hinüber und rief ihn endlich, indess Mrs. Dayton eine lange Abhandlung mit den beiden Farmerfrauen über Butter, Käse, junge Ferkel und alte Kühe hatte, an ihre Seite.
"Nun, Sir", sagte sie und blickte dabei den ohnedies schon dadurch in die entsetzlichste Verlegenheit Gebrachten mit den grossen, glänzenden Augen so fest und durchdringend an, dass der arme Bursche, obgleich er gewiss die besten Vorsätze gehabt haben mochte, liebenswürdig zu erscheinen und die verwünschte Blödigkeit bei Seite zu werfen, den breiträndigen Strohhut abnahm, und erst langsam und dann immer schneller und schneller zwischen den Fingern herumlaufen liess – "Sie versprachen mir doch unterwegs das Abenteuer zu erzählen, was Sie neulich mit dem alten Panter gehabt. – Wie ich höre, hängt dort drüben an dem Persimonbaum das Fell – Herr Hawes hier behauptet eben, es sei einem einzelnen, bloss mit einem Messer bewaffneten Mann gar nicht möglich, einen Panter zu besiegen."
"Nun, ich weiss nicht," stotterte James, denn hier vor der jungen Dame von seinen Taten zu sprechen, kam ihm fast wie eine hässliche Prahlerei vor – "ich weiss doch nicht – Mr. Hawes – es ist auch vielleicht –"
"– schwieriger, mit einem Panter anzubinden, als