sprang nun mit weiten Sätzen dem kleinen Burschen entgegen, hob die schöne buschige Fahne und das mit kleinen krausen Löckchen versehene Behänge hoch empor, bellte ihn ein paar Mal mit tiefer volltönender stimme an, und versuchte dann vorsichtig, das Kind am Gurt des kleinen Röckchens zu fassen, um ihm die Bahn zu erleichtern, oder es seinem Herrn ganz zu apportiren.
"Lass ihn gehen, Bohs," rief dieser lachend, "lass ihn gehen. – Warte Bursche – glaubst Du, d e r könne nicht allein kommen? Will der Hund! – Nun sehe Einer den ungeschlachten Schlingel an – dreht er mir den Jungen ganz herum."
Der Zuruf galt aber wirklich dem Hunde. Als es diesem nämlich verboten worden, das Kind in die Schnauze zu nehmen, übersprang er dasselbe mehrmals mit hohen Sätzen und versuchte dann, den Kopf dabei zur Seite gebogen und mächtig dazu mit dem Schwanze wedelnd, es mit der breiten kräftigen Tatze zu sich herüber zu ziehen. Allerdings rollte er die kleine unbeholfene Gestalt des Kindes dabei rund herum; das aber nahm die Freiheit keineswegs übel, sondern schien sich im Gegenteil sehr über den ungeschickten Spielkameraden zu freuen. Es jauchzte ein paar Mal laut auf und setzte dann seine Bahn zum Vater fort, der ihm nun auf halbem Wege entgegenkam und es lächelnd zu sich emporhob.
"William," sagte der Alte, während er sich vergnügt und schmunzelnd die hände rieb. "William – das ist ein capitales Stück Wildpret; – das reine Feist, wie man sich's nur wünschen kann, und die Rippen werden unmenschlich gut schmecken. Es war doch gut, dass Du heute Mittag noch einmal am Rohrbruch hingingst – ich dachte mir's immer, Du würdest dort 'was finden."
"Ach mit dem Denken, Vater," lachte der junge Mann, während er das rotwangige Kind herzte und küsste und auf den Armen schaukelte – "mit dem Denken ist's eine gewaltig unsichere Sache. So sagt man nachher immer, und wenn man's genau nimmt, so hat man sich beim Burschen hinter jedem Dickicht, an jedem sonnigen Hügel ein Stück wild gedacht. – dafür lob' ich mir aber auch das Burschen. – Es gibt kein herrlicheres Vergnügen auf der weiten Gotteswelt – eine gute Bärenhetze vielleicht ausgenommen, und ich glaube, ich könnte gleich aus freien Stücken ein Indianer werden, wenn ich –"
"Wenn ich Jemanden dabei hätte, der mir Mais und süsse Kartoffeln baute, nicht wahr?" unterbrach ihn lachend der Alte – "oh ja, so zum Vergnügen den ganzen Tag im wald herum zu spazieren und weiter keine Arbeit zu haben, als gute Stücken Fleisch zum Haus zu tragen, das glaube' ich schon, das liesse ich mir auch gefallen, das geht aber nicht. – Mein Junge zum Beispiel würde jetzt schön gucken, wenn sein alter Vater in seiner Jugend weiter nichts getan hätte, als Büchsenläufe schmutzig gemacht. Nein, dafür sind wir – der Henker soll doch die Mosquitos holen, sie beissen heute wie besessen" – und er rieb sich abwechselnd mit den rauhen Sohlen die kaum zarteren, wenigstens eben so braun gebrannten Spannen seiner blossen Flüsse – "dafür sind wir hierher gesetzt, dass wir im Schweiss unseres Angesichts – wie der alte Schleicher sagt – unser Brod verdienen sollen. Das heisst, wir müssen uns schinden und plagen, um das Jahr über genug Mais und süsse Kartoffeln zu haben."
"Alle Wetter!" lachte Cook, während er erstaunt von seiner Arbeit aufsah, "Ihr haltet ja heute ordentliche Reden – die sind doch sonst Eure Passion nicht –"
"Nein, Junge" – sagte der Alte – "Euch jungem volk muss man aber dann und wann in's Gewissen reden, das ist Pflicht und Schuldigkeit, und da tut mir's gut, wenn ich einmal so mit meiner Meinung herausbrennen kann, ohne dass die Alte gleich ihren Senf dazu gibt, denn die nimmt Eure Partei."
"Hallo" – sagte Cook, "da wollt I h r mir wohl eine Predigt gegen die Jagd halten? Das ist göttlich – hol' mich Dieser und Jener, das ist kostbar."
"Ja, und nicht allein gegen die Jagd," fuhr der Alte fort, während er langsam und vorsichtig das rechte Bein emporhob und mit der Hand scharf auf einen, seine grosse Zehe belästigenden Mosquito visirte – "nicht allein gegen die Jagd, auch gegen das gotteslästerliche Fluchen" – die Hand schlug herunter, der Mosquito hatte aber Unrat gemerkt und sich bei zeiten der Gefahr entzogen – "verdammte Bestie", unterbrach der alte Mann mit halblauter stimme seinen Vortrag – "auch gegen das gotteslästerliche Fluchen" – fuhr er dann gleich darauf wieder fort.
"Hahaha –" rief Cook und wandte sich gegen den Alten, "ich soll wohl nicht wieder 'verdammte Bestie' sagen?"
"Unsinn," brummte Lively und kratzte sich die Stelle, wo das kleine Insect eben gesogen hatte – "Unsinn – aber heda – Bohs fährt auf – unsere Gäste kommen wahrscheinlich."
Bohs fuhr in diesem Augenblicke wirklich rasch empor, windete wenige Secunden lang gegen den Wald hin, und schlug dann in lauten, vollen Tönen an. Blitzesschnell wurde das von den übrigen, meistens im Schatten gelagerten Rüden begleitet, die gleich darauf herbeistürmten, um nun auch zu sehen, was die Aufmerksamkeit ihres Führers erregt